Der neurogene Schock bei Querschnittlähmung

Beim neurogenen Schock handelt es sich um einen aufgrund neurologischer Ursachen verringerten Blutdruck. Er kommt häufig bei Menschen mit Tetraplegie oder hoher Paraplegie (Lähmungshöhe Th 1 bis Th 4) vor.

Die Kreislaufproblematik

Der Kreislauf wird autonom, d. h. ohne willentliche Kontrolle, vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Dabei sorgen Sympathikus und Parasympathikus in ihren Rollen als Gegenspieler für anregende, leistungssteigernde bzw. hemmende, verlangsamende Reize. Bei einer Querschnittlähmung allerdings wird diese antagonistische Wirkungsweise beeinträchtigt, was am Verlauf der Nervenbahnen von Sympathikus und Parasympathikus liegt (siehe: Kreislaufprobleme bei Querschnittlähmung). Eine Verletzung im mittleren Bereich des Rückenmarks beeinflusst lediglich die Funktionen des Sympathikus, d. h. wichtige anregende Impulse, etwa zur Steigerung von Herztätigkeit und Blutdruck, Durchblutung und Stoffwechselaktivität, fehlen (Zäch/Koch, 2006).

Der neurogene Schock

Der neurogene Schock ist eine Schockform, die durch den Ausfall neuronaler Funktionen verursacht wird. Infolge der Unterbrechung der nervalen Versorgung der Blutgefäße entsteht eine Vasoparalyse, d. h. eine Lähmung der glatten Muskulatur der Blutgefäße. Die Gefäße sind maximal erweitert. Eine Gegenregulation des Sympathikus kann nicht erfolgen, was zu einer Hypovolämie, d. h. einer Verminderung der im Kreislauf zirkulierenden Blutmenge, mit Kreislaufinsuffizienz führt.

Der neurogene Schock zeigt sich bei Querschnittgelähmten häufig durch das Auftreten von:

  • Bradykardie – Ein Herzschlag von unter 60 Schläge pro Minute (bei Erwachsenen)
  • Hypotonie – Ein niedriger Blutdruck von unter 100/60 mmHg (bei Erwachsenen)
  • Poikilothermie – Eine Inkonstanz der Körpertemperatur aufgrund der Temperaturregulationsstörung

Eine Hypotonie kann Verletzungen des zentralen Nervensystems verschlimmern und zu einer Hypoperfusion bei Querschnittlähmung beitragen.

Eine frühzeitige angemessene Flüssigkeitssubstitution ist bei allen Patienten mit akuter Querschnittlähmung notwendig, um die Gewebeperfusion aufrechtzuerhalten. Es muss jedoch darauf geachtet werden keine Flüssigkeitsüberlastung zu verursachen. Behandelt werden kann der neurogene Schock mit blutdrucksteigernden Mitteln.

Für weitere Möglichkeiten der Prophylaxe und Behandlung siehe: Blutdruck im Keller? Hypotonie und orthostatische Dysregulation bei Querschnittlähmung

Neurogener Schock vs. spinaler Schock


Der neurogene Schock ist abzugrenzen vom spinalen Schock, bei dem es unmittelbar nach Eintritt der Rückenmarksverletzung zu einem vollständigen Ausfall aller oder bestimmter neurologischer, motorischer und vegetativer Funktionen unterhalb der Läsionshöhe kommt.

Neurogener Schock

Hämodynamische Phänomen – Verlust des vasomotorischen Tonus und des Tonus getriggert durch das sympathische Nervensystem

 

Klinisches Erscheinungsbild

·         Hypotonie

·         Bradykardie

·         Poikilothermie

Vorgehen: Versorgung mit Flüssigkeit und blutdrucksteigernden Medikamente

Spinaler Schock

Grund: akute Querschnittlähmung

Verlust aller willkürlichen und reflexiven neurologischen Aktivitäten unterhalb der Lähmungshöhe

Kann wenige Tage oder Monate anhalten.

Der spinale Schock kann nicht beeinflusst werden; ob er vorüber ist kann mit dem Auslösen des Bulbocavernosus-Reflex und des Analreflex getestet werden.

Für einen ausführlichen Beitrag zum spinalen Schock siehe: Der spinale Schock


Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte, Therapien oder Mittel stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und ersetzen in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch Fachspezialisten wie z. B. Ärzte oder Apotheker.