Der Nutzen von Fitnesstraining für Querschnittgelähmte

Eine neue Studie weist darauf hin, dass ein angepasstes Fitnesstraining für Erwachsene mit Querschnittlähmung von großem gesundheitlichem Nutzen sein kann. 20 Minuten zweimal die Woche scheinen auszureichen.

Eine Veröffentlichung im Fachmagazin Neurology weist darauf hin, dass Erwachsene mit Querschnittlähmung einen großen gesundheitlichen Nutzen aus regelmäßiger sportlicher Aktivität ziehen können. Die Übungen steigern die Fitness und Herz-Kreislaufgesundheit der Testpersonen. Der erhoffte Hinweis auf eine günstige Auswirkung für die Knochengesundheit konnte jedoch nicht gefunden werden. Die Forscher hoffen trotzdem, dass ihre Ergebnisse wegweisend sind für spezifische Richtlinien zu effektiven Übungsarten, Trainingsdauer und -intensität für Menschen mit Querschnittlähmungen.

Die Studie

Menschen mit Querschnittlähmungen sind weniger aktiv als Menschen ohne Beeinträchtigungen – und auch als Menschen mit anderen Arten von Behinderungen. Daher befassten sich Wissenschaftler aus Großbritannien und Kanada mit dem Thema und untersuchten wie viel sportliche Aktivität und welche Art von Übungen für Menschen mit Rückenmarksverletzungen sinnvoll und hilfreich sind. Die Forscher beurteilten daher alle wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die den Zusammenhang zwischen Querschnittlähmung, sportlicher Aktivität inklusive Häufigkeit, Intensität und Dauer behandelten, unter den folgenden sechs Aspekten körperlicher Gesundheit: Herz-Kreislauf-Belastbarkeit, Muskelstärke, Leistungsfähigkeit, Körperzusammensetzung (Fett, Muskeln), kardiovaskulärer Risikofaktor und Knochengesundheit.

Von den 211 Studien, die zur Verfügung standen, beschäftigten sich 189 mit chronischer und 22 mit akuter Querschnittlähmung.

Ergebnisse

Es gibt kaum Hinweise darauf, dass Menschen mit akuter, z. B. unfallbedingter Querschnittlähmung von sportlichen Übungen profitieren, allerdings gibt es hier auch zu wenige Studien, um aussagekräftige Ergebnisse zu bieten. Es gab allerdings genügend randomisierte Studien mit einer hohen Anzahl an Teilnehmern und entsprechenden Kontrollgruppen sowie Sicherheitsprotokollen, die aussagekräftige Ergebnisse hinsichtlich chronischer Querschnittlähmung liefern konnten. Und diese zeigen eindeutige Vorteile für Rückenmarksverletzte, die sportlicher Aktivität nachgehen.

Besonders vorteilhaft sollen laut Studie Oberkörpergymnastik und eine Kombination aus Oberkörpergymnastik und Muskelaufbautraining sein. Schon 20 bis 40 Minuten an zwei bis drei Tagen der Woche sollen alle der genannten sechs Faktoren positiv beeinflussen – mit Ausnahme der Knochengesundheit. Sportliche Aktivität scheint enttäuschender Weise keinen Einfluss auf die Knochen von Querschnittgelähmten zu haben und kann daher nicht als Prophylaxe zur gefürchteten Osteoporose genannt werden (siehe: Osteoporose bei Querschnittlähmung).

Ein weiteres erfreuliches Ergebnis ist die Erkenntnis, dass sportliche Aktivität kaum einen negativen Effekt zu haben scheint. Querschnittgelähmte, die Oberkörpergymnastik und Muskelaufbautraining machten, berichteten – abgesehen von vereinzelt auftretendem Muskelkater, steifer Nacken, u. ä. – von keinen durch das Training ausgelösten Beschwerden.

Was die Aussagekraft dieser Ergebnisse angeht, ist allerdings zu beachten, dass in den meisten der durchgeführten Studien die Teilnehmer nicht zu Hause und auf sich alleine gestellt, sondern unter Anleitung in einer medizinischen Einrichtung trainierten. Zudem war keiner der Teilnehmer älter als 65 Jahre alt und es wurde nur eine Übung mit einer Kontrollgruppe verglichen.

Für weitere Informationen (in englischer Sprache) siehe: Effects of exercise on fitness and health of adults with spinal cord injury: A systematic review.

 

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