Waldwegenetz für E-Handbiker im nördlichen Baden-Württemberg

Wer als Rollstuhlsportler in einer herrlichen Naturlandschaft Mountainbike-Touren für Handbikes unternehmen will, kann das seit August 2017 tun. Im Naturpark Neckartal-Odenwald gibt es fünf entsprechende Strecken, die unterschiedlich lang sind und verschiedene Schwierigkeitsstufen aufweisen.

Die Touren sind auf Wegweisern mit einem blauen Handbike-Schild ausgewiesen, und auch die Schwierigkeitsstufen finden sich darauf erklärt. Die Verantwortlichen, der Naturpark Neckartal-Odenwald und die regionale Manfred-Sauer-Stiftung, die sich für die Rehabilitation Querschnittgelähmter engagiert, hatten drei Jahre an dem gemeinsamen Projekt gearbeitet, um so Rollstuhlfahrern die Möglichkeit zu geben abseits der öffentlichen Straßen auf Strecken über Stock und Stein zu fahren. Die Wege können auch von Mountainbikern und Fußgängern genutzt werden.

Die Touren

Die Touren starten ab der Stiftung in Lobbach (bei Heidelberg) und führen dorthin auch wieder zurück. Die kürzeste und zugleich einfachste Tour ist 4,6 Kilometer lang, doch es gibt auch anspruchsvollere Touren von 18 bzw. 20 Kilometern Länge. Ganz ambitionierte Freizeitsportler können sich auch an die längsten Stecken von 26 bzw. 32 Kilometern wagen, denn landschaftlich ist jeder Meter ein Traum: Die Touren führen durch Walder, Täler, Hügel und Wiesen.

Eine Strecke schlängelt sich an Bächen und Feldern vorbei durch lichte Mischwälder, eine andere folgt einer Anhöhe hinauf zu einer alten Burganlage – der Feste Dilsberger, die schon Mark Twain bewundert hat – und gewährt einen beeindruckenden Blick auf das Neckartal.

Je nach Strecke sind Höhenmeter zwischen 75 bis 526 Metern zu bewältigen.

Alle Touren waren im Vorfeld von Handbikern getestet worden und auch bei der Streckenwahl war ihre Expertise eingeflossen. Die Tourenverläufe wurden, laut Verantwortlichen, unter dem Kriterium ausgesucht, dass Steigungen nicht zu häufig auftreten und nicht zu lang sind. Die Strecken sind mit Richtungspfeilen gekennzeichnet und es wird empfohlen, die Touren in der gekennzeichneten Richtung abzufahren.

Von den Machern werden einige Verhaltensregeln für das Befahren der Waldwege für E-Handbiker empfohlen, z. B.:

  • Rollstuhlfahrer sollten von einem Guide oder einer Begleitperson begleitet werden.
  • Ein Mobiltelefon sollte für Notfälle mitgeführt werden; allerdings kann es auf den Strecken zu Netzausfällen kommen.
  • Auf Feld- und Waldwegen ist mit Löchern, Matsch und grobem Schotter zu rechnen.
  • Die Feldwege werden meist nur einmal im Jahr gemäht. Daher ist mit hohem Grasbewuchs zu rechnen.
  • Bei den Waldwegen ist mit Astbruch, Totholz, Wurzeln, Folgen und Spuren von Waldarbeiten zu rechnen.
  • Mit Streckensperrungen durch forstwirtschaftliche Arbeiten (Holzfällung u. a.) muss gerechnet werden.
  • Auf andere Rad- und Fußgänger ist Rücksicht zu nehmen.

Wer Geschmack an den ausgedehnten Touren in freier Natur gefunden hat, interessiert sich vielleicht auch für Rollstuhlwandern in Baden-Württemberg

Zu einem pdf-Download des Flyers Handbike-Touren Rund um die Manfred-Sauer-Stiftung geht es hier.

 

 

Die Macher

Das Waldwegenetz für E-Handbiker ist ein Gemeinschaftsprojekt des Naturpark Neckartal-Odenwalds und der gemeinnützigen Manfred-Sauer-Stiftung in Lobbach im Odenwald.

Der Naturpark Neckartal-Odenwald umfasst eine Fläche von 152.000 ha. Er befindet sich im äußersten Norden Baden-Württembergs und grenzt an die Bundesländer Bayern und Hessen. Die Geschäftsstelle und das Naturparkzentrum im Thalheimschen Haus befinden sich in Eberbach am Neckar. Der Verein „Naturpark Neckartal-Odenwald e.V.“ wurde 1980 gegründet und setzt sich aus dem Vorstand und den Mitgliedern zusammen.

Auf seiner Website stellt der Verein Informationen zu u. a. Gastronomie sowie Wander- und Fahrradtouren in der Region bereit. Auch barrierefreie Angebote zu Lokations und Unterkünften gibt es bereits, die hier  einzusehen sind.

Die Manfred-Sauer-Stiftung will querschnittgelähmte Rollstuhlfahrer und deren Partner ermutigen, sowohl das eigene Schicksal anzunehmen, als auch sich darüber hinaus Ziele zu setzen, das Leben leistungs- und selbstbewusst zu gestalten. Im Sinne des Stiftungsgedankens bedeutet Leistungsbereitschaft vor allem die Übernahme von Verantwortung für das eigene Wohlbefinden, die Gesundheit und das nähere Umfeld, bis hin zum gesellschaftlichen Engagement. Es geht darum, das Leben aktiv in die Hand zu nehmen, um trotz der körperlichen Einschränkungen ein erfülltes Leben führen zu können.

Die Voraussetzungen hierzu will die Manfred-Sauer-Stiftung mit u. a. dem Schwerpunkten Körperbewusstsein schaffen. Betroffenen soll das Erreichen körperlichen Wohlbefindens durch Trainings- und Entspannungseinheiten im Gesundheitszentrum mit den Abteilungen Fitness, Sport, Wellness und Physiotherapie ermöglicht werden. Das neu geschaffene Waldwegenetz für E-Handbiker ist Teil dieser großen Idee.

 

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