Ärztetag ebnet Weg für Online-Sprechstunden

Zum Arzt in die Sprechstunde ohne dafür das Haus verlassen zu müssen: In Deutschland wird das wohl künftig möglich sein. Der Deutsche Ärztetag hat den Weg für die ausschließliche Fernbehandlung von Patienten geebnet.

Eine „ausschließliche Fernbehandlung“ liegt dann vor, wenn „eine ärztliche Beratung oder Behandlung stattfindet, ohne dass ein persönlicher physischer Kontakt zwischen Arzt und Patient stattgefunden hat“, erläutert die Bundesärztekammer. Arzt und Patient könnten demnach in Zukunft im Einzelfall ausschließlich via Telefon, SMS, E-Mail oder Online-Chat miteinander kommunizieren. Die Online-Sprechstunden könnten u.a. mobilitätseingeschränkten Patienten lange, mitunter beschwerliche Anfahrtswege und Wartezeiten ersparen.

Die Neuregelung entspricht den Forderungen des letztjährigen Deutschen Ärztetages. Schon damals wurde gefordert, einerseits die Behandlung und Beratung aus der Ferne unter bestimmten Anforderungen zu ermöglichen und andererseits den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt weiterhin in den Vordergrund zu stellen.

Dr. Josef Mischo, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer und Vorsitzender der Berufsordnungsgremien der Bundesärztekammer, stellte beim Deutschen Ärztetag klar, dass digitale Techniken die ärztliche Tätigkeit unterstützen sollten. Sie dürften aber nicht die notwendige persönliche Zuwendung von Ärztinnen und Ärzten ersetzen: „Der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt stellt weiterhin den `Goldstandard` ärztlichen Handelns dar.“

„Wir wollen und müssen diesen Prozess gestalten und dieses Feld mit unserer ärztlichen Kompetenz besetzen“, sagte Mischo vor den 250 Abgeordneten. In weiteren Entschließungen betonte der Ärztetag unter anderem die Notwendigkeit, Beratungen und Behandlungen aus der Ferne in die bestehenden Versorgungsstrukturen einzubinden.

Ferner forderten die Abgeordneten, dass die Fernbehandlung im vertragsärztlichen Sektor nur durch Vertragsärzte im Rahmen des Sicherstellungsauftrags erfolgt. „Kapitalorientierte Gesellschaften dürfen im vertragsärztlichen Sektor nicht in Konkurrenz zu Vertragsärzten treten oder gar Betreibereigenschaften für medizinische Versorgungszentren erhalten“, heißt es in einer Entschließung des Ärzteparlaments – die Abgeordneten sprachen sich gegen den Aufbau eines neuen eigenständigen Versorgungsbereichs einer telemedizinischen Primärversorgung aus, insbesondere in Form kommerziell betriebener Callcenter.

Der geänderte § 7 Absatz 4 der (Muster-)Berufsordnung lautet:

„Ärztinnen und Ärzte beraten und behandeln Patientinnen und Patienten im persönlichen Kontakt. Sie können dabei Kommunikationsmedien unterstützend einsetzen. Eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien ist im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird und die Patientin oder der Patient auch über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt wird.“

Die Änderung der Musterberufsordnung für Ärzte muss nun von den Landesärztekammern regional umgesetzt und in die rechtsverbindlichen Berufsordnungen der Landesärztekammern übernommen werden.

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