Pflege bei Querschnittlähmung: Richtig drehen

Patienten mit Querschnittlähmung richtig drehen zu können, ist eine wichtige Komponente der Pflege im Klinikalltag. Verschiedene Aspekte müssen bei der Umsetzung beachtet werden.

Wieso Drehungen notwendig sind

Patienten in der Akutphase sollten sich darauf einstellen, dass das Pflegepersonal den Betroffenen im 2-Stunden-Rhythmus drehen wird, da so Dekubiti und Atelektasen vorgebeugt wird. Vor allem soll aber auch das Wohlbefinden des Patienten gesteigert werden kann: Wer zu lange bewegungsunfähig in ein und derselben Position verweilt, wird erhebliches Unwohlsein und vermehrt Angstgefühle verspüren.

Zudem sind Drehungen notwendig, da nur so die Hautkontrolle, das Durchführen des Darmmanagements und das Versorgen eventueller Wunden (Dekubiti), durchgeführt werden können.

Wieso es wichtig ist, Drehungen richtig auszuführen

Die korrekte Durchführung von Drehungen ist zum einen notwendig, um weiteren Verletzungen, Unwohlsein oder einer generellen Gefährdung des Patienten vorzubeugen; zum anderen dient sie dem Schutz des Pflegepersonals, da eine korrekte Drehung kraft- und rückenschonend ist und die Pflegepersonen vor einer Überlastung sowie vor Verletzungen schützt.

Kommunikation: Pflege und Patienten

Gut ausgebildete Pflegekräfte werden einem Patienten, der bei Bewusstsein ist, stets im Vorfeld die Maßnahme, ihren Sinn und Zweck sowie alle vorgesehenen Schritte ankündigen bzw. erklären. Zudem kann der Patient Anweisungen erwarten, wie er – je nach individuell gegebenen Möglichkeiten – bei der Drehung helfen kann.

Eine Drehung kann u. U. von einer Pflegeperson alleine vorgenommen werden, besser sollten zwei oder drei Pflegende daran beteiligt sein (wobei letzteres vor allem bei instabilen, nicht operierten Patienten auf der Intensivstation notwendig ist). Im Team wird eine Person die Leitung übernehmen und klare Anweisungen an alle anderen geben. Dies gewährleistet ein kraftschonendes, effizientes Arbeiten, bei dem alle zur rechten Zeit wissen, was zu tun ist. Zudem sollte immer abgefragt werden, ob alle Beteiligen inkl. des Patienten bereit sind. Erst nach der Zustimmung aller wird die Drehung vorgenommen. Für den Patienten bedeutet diese kommunikative Begleitung der Drehung nicht nur eine spürbare Achtung seiner Person, sondern auch eine gewisse Sicherheit, da er stets weiß, was mit ihm geschieht.

Die Pflegekraft, die am Kopfende des Bettes steht, wird die Drehung anleiten und dem Patienten und ihren Kollegen Anweisungen zur Durchführung geben. Nach der Drehung auf (zunächst) die Seite, die in einer gleichmäßigen, kontrollierten Bewegung ausgeführt werden sollte, werden die Beine und Füße des Patienten wieder so ausgerichtet, dass sie in einer natürlichen, bequemen Stellung zu seinem Körper sind.

Hilfsmittel bei Drehungen

  • Flachkissen
  • Stützkissen (Keilkissen)
  • Sandsäcke
  • Stecklaken

Siehe auch: Dekubitus: Lagerung und Lagerungshilfsmittel

5 Schritte beim Drehen eines Patienten mit Querschnittlähmung

Querschnittgelähmte, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu drehen, können bei einer Drehung durch das Pflegeteam Folgendes erwarten:

1. Die Vorbereitung

Das Pflegeteam wird zunächst dafür sorgen, dass alle für die Drehung notwendigen Komponenten (Kissen, Stecklaken, etc.) vorhanden und in greifbarer Nähe sind. Dann werden Sicherheitschecks durchgeführt, was z. B. die Feststellung der Bremsen, Höhe des Bettes, Position der Seitengitter sowie die korrekte, sichere Position eventueller Kabel, Schläuche, Abläufe, etc. beinhaltet.

2. Überprüfen

Sobald der Patient auf die Seite des Bettes bewegt wurde, gibt es eine Reihe von Dingen, die (erneut) überprüft werden müssen, z. B. die korrekte Position des Stecklakens zwischen oberhalb der Schulter und unterhalb der Hüfte und die sichere Position von Kabeln und Schläuchen (bei der ein Abknicken und/oder ein Blockieren der Zu- bzw. Abläufe vermieden wird) geprüft werden müssen, wenn der Patient auf eine Seite des Bettes bewegt wurde.

3. Position einnehmen

Eine Drehung bedeutet einen engen Körperkontakt zwischen Patient und Pflegenden. Vor allem der Griff, den Pflegende am Kopfende des Bettes an Kopf und Schultern einnehmen müssen, kann vom Patienten als beengend empfunden werden. Für ein sicheres Drehen, das für die Pflegende kraft- und gesundheitsschonend ist und für den Patienten das Risiko weiterer Verletzungen ausschließt, sind diese Griffe jedoch unabdingbar. Dabei ist es für Pflegende wichtig eine richtige Körperhaltung einzunehmen und vor allem richtig zu stehen. Sie sollten immer in Richtung der Drehung stehen, mit den Füßen auf Schulterbreite, ein Fuß nach vorne gestellt, Knie gebeugt, Rücken gerade und Ellbogen nah am Körper. Die Pflegekraft an der Seite des Bettes greift über den Patienten hinweg und nimmt das Stecklaken auf Höhe seiner Schultern und Hüften und hält es straff und nah am Körper.

4. Die Drehung

Bei der Drehung muss die Halswirbelsäule des Patienten stets in neutraler Ausrichtung, d. h. in einer Linie mit dem Brustbein, gehalten werden. Der Kopf wird dabei weder gebeugt noch gestreckt.

Mithilfe eines Stecklakens bewegen die Pflegekräfte den Patienten langsam in die entsprechende Richtung um max. 90 Grad. Kraftschonend und sicher ist dies für die Pflegepersonen vor allem dann, wenn die Hauptlast der Bewegung durch eine Gewichtsverlagerung des eigenen Körpers getragen wird.

5. Nach der Drehung: Stützen, anpassen und die neutrale Ausrichtung prüfen

Nach der Drehung können die oben genannten pflegerischen Maßnahmen vorgenommen oder der Patient neu positioniert werden. Dabei ist folgendes zu beachten:

Der Rücken des Patienten wird mit einem Keilkissen gestützt und in einer Position gehalten, die ca. 30 Grad von der Rückenlage abweicht.

Der Schultergürtel wird angepasst, indem eine Pflegeperson ihre Hand unter die Schulter des Patienten schiebt und den Schultergürtel anhebt, während die Pflegekraft am Kopfende des Bettes die neutrale Ausrichtung der Wirbelsäule erhält, indem sie den stabilisierten Kopf und Hals allmählich bewegt.

In der Seitenlage brauchen Kopf und Hals des Patienten zusätzliche Unterstützung: Die Pflegekraft am Kopfende des Bette hält Kopf und Hals des Patienten in einer neutralen Position während eine weiter Pflegekraft Flachkissen und Sandsäcke, anpasst.

Die Hüften werden angepasst, indem ein Kissen an die gebeugten Knie des Patienten gelegt wird, um seine Wohlbefinden zu unterstützen und um Rückwärtsbewegungen des Beckens sowie Druck auf Knochenvorsprünge zu vermeiden und Schulter und Becken in eine Linie zueinander gebracht werden.

Zum Abschluss wird eine Pflegekraft prüfen, ob der Körper des Patienten nach der Positionierung der Stützkissen neutrale ausgerichtet ist und ob er bequem liegt.

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