Acht Dinge, die man beachten sollte, wenn man (neu) im Rollstuhl unterwegs ist

Wenn man nicht mehr gehen kann, ist es der Rollstuhl, der dafür sorgt, dass man immer noch mobil ist. An den Rollstuhl und wie man mit ihm umgeht, muss man sich aber erst gewöhnen. Hier sind einige Tipps für Neueinsteiger.

Nach Eintritt einer frischen Querschnittlähmung wird im Idealfall während der Erstrehabilitation ein Rollstuhl verordnet, auf die individuellen Bedürfnisse des Nutzers angepasst und ein entsprechendes Rollstuhltraining vorgenommen. Bei allen Bemühungen des Rehabilitationsteams in den Querschnittzentren ist es aber doch wahrscheinlich, dass neue Rollstuhlfahrer bei ihrer Entlassung hinsichtlich (nicht nur, aber auch) ihrer Mobilität mit einer Situation konfrontiert sind, die sie vor erhebliche Herausforderungen stellt.

Folgende Tipps geben alte Hasen den Neueinsteigern:

1. Navigation

Wenn man auf der Straße unterwegs ist, gibt es viele Dinge, an die man sich zunächst gewöhnen muss. Wege, die man im Vorfeld zu Fuß gegangen ist, sind u. U. mit dem Rollstuhl nicht ganz so leicht zu bewältigen oder man muss Umwege finden, um ans Ziel zu kommen. Es ist hilfreich sich die Strecke, die man zurücklegen will, genau zu überlegen und zu wissen, ob das gewählte Ziel überhaupt rollstuhlgerecht zugänglich ist (hierbei kann Wheelmap nützlich sein, siehe: Im Rollstuhl durch die Stadt mit Wheelmap) oder ein Anruf beim Betreiber der Location.

Außerdem gilt:

  • Auf ebenem Untergrund bleiben. Das Befahren von Rasen, Sand und Kies ist ohne die richtige Technik kaum möglich.
  • Schlaglöcher umfahren, da sie das Gleichgewicht des Rollstuhls erheblich stören können und es evtl. nicht ausgeglichen werden kann. Aus diesem Grund sollte man auch nicht durch Pfützen fahren, da man nie wissen kann, wie tief sie sind.
  • Zu schnelles Fahren vermeiden, da auch hier die Gefahr besteht das Gleichgewicht zu verlieren.
  • Füße immer auf der Fußraste halten, um die Verletzungs- und Unfallgefahr zu minimieren.

2. Transfers

Beim Transfer vom oder in den Rollstuhl muss die Feststellbremse stets angezogen sein, da der Rollstuhl sonst wegrollen kann und Sturzgefahr besteht. Die entsprechenden Transfertechniken müssen dem Rollstuhlfahrer und eventuellen Helfern von einem Profi vermittelt und geübt werden (siehe: Transfertechnike bei Para- und Tetraplegie).

3. Rollstuhlwartung

Der Rollstuhl ist dazu da Mobilität zu gewährleisten. Das kann er nur, wenn er regelmäßig gewartet, Schrauben nachgezogen, Kugellager geschmiert und beschädigte Teile repariert bzw. erneuert werden. Ausreichend Luft in den Reifen erleichtert das Vorwärtskommen. Vor allem bei Elektrorollstühlen muss darauf geachtet werden, dass elektronische Komponenten, wie die Steuerung, optimal funktionieren und die Batterien geladen sind.

4. Sicherheit und Sichtbarkeit

Nachts sind nicht nur alle Katzen sondern auch alle Rollstühle nebst Fahrer grau. Es sei denn man stattet sie mit leuchtenden oder reflektierenden Elementen aus. So wird man besser gesehen und ist auf der Straße sicherer unterwegs. Um selber besser sehen zu können, kann man Taschenlampen am Rollstuhl installieren (siehe: Sicherheit und Sichtbarkeit im Rollstuhl).

Zur Sicherheit tragen auch Anschnallgurte, die entweder bereits installiert sind oder nachgerüstet werden können, und das Verwenden von Rollstuhlhandschuhen (siehe: Rollstuhlhandschuhe) bei, die einen sicheren Griff gewähren und die Hände schützen.

5. Gepäck angemessen unterbringen

Alle mitgeführten Gegenstände sollten sicher am Rollstuhl angebracht werden, z. B. in einem Rucksack oder einer speziellen Rollstuhltaschen (siehe: Rollstuhltaschen – Chic und praktisch). Wenn Gepäckstücke nicht sicher verwahrt sind, könnten sie bei der Fahrt herunterfallen. Es besteht die Gefahr, dass man dies nicht bemerkt oder nicht in der Lage ist, den Gegenstand aufzuheben.

Ebenfalls sollte man darauf achten, keine sehr schweren Taschen am Rollstuhl zu befestigen, da sie bei Transfers den Rollstuhl zum Kippen bringen könnten.

6. Das Wetter beachten

Es mag banal klingen, aber wenn man draußen unterwegs ist, muss man das Wetter im Auge behalten. Als stadtbummelnder Fußgänger kann man bei einem plötzlichen Regenguss schnell mal in einen Laden hüpfen. Wenn zu dem Laden drei Stufen hochführen, hat man als Rollstuhlfahrer das Nachsehen.

Auch auf Temperaturschwankungen sollte man vorbereitet sein, da z. B. große Hitze zusammen mit der (anfangs noch ungewohnten) Anstrengung des manuellen Antreibens zum Problem werden kann. Nämlich dann, wenn der Körper überhitzt und Kreislaufbeschwerden drohen. Sinnvoll ist es daher, sich angemessen zu kleiden und einen Regen- bzw. Sonnenschutz mitzuführen (siehe: Schutz vor Regen und Sonne: Schirme und Dächer für den Rollstuhl).

7. Sich nicht überschätzen

Vor allem Menschen, die noch nicht lange Rollstuhlfahrer sind und die Kraft und Ausdauer, die für das Antreiben des Rollstuhls notwendig sind, noch nicht aufgebaut haben, dürfen sich nicht überschätzen und sich vor allem nicht überfordern. Wer Zweifel daran hat, dass er Hindernisse sicher umfahren oder steile Straßenabschnitte bzw. Rampen alleine bezwingen kann, sollte anfangs nur mit Begleitpersonen draußen unterwegs sein.

8. Mobilitätstraining

Wenn man das Gefühl hat, dass das Mobilitätstraining, das man während der Reha mitgemacht hat, für den Alltag nicht ausreicht, sollte man sich zeitnah für ein weiteres anmelden. Anlaufstellen sind z. B. Querschnittzentren, Sanitätshäuser und Rollstuhlsportverbände. Vermittelt werden u. a. folgende Techniken:

  • Kippen auf der Stelle und beim Drehen
  • Vor- und Rückwärtsfahren auf den Hinterrädern
  • Individuelle und kraftsparende Fahrtechnik
  • Überwindung von Schwellen mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen
  • Ankippen im Stand und sicheres Kippen in verschiedenen Situationen
  • Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel
  • Selbstständiges Befahren schwierigster Bodenprofile

Für einen ausführlichen Beitrag mit Videoanleitungen siehe: Rollstuhlhandhabung: Mobil im Rollstuhl

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