Gaspard: Drucksensoren und App gegen Dekubitus

Wenn man zu lange und/oder in einer ungünstigen Position im Rollstuhl sitzt, fordert Gaspard seinen Nutzer zu einer Druckentlastung auf. Nicht persönlich, sondern per SMS. Ein Produkt das bei der Prävention von Dekubitus durchaus sinnvoll sein kann.

Druckstellen (Dekubitus) sind eine Gefahr, der Querschnittgelähmte aufgrund der eingeschränkten Oberflächensensibilität (siehe: Sensibilität und Empfindungsstörungen bei Querschnittlähmung) vermehrt ausgesetzt sind. Beim Sitzen im Rollstuhl ist daher ein Positionswechsel in regelmäßigen 10- bis 15-minütigen Intervallen unabdingbar für eine Gesunderhaltung der Haut und des darunter liegenden Gewebes. (Für weitere Informationen siehe: Entstehung von Druckstellen und Prävention von Druckstellen).

So funktioniert es:

Das Gaspard System besteht aus zwei Komponenten: Einer mit Drucksensoren ausgestatteten Matte und einer Smartphone App. Die Matte wird unter das Sitzkissen des Rollstuhls gelegt. Die 16 integrierten Drucksensoren zeichnen Sitzpositionen, -dauer und Umpositionierung des Nutzers auf. Zudem wird der Druck, der auf die Sitzfläche ausgeübt wird, und welche Region am stärksten betroffen ist, gemessen. Wenn ein unvorteilhaftes Positionsschema erkannt wird, nutzt Gespard die zum System gehörende App und sendet eine Nachricht an das Smartphone des Nutzers oder von Pflegepersonen. Es wird angezeigt, welche Stelle entlastet werden muss.

Über die App einsehbar sind ebenfalls die aufgezeichneten Daten, d. h. der Nutzer kann feststellen, wie die Druckverhältnisse den Tag über verteilt waren und auf welche Stelle der Sitzfläche die größte Kraft einwirkt. Auch asymmetrische Sitzpositionen, die das Entstehen von Druckstellen begünstigen, werden erkannt. Wiederholt sich diese Stelle und/oder Positionen immer wieder, muss mit physiotherapeutischen Maßnahmen versucht werden, die Sitzposition zu verbessern. Das Gaspard System kann hier zur Erfolgskontrolle dienen.

Die Idee

Die Initialidee zum Gaspard System stammt von Morgan Lavaux, der sich bei einem Sportunfall eine Querschnittlähmung zuzog und während seiner Rehabilitation über die verschiedenen möglichen Gesundheitsrisiken, u. a. über Dekubitus (siehe: Entstehung von Druckstellen), aufgeklärt wurde. Das Einhalten der korrekten Position und die regelmäßigen Wechsel fielen ihm schwer. Gemeinsam mit Valentin Roy machte er sich daran das Problem zu lösen. Die Entwicklung fand in Zusammenarbeit mit Querschnittzentren statt, und das Endprodukt hat, so hoffen die Erfinder, das Potential, die gesundheitlichen Risiken bei Querschnittlähmung zu verringern.

Weitere Visionen

Neben dem persönlichen Vorteil soll die App noch mehr können. Die Entwickler wollen die Kommunikation zwischen Patienten und Mitarbeitern von Gesundheitsberufen erleichtern. Die gespeicherten Daten können vom Benutzer z. B. via Bluetooth an den behandelnden Arzt, Therapeuten oder die Pflegepersonen geschickt werden.

Für die Zukunft sind weitere Funktionen geplant; z. B. soll das System erkennen können, ob der Nutzer aus dem Rollstuhl gefallen ist und per SMS eine Nachricht an Hilfspersonen schicken. Zudem soll die Matte mit den Drucksensoren auch in der Lage sein, das Gewicht des Nutzers zu messen, was für Rollstuhlfahrer ja oft nicht so einfach ist (siehe: Wie wiegen sich Rollstuhlfahrer), und feststellen können, ob das Sitzkissen (siehe: Sitzkissen für Rollstühle) noch in optimalem Zustand ist oder nicht.

Kosten

Das Gaspard System kostet ca. 600 Euro (Stand: Juli 2019)  inkl. Steuer und Versand ins Ausland  und ist damit in der selben Preisklasse wie das kanadische Produkt SensiMat (siehe: SensiMat System – Die Anti Dekubitus-App für Rollstuhlfahrer).

Weitere Informationen

Für weitere Informationen (in französischer Sprache) und zur Onlinebestellung geht es hier: mistergaspard.com

 

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