Fünf Dinge, die Querschnittgelähmte im Sommer beachten sollten

Der Hochsommer lockt mit seinen herrlich warmen Temperaturen, strahlendem Sonnenschein und lauen Abenden im Garten. Es gibt aber ein paar Dinge, die Querschnittgelähmte im Sommer beachten sollten.

Aufgrund der bei Rückenmarksverletzungen häufig auftretenden Temperaturregulationsstörung (siehe: Temperaturdysregulation) können Querschnittgelähmte unterhalb der Lähmungshöhe nicht schwitzen. Das Schwitzen ist aber ein lebenswichtiger Mechanismus, mit dem der Körper seine Soll-Temperatur von ca. 36,5 Grad aufrechterhalten kann. Bei Querschnittlähmung kann es also bei hohen Außentemperaturen schneller zu einer Überhitzung, zur Hitze-Erschöpfung und zum Hitzeschlag kommen (siehe: Der Hitze trotzen). Zudem liegt aufgrund der eingeschränkten Sensibilität ein erhöhtes Gefährdungspotential der Haut vor – und auch der Rollstuhl stellt Ansprüche.

1. Cool bleiben

Es gibt verschiedene Möglichkeit den Körper bei der Aufrechterhaltung der optimalen Körpertemperatur zu unterstützen:

  • Nasse Umschläge um Hals und Unterarme anlegen
  • Sprühflasche mit Wasser zum Befeuchten des Gesichts dabei haben
  • Im Freien besser im Schatten bleiben
  • Einen (hellen) Sonnenhut und/oder Sonnenschirm verwenden (siehe: Schutz vor Regen und Sonne: Schirme und Dächer für den Rollstuhl)
  • Entsprechende Kleidung tragen
    Bei der Kleiderwahl im Sommer muss man verschiedene Aspekte beachten. Die Kleidung sollte einerseits leicht und luftig sein, andererseits aber auch die Haut vor einem Zuviel an Sonneneinstrahlung schützen, wenn man sich im Freien aufhält. Auch das Verwenden von aufsaugenden Kontinenzmitteln oder Dauerkathetern wird so manchen Rollstuhlfahrer davon abhalten, allzu knapp bekleidet unterwegs zu sein. In jedem Fall sind fließende, nicht einengende Schnitte und Naturstoffe, wie Leinen oder Baumwolle, zu bevorzugen. Bei sehr großer Hitze können Westen, Handmanschetten oder Kopfbedeckungen eingesetzt werden, die mit einem Kühlaggregat versehen sind und zur Regulierung der Körpertemperatur beitragen können (siehe: Kühlende Kleidung an heißen Sommertagen).

2. Trinkmenge anpassen

Das Wichtigste bei hohen Temperaturen ist es, für eine angemessene Flüssigkeitszufuhr zu sorgen. 2-3 Liter sollten es am Tag sein; bei einer ballaststoffreichen Ernährung sogar mehr. Weil sich für Querschnittgelähmte aber immer die Frage nach dem Blasenmanagement stellt, tendieren viele zu einer eher niedrigeren Flüssigkeitsaufnahme. Ob genug Flüssigkeit aufgenommen wurde, lässt sich einfach über die Urinfarbe prüfen. Ist der Urin hell und klar, stimmt die Flüssigkeitsbilanz; ist der Urin dunkel, muss für eine höhere Trinkmenge gesorgt werden.

Wie man es richtig macht, wird in den Beiträgen Trinkverhalten bei Querschnittlähmung und Viel trinken an heißen Sommertagen beschrieben.

3. Hautschutz

Hautschutz bedeutet für Querschnittgelähmte nicht nur Sonnenschutz. Der ist zwar notwendig und sollte entsprechend dem Hauttyp und Aufenthaltsort gewählt und aufgetragen werden (siehe: Sonnenschutz bei Querschnittlähmung und Der richtige Lichtschutzfaktor), jedoch gibt es bei Querschnittlähmung mit Sensibilitätsstörungen weitere Gefahrenquellen:

Dunkle Kleidungsstücke, Hüte und Sonnenbrillen können sich so stark erhitzen, dass bei langem Tragen des aufgeheizten Materials Verbrennungen auftreten können. Dies gilt auch für metallene oder dunkle Komponenten am Rollstuhl oder an der Kleidung. So paradox es auch klingen mag: Das Tragen von Handschuhen kann im Sommer sinnvoll sein, um die Hände vor aufgeheizten Greifreifen zu schützen. Alternativ können die Greifreifen auch mit hellen Überzügen (z. B. Wheelchair Pushrim Covers von RehaDesign) versehen oder mit hellen Fahrradlenkerband umwickelt werden. Auch andere Gegenstände (z. B. Möbel, Geländer und Handläufe), mit denen man u. U. in Berührung kommt, können sich in der Sonne so stark aufheizen, dass sie Hautschäden auslösen können. Hier ist erhöhte Aufmerksamkeit gefragt.

Zudem gilt es zu bedenken, dass die ungewohnte Reizung, die die Haut durch Sonne, Hitze, Schweiß, (Salz-)Wasser und Pflegeprodukte erfährt, sie anfälliger für Infektionen und Dekubiti macht. Daher ist eine tägliche sorgfältige Hautkontrolle (siehe: Hautkontrolle bei Querschnittlähmung) vor allem im Sommer von größter Wichtigkeit.

4. Klimaanlage

Klimaanlagen sind eine feine Sache, denn sie senken die Temperatur in geschlossenen Räumen auf ein angenehmes Niveau – und obwohl sie in Privatwohnungen noch nicht zum Standard gehören, begegnet man ihnen in vielen öffentlichen Gebäuden, Zügen und vor allem Pkw.

Ganz uneingeschränkt kann die Freude darüber allerdings nicht sein, denn wenn sie nicht regelmäßig gewartet und die Filter getauscht werden, können Klimaanlagen wahre Keimschleudern sein. Und auch wenn sie dies nicht sind, trocknen sie die Atemluft und damit die Schleimhäute aus und machen den Nutzer anfälliger für Krankheiten, was für Tetraplegiker mit gegebener Atemproblematik ein besonders hohes Risiko bedeuten kann. Das Für und Wider muss bei Klimaanlagen also genau abgewogen werden. Für einen ausführlichen Beitrag siehe: Klimaanlagen – Gesundheitliche Aspekte und Bauanleitungen.

5. Der Rollstuhl im Sommer

Der Aufenthalt im Freien kann durch Hitze, Wind und (Salz-)Wasser den Rollstuhl und seine Komponenten stark beanspruchen und auch Pflegeprodukte können manche Materialien bei Kontakt schädigen. Wenigstens einmal in der Woche sollte der Rollstuhl daher gereinigt und auf eventuelle Schäden kontrolliert werden. Ein besonderes Augenmerk sollte hierbei auf Reifen, Bremsen und elektronischen Komponenten liegen.

Hohe Temperaturen können dafür sorgen, dass sich die Batterie des Elektrorollstuhls schneller erschöpft. Daher sollte stets auf den Ladezustand geachtet und falls möglich ein Ersatz mitgeführt werden.

Freizeit bedeutet häufig Off-Road-Zeit. Für unebenes Gelände und vor allem den Strand sind aber die wenigsten Alltagsrollstühle geeignet. Für Freizeitaktivitäten kann man daher vielleicht über die Anschaffung oder Mietung von Outdoor-Rollstühlen (siehe: Ab ins Gelände mit manuellen Outdoor-Rollstühlen und Outdoor-Elektrorollstühle für den Trip ins Abenteuer) nachdenken. Und auch für den Strand gibt es Lösungen, wie im Beitrag Strandrollstühle – Für Sand, Wellen und Watt beschrieben.

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