Marathon, Miami und Mexiko: Ein Rollstuhlreisebericht

Zwei Leidenschaften vereint Frank Hüttenberger bei seinem Trip nach Miami und Mexiko: Die Weltenbummelei und das Handbiken. Im Folgenden erzählt er von seinen Erfahrungen.

Der Miami Marathon am 28.01.2018 war es, der meine Frau und mich erneut zu einer größeren Reise motivierte. Ein Freund brachte mich auf die Idee und fragte, ob ich denn nicht Lust auf eine Teilnahme hätte. Kaum ausgesprochen, begannen die Träumereien…

Nach den guten Erfahrungen auf unserer USA-Reise 2014 (siehe: Frankie goes to Hollywood – Ein Rollstuhlreisebericht) hatten wir auch keinerlei Bedenken, ob auf den Flügen und vor Ort alles klappen würde. Zum Prozedere mit dem Ein- und Aussteigen, Toilettengang etc. sowie die Gegebenheiten und Zugänglichkeiten in öffentlichen Bereichen auf amerikanischem Boden bin ich im damaligen Bericht ja schon eingegangen und es klappte erneut hervorragend und ohne irgendein Problem. Da es der erste Flug mit Handbike war, bereitete einzig dessen Transport (in einem maßangefertigten Flightcase) etwas Sorgen, aber es klappte reibungslos und ohne Schäden.

Barrierefreier Bus in Miami.

So ging es am Donnerstag, 25.01.2018, gut gelaunt aus dem grauen Winter in die wärmende Floridasonne und wir kamen nach 10,5 Stunden Flug wohlbehalten an. Wie vorher organisiert, wurden wir am Flughafen abgeholt und direkt zum Teamhotel gebracht, in dem alle am Marathon teilnehmenden Handbiker untergebracht waren. Dort konnten viele Kontakte geknüpft und sich untereinander ausgetauscht werden.

Barrierefreiheit in Miami

Freitags nutzten wir die Zeit zu einer Sightseeing Tour. Mit dem Taxi ging es vom recht weit außerhalb gelegenen Hotel nach Miami Beach, wo ich mich an der Strandpromenade über einen barrierefrei befahrbaren Holzsteg freuen durfte. Diesen nutzten wir zu einem ausgiebigen Spaziergang. Auch in Richtung Strand konnte ich ein Stückchen rollen, da extra für Rollstuhlfahrer ein Pfad vorhanden war. Schon die ersten Eindrücke in Miami machten uns also erneut deutlich, wie sehr man in den USA auf Barrierefreiheit bedacht ist.

Frank im barrierefreien Bus in Miami.

Nach unserem Spaziergang an der Promenade begaben wir uns zu einem kleinen Shoppingabstecher in die Lincoln Road. Der für jedermann kostenlose Bus sah für mich zunächst absolut nicht zugänglich aus – es war aber (natürlich) kein Problem. Im hinteren Bereich des Busses gab es einen Lift, über den ich zusteigen konnte. Eine einfache, aber sehr effektive Lösung.

Am Nachmittag stand noch eine 90-minütige Hafenrundfahrt bevor. Hier gab es eine kleine Rampe, über die ich an Bord gelangen konnte.

Der Miami Marathon

Der Samstag war komplett für die Rennvorbereitung reserviert. Es gab ein Teammeeting mit Startunterlagenausgabe und die Handbikes wurden zusammengebaut und startklar gemacht. Ein großer LKW lud alle Bikes auf und brachte sie sonntags morgens zur Startlinie.

Ungewöhnlich gestaltete sich am Sonntag die Startzeit. Um 5:50 ging das Rennen bei Dunkelheit los, sodass der Treffpunkt in der Hotellobby auf 3:00 Uhr festgelegt wurde. Bis alle Rollstuhlfahrer in den Bussen waren und wir den Startbereich erreicht hatten, wurde es auch schon 4:30 Uhr und man hatte noch etwas Zeit, um die letzten Vorbereitungen zu treffen und ein kleines Frühstück zu sich zu nehmen.

Frank beim Marathon Finish in Miami.

Vom Parkplatz wurden wir in der Gruppe in Richtung Startlinie eskortiert. Unterwegs jubelten uns die Teilnehmer des ein paar Minuten später startenden Läufer-Marathons zu und man hatte direkt ein gutes und motiviertes Gefühl.

Das Rennen selbst verlief bei angenehmen äußeren Bedingungen (trocken, 22 Grad) hervorragend. Einzig der an diesem Tag relativ starke Wind, welcher gefühlt immer von vorne kam, sowie die ein oder andere Steigung an einer Brücke erschwerten das Ganze. Ich durfte mich am Ende über einen Mittelfeldplatz freuen. Nach Ankunft im Ziel wurde noch gewartet, bis alle anderen Teilnehmer im Ziel sind und dann ging es wieder mit dem Bustransfer zurück Richtung Teamhotel.

Organisatorisch war es also eine tolle Veranstaltung. Hier gilt es, ein Lob an das Team Achilles auszusprechen, welches den ganzen Aufwand betrieb und in dem man als Voraussetzung zur Teilnahme Mitglied sein muss.

Barrierefreiheit in Mexiko

Montags stand die Weiterreise nach Mexiko an. Da wir eine solch weite Strecke nicht nur für so wenige Tage auf uns nehmen wollten, hatten wir im Vorfeld nach bezahlbaren Unterkünften geschaut. Miami sprengte etwas das Budget, aber wir entdeckten ein günstiges Angebot in einem All Inclusive Hotel in Cancun, welches erst im Dezember 2017 eröffnet wurde. Das Handbike ließen wir gegen ein relativ kleines Entgelt am Flughafen Miami bei der Gepäckaufbewahrung zurück, sodass wir weniger zu transportieren hatten. Der kurze Flug über den Golf von Mexiko dauerte knapp 1,5 Stunden.

In Mexiko ist man von Barrierefreiheit allerdings noch sehr weit entfernt. Die Strecke vom Flughafen zum Hotel legten wir mit dem Taxi zurück und konnten uns hierbei schon einen ersten Eindruck verschaffen. Viele Gebäude sind baufällig, die Straßen schlecht und man merkt sofort, dass das Land recht arm ist. Im Hotel selbst war alles gar kein Problem, da es wie erwähnt erst eröffnet wurde und dementsprechend neuesten Standards entspricht.

Hier verbrachten wir bei Sonnenschein und um die 28 Grad nun einige Tage zum Relaxen. Ein klassischer All Inclusive Pool-Urlaub. Zum nahe gelegenen Meer gelangte ich leider nicht, da kein Pfad o.Ä. vorhanden war.

Frank und Ehefrau am Tempel-Chichen-Itza in Mexiko.

Für den letzten Tag hatten wir einen Ausflug gebucht, um noch etwas vom Land zu sehen. Es ging mit dem Bus zu den ca. 4 Fahrstunden entfernten Tempeln von Chichen Itza. An sich sehr sehenswert, allerdings hatte der Ansprechpartner im Hotel die Tour als „gut mit Rollstuhl machbar“ verkauft. In den Reisebus kam ich aber schon gar nicht hinein. Dankenswerterweise waren die Mitreisenden sehr hilfsbereit und trugen mich an diesem Tag mehrfach in den Bus. An den Tempeln selbst gab es zwar keine Stufen, jedoch ging die Tour zum Teil über Rasen, Sand, Wurzeln etc, sodass es schon anstrengend war und an der einen oder anderen Stelle Hilfe erforderte. Es lohnte sich aber für die gesammelten Eindrücke auf jeden Fall.

Am Nachmittag wurde noch ein Maya-Dorf angesteuert. Auch hier traf ich auf große Hilfsbereitschaft. Eine sehenswerte Grotte war für mich nicht zugänglich (die Örtlichkeiten gaben es auch wirklich nicht her), aber zwei Mexikaner zeigten sich sofort hilfsbereit und trugen mich die ca. 50 Stufen (unfallfrei) hinunter…

Nach acht Tagen in Mexiko reisten wir wieder für eine Übernachtung zurück nach Miami, wo wir das Handbike wohlbehalten abholten und die Rückreise Richtung Frankfurt antraten.

Weitere Informationen

Wie Frank seine Liebe zum Handbiken entdeckte, beschreibt der Beitrag: Handbiken – Die neue Mobilität.

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