Sieben Wege zur Vermeidung von Blähungen bei Querschnittlähmung

Blähungen sind ein sehr häufiges und belastendes Problem, von dem 10-30 % der Erwachsenen in Deutschland betroffen sind. In der großen Patientengruppe mit funktionellen Verdauungsstörungen, zu denen auch Menschen mit Querschnittlähmung gehören, sind Blähungen ein häufiges und oft störendes Problem.

So konnten in einer Untersuchung aus dem Jahr 2009 bei 92 Menschen mit Querschnittlähmung bei 64 % störende Blähungen festgestellt werden. Die Blähungen sind nicht zuletzt deshalb störend, weil oft beim Luftabgang nicht unterschieden werden kann, ob es sich nur um Luft handelt oder eben auch feste Stuhlbestandteile ausgeschieden werden.

Für die Gasbildung im Verdauungstrakt gibt es zwei Hauptursachen: die ernährungsbedingten und die verstopfungsbedingten Ursachen.

Ernährungsbedingte Blähungen

Die Ernährungsbedingten Ursachen führen unmittelbar nach dem Verzehr eines Lebensmittels zu Blähungen. Zu den eher blähungsverursachenden Lebensmittelgruppen gehören z. B. Kohlsorten, Zwiebelgewächse, stark zuckerhaltige Produkte und Lebensmittel mit hohem Anteil an Ballaststoffen. Die Reaktion auf Lebensmittel in Form von Blähungen ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Auch die Zubereitungsart oder die Lebensmittelauswahl kann von großer Bedeutung sein. So ist der Strunk eines Blumenkohls als blähungsfördernd zu bezeichnen, während der Darm auf die Blumenkohlröschen alleine wesentlich weniger reagiert.

Zunehmend spielen bei der Entstehung von Nahrungsmittelinduzierten Blähungen auch Unverträglichkeiten auf bestimmte Nahrungsmittel oder Gruppen von Nahrungsmitteln eine große Rolle. Zu den bekanntesten Unverträglichkeiten zählen:

  • Fructoseintoleranz
  • Laktoseintoleranz
  • Glutenunverträglichkeit

Siehe auch: Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Verstopfungsbedingte Blähungen

Den nahrungsmittelbedingten Blähungen stehen die Blähungen gegenüber, die aufgrund einer Verstopfungsproblematik entstehen. Das heißt, der Stuhl befindet sich aufgrund einer Verstopfung (Obstipation) verlängert im Darm und die Darmbakterien können den Stuhl mehrfach verdauen. Dabei kommt es zu einer Ausdehnung des Darmlumens und dadurch kommt es zur Erhöhung der Gasproduktion im Darm. Solange die Verstopfung besteht bleibt auch die Problematik der Blähungen bestehen. Im Extremfall kommt es zu einer Mischung der Ursachen, wenn verstopfte Personen auch noch stark blähende Lebensmittel zu sich nehmen.

Blähungen aufgrund von Medikamenten

Verschiedene Medikamente können einen Blähbauch fördern. Zu den Medikamenten, die Blähungen auslösen können, gehören teilweise Schmerzmittel, Medikamente mit entzündungshemmenden Wirkstoffen aber auch einige Diabetesmedikamente oder Abführmittel.

Weitere Ursachen für Blähungen

Neben diesen Hauptursachen lassen sich weitere Ursachen für Blähungen ausmachen

  • Zunahme des absoluten Volumen des Darminhaltes
  • Abnahme der Aktivität der Bauchwandmuskulatur
  • Objektive Bauchumfangszunahme
  • Abnormale Viscerosomatische Reflexe (Bauch-Zwerchfell-Dyskoordination)
  • Veränderte Darmflora (bakterielle Fehlbesiedelung des Darms) bis hin zu abnormaler Stuhlfermentation (gestörte Umwandlungsprozesse im Darm)

Blähungen können sich unterschiedlich äußern und reichen von dem gewöhnlichen Windabgang bis hin zu Völlegefühl oder sich aufgeblasen fühlen. Aber auch Schmerzen, Übelkeit und Luftnot können Folgen von Blähungen sein. Durch die extreme Ausweitung der Gase im Darm kann der Darm einen Druck gegen die inneren Organe bis hin zur Lunge auslösen. Dies kann teilweise auch sehr schmerzhaft sein und gerade beim Tetraplegiker die Atmung noch zusätzlich erschweren. Das heißt, Blähungen und in wie weit diese als belastend oder störend empfunden werden ist immer ein subjektives Empfinden.

Sieben Wege zur Vermeidung von Blähungen

Nur durch Klärung der Ursachen für die Blähungen ist eine zielgerichtete und effektive Therapie von Blähungen möglich.

1. Maßnahmen gegen Blähungen, die durch Luftschlucken verursacht werden

Verhaltensregeln wie

  • Langsames Essen
  • Stressfreie Bedingungen beim Essen
  • Gutes Kauen
  • Übermäßige Mahlzeiten vermeiden
  • Unregelmäßige Nahrungszufuhr vermeiden
  • Hohen Kaffeekonsum reduzieren
  • Stark kohlensäurehaltige Getränke reduzieren oder weglassen
  • Rauchen und Kaugummi kauen – stoppen

2. Maßnahmen gegen Blähungen, die durch Nahrungsmittel oder deren Unverträglichkeit verursacht werden

  • Nahrungsmittel testen – auf was man reagiert
  • Nahrungsmittel weglassen
  • Ein Ernährungsprotokoll kann in diesem Zusammenhang hilfreich sein, die Nahrungsmittel, welche die Blähungen auslösen, herauszufinden.
  • Fenchelsamen, Kümmelsamen dem Essen beigeben
  • Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten testen 

3. Maßnahmen gegen Blähungen, die durch Verstopfung verursacht werden

  • Verstopfung beseitigen
  • Ausreichende Trinkmenge
  • Verdauungsfördernde Ernährung
  • Beratung zur Verdauungsproblematik wahrnehmen

4. Medikamente gegen Blähungen

Es stehen verschiedene Medikamente gegen Blähungen zur Verfügung

  • Entschäumer Silikon-Dioxid Mixturen
    • Simethicon: Flatulex® / Lefax® / Imogas® / Sab Simplex Suspension®
    • Dimeticon: Sab Simplex® Kautabletten

Die physikalische Wirkung dieser Medikamente: gezielte Senkung der Oberflächenspannung der Gasbläschen bzw. des Schaums im Darm – die Bläschen zerfallen in kleinere und können vom Darm besser abtransportiert werden.

  • Relaxantien der glatten Muskulatur. Diese haben anticholinerge und spasmolytische Effekte – erhöhen so die Toleranz für eine Zunahme des Darmvolumens.
  • Enzymhaltige Medikamente werden eingesetzt beim Fehlen von Enzymen.

6. „Hausmittelchen“

  • Fenchelsamen – ein paar Körnchen nach der Mahlzeit einnehmen
  • Fencheltee oder in Mischungen mit Kümmel, Fenchel, Anis aber auch Pfefferminz oder Ingwertee über den Tag verteilt trinken
  • Ingwerwasser

7. Physikalische Maßnahmen

  • Bauchwickel mit z.B. Anis Fenchel, Kümmel und oder Wärme
  • Bauchmassage
  • Windesalbe – kennt man von den Babys und soll durch die Einreibung als auch die ätherischen Öle helfen, die Gase etwas besser zu verteilen bzw. abzutransportieren
  • Bauchlage – dadurch wird Druck auf den Darm ausgeübt, was dazu führt, dass die Peristaltik sich verändert und der Darmverschluss in Bauchlage entspannt ist und so die Darmwinde abgehen können.
  • Bauchbinde – dass sich der Darm erst gar nicht so stark ausbreiten kann und die Blähungen dadurch eher abtransportiert werden.
  • Bewegung – auch im Rollstuhl kann die Peristaltik durch Bewegung positiv beeinflusst werden und die Blähungen so reduziert werden.

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