Barrierefreie Kreuzfahrten

Kreuzfahrten boomen. In den vergangenen Jahren sind die Angebote auch für Rollstuhlfahrer immer attraktiver geworden. Mittlerweile finden sich auf vielen Kreuzfahrtriesen schicke, barrierefreie Kabinen, auf Wunsch auch mit Meerblick und Balkon.  

Sanft schaukelnd erwachen, aus dem Balkonfenster auf das weite Meer schauen, sich auf das Frühstücksbuffet und den nächsten Hafen freuen: Kreuzfahrten sind nicht nur deshalb so beliebt, weil sie Passagiere auf die schönste Weise an die spannendsten Ziele bringen, sondern auch, weil es an Bord jede Menge Annehmlichkeiten und Freizeitvergnügungen gibt. So werden auch mehrtägige Passagen nicht langweilig.

Ob Flusskreuzfahrt oder quer über den Atlantik – immer mehr Anbieter von Kreuzfahrten und Reisebüros entdecken dabei „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“ als ihr Klientel. Aidia, MSC Kreuzfahrten, TUI Cruises, Costa und viele mehr haben barreierefreie Kabinen in ihre Schiffe integriert. Einen Überblick hierzu und zu weiteren Services für Menschen mit Handicap liefert z.B. der Kreuzfahrtblog „Dreamlines“ unter: Kreuzfahrten mit Handicap

Kabinen vor der Kamera

Auf YouTube präsentieren die Reedereien, „Schiffstester“, Reisebüros und andere barrierefreie Kabinen der Kreuzfahrtschiffe in Videos, die zeigen, wie geräumig die Kabinen für Rollstuhlfahrer sind oder was sie zudem an Service bieten (Die folgende Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist nicht als Empfehlung zu verstehen):

AIDA prima Innenkabine für Rollstuhlfahrer:

Aida perla Balkonkabine für Rollstuhlfahrer:

Celebrity Cruises Innenkabine für Rollstuhlfahrer + Impressionen von Freizeit- und Gastrobereichen:

TUI Cruises Außenkabine für Rollstuhlfahrer:

TUI Cruises Außenkabine für Rollstuhlfahrer mit Balkon:

Ankommen

Es kann einige Zeit dauern bis das Gepäck nach der Ankunft auf dem Schiff zur Verfügung steht. Zuvor muss es Sicherheitsüberprüfungen, das Röntgen und den Transport auf das richtige Deck durchlaufen. Notwendige Utensilien sollten also im Handgepäck mitgeführt werden.

Landgänge

In der Regel fährt das Schiff im Hafen ein Terminal an. Dann können Rollstuhlfahrer barrierefrei und bequem über die Gangway an Land kommen. Je nach Seegang oder Hafen liegen die großen Kreuzfahrtschiffe aber auch im Hafenbecken vor Anker. Sogenannte Tenderboote bringen die Gäste dann an Land. Rollstuhlfahrer sollten sich über die Zielhäfen informieren und sicherstellen, dass evtl. genutze Tenderboote auch für sie geeignet sind.

Preise

Längst ist eine Kreuzfahrt kein Privileg gutbetuchter älterer Reisender mehr. Das Angebot ist riesig, die Preise gesunken und das Publikum entsprechend gemischt. Behindertengerechte Kabinen kosten in ihrer Klasse in der Regel nicht mehr als andere. Erfahrungsberichten zufolge sollten (behinderte wie nichtbehinderte) Reisende aber bereits bei der Buchung auf Zusatzkosten an Bord achten. So kann der Zugang zu Freizeitaktivitäten, Internet & Telefon, Ausflüge auf das Festland oder das Trinkgeld für das Bordpersonal und mehr die Kosten in die Höhe treiben.

Mehr zu ihren Preisen haben viele Reedereien im Internet veröffentlicht. Wer zum ersten Mal auf Kreuzfahrt geht, sollte sich in einem Reisebüro beraten lassen.

Reiseapotheke

Vom Arzt verschriebene Medikamente sollten selbstverständlich ausreichend mit an Bord kommen, ebenso wie alle notwendigen Hilfsmittel und vorbeugenden Medikamente gegen typische individuelle Komplikationen wie Druckgeschwüre oder Harnwegsinfektionen. Wer empfindlich auf Seegang reagiert, benötigt zudem ein Mittel gegen Übelkeit.

Seenotrettungsübung

Laut internationalem Seerecht muss die Seenotrettungsübung innerhalb von 24 Stunden nach Betreten des Schiffes stattfinden. Menschen mit Behinderungen müssen in der Lage sein, selbstständig oder mit Hilfe ihrer Begleitperson zu den Sammelstationen (Musterstation) bei den Rettungsbooten zu gelangen.

Umwelt

Ein Schiff hat einen Dieselantrieb, aus seinen Schornsteinen fliegen kleine Rußpartikel, den Meeren tut unsere Reiselust also nicht gerade gut. Auf keinem der europäischen Kreuzfahrtschiffe ist eine Reise aus Umwelt- und Gesundheitssicht derzeit uneingeschränkt empfehlenswert. Das ist das Ergebnis eines NABU-Kreuzfahrtrankings von 2016.

 

„Mehr Platz zum gleichen Preis“ – Jan-Peter Börnsen über seine Kreuzfahrten

Jan-Peter Börnsen reist gern und viel. Als Jugendlicher verletzte er sich während des Sportunterrichts bei einem Trampolinunfall schwer und behielt eine hohe Querschnittlähmung zurück. Das hält ihn nicht davon ab, die Welt zu sehen.

Herr Börnsen, wie viele Kreuzfahrten haben Sie schon unternommen?

Seit 2012 war ich dreimal unterwegs: Im Mittelmeerraum, im Norden zwischen Skandinavien und Russland und zuletzt auf der Fahrt „Die Metropolen im Norden Europas“: Hamburg, Southampton – Le Havre – Zeebrügge – Rotterdam – Hamburg. Dabei war ich zuerst skeptisch und dachte mehr so an eine Art „gesetztes Publikum“, aber die Gäste auf den Kreuzfahrtschiffen waren immer wild gemischt, eine gute Atmosphäre!

Riesig: Jan-Peter Börnsen vor dem Luxusliner in Brügge

Was muss man beachten, wenn man als Tetraplegiker auf Kreuzfahrt gehen will?

Auf jeden Fall sollte man früh genug buchen. Bei der Aida gibt es dafür spezielle Formulare. Hier kann ich auch sagen, dass alles immer völlig unkompliziert war und sich das Team sehr auf Rollstuhlfahrer einstellt. Ich reise ja z.B. auch mit Beatmungsgeräten, aber solange man selbst die Reise gut durchdacht und vorbereitet hat, ist es kein Problem. Das Team muss nur sicher sein können, dass auch auf längeren Routen ohne Landgang für alles gesorgt ist – der Kapitän hat schließlich die Verantwortung.

Wie bereiten Sie sich auf eine Kreuzfahrt vor?

Ich bin auch bei meiner letzten Kreuzfahrt im Sommer 2016 mit drei Assistenten, meiner Schwester und ihrer Familie unterwegs gewesen. Da habe ich natürlich viel Unterstützung. Die Auswahl des Schiffes ist immer nach den Reisezielen erfolgt. Selbstverständlich müssen die Ausrüstung und auch die Medikamente für die gesamte Reise gesichert sein. Und für die Zielhäfen sollte man sich die Möglichkeiten des Sightseeings überlegen. In Helsinki, Rom oder Monaco gibt es die sogenannten „roten Busse“, die barrierefrei zugänglich sind und Stadtrundfahrten anbieten. Ich habe aber auch schon mal im Vorfeld ein barrierefreies Auto in einem Hafen für mich gebucht.

Haben sich die Angebote in Sachen Barrierefreiheit weiterentwickelt?

Ich kann nur von Aida-Schiffen berichten, aber hier sind die Barrierefreiheit und der Komfort für Rollstuhlfahrer auf jeden Fall gestiegen. Inzwischen verfügen viele Kabinen über noch mehr Platz, breitere Türen ohne Schwellen; bei der Aida prima gingen die Türen zur barrierefreien Kabine sogar automatisch auf. Großes Bad, ebenerdige Dusche, ein schöner Balkon. – Großer Komfort und mehr Platz zum gleichen Preis, wie ihn Passagiere für andere Kabinen auch zahlen. Auf dem Schiff selbst gab es sonst keine Türen – alles war  zu erreichen.

Wie sieht es mit der medizinischen Versorgung an Bord aus?

Ein Arzt war auf den Aida-Schiffen immer da. Reisende mit Behinderung sollten sich zu Beginn der Reise bei ihm vorstellen – aber ich bin irgendwie nicht dazu gekommen. Es gab immer so viel zu sehen und zu machen!

Wunderhübsch: Honfleur in der Normandie

Welche Reiseziele können Sie besonders empfehlen?

Honfleur in der Normandie ist sehr hübsch mit seiner alten Holzkirche und dem Hafen. Dort haben wir Station gemacht auf der Fahrt zu den Metropolen Europas. Brügge hat mir auch sehr gefallen, aber viel Kopfsteinpflaster! Rotterdam dagegen ist ziemlich rollstuhlgerecht. Da denkt man, das sei so eine dreckige Industriestadt, aber gar nicht – Rotterdam ist wirklich sehenswert. Insgesamt waren es alles schöne Reisen – jede auf ihre Art.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Fragen & Kommentare

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  1. Andreas 19.10.2017, 19:39 Uhr

    Das liest sich sehr positiv, dass Angebot und die Möglichkeiten für z. B. Querschnitte. Kann man denn an Bord auch einen Pflegedienst bekommen, der auch aufwendige Unterstützung wie Hilfe beim Abführen, Duschen und Anziehen leistet?

    Grüße Andreas

    • Nikola Hahn 23.10.2017, 09:57 Uhr

      Guten Tag Andreas,

      obwohl einige Reedereien auf ihren Schiffen schon gute Services für Menschen mit Behinderungen oder ältere Reisende bis hin zu Möglichkeiten für eine Dialyse geschaffen haben, konnten wir noch kein Kreuzfahrt-Angebot entdecken, bei dem pflegerische Tätigkeiten durch das Personal an Bord abgedeckt werden könnten. Auch nicht gegen Aufpreis. Vielmehr ist es so, dass Menschen mit pflegerelevanten Beeinträchtigungen nur dann mitreisen können, wenn ihre Assistenz gewährleistet ist, sie also selbst eine ggf. notwendige Pflegeperson mitbringen.

      Beispielhaft sei hier auf den „Fragebogen Barrierefreiheit“ der „Aida“ verwiesen: media.aida.de/fileadmin/user_upload/v4/Service_an_Bord/Barrierefreiheit/Dokumente/Fragebogen_Barrierefreiheit (PDF)

      Sollten LeserInnen hier andere Erfahrungen gemacht haben, nehmen wir Hinweise gern entgegen.

      Viele Grüße

      Nikola Hahn