Kinderbuch: Mein Papa fährt Rollstuhl

Paulas Papa hat braune Augen, dunkles Haar und trägt einen Bart. Außerdem sitzt er im Rollstuhl. Für Paula ist das ganz normal – und auch, dass es Assistent Manfred ist, der sie aufhebt, wenn sie hinfällt.

Eltern im Rollstuhl machen mit ihren Kindern das, was andere Eltern auch tun. Sie gehen mit ihnen in den Park, spielen mit ihnen, trösten sie, wenn sie traurig sind und erklären ihnen die Welt. Dass Mama oder Papa im Rollstuhl sitzen ist dabei für das Kind keine große Sache, und auch dass ein Assistent die Familie begleitet, ist so ungewöhnlich nicht. Das Kinderbuch „Mein Papa fährt Rollstuhl“ bringt diese alternative Normalität erstmals zwischen zwei Buchdeckel.

Aus dem Inhalt

Mit wirklich herzigen Illustrationen von Heike Georgi versehen, erzählt „Mein Papa fährt Rollstuhl“ eine Alltagsgesichte im Leben einer Vierjährigen: Zum Geburtstag bekommt Paula einen Roller. Nun kann sie zusammen mit ihrem Papa, der im Rollstuhl sitzt, die Hügel hinab rollen, und zwar so schnell, dass ihre hochschwangere Mutter kaum hinterher kommt. Zum Glück ist Familienassistent Manfred zu Stelle, der Paula schon mal aus dem Graben zieht, wenn es notwendig ist, oder ihr nachjagt, wenn sie zu schnell wird.

Der Leser erlebt die Familie bei einem Ausflug, beim Busfahren, Entenfüttern und Eis essen – bei ganz gewöhnlichen Ereignissen also, die den Alltag einer kleinen Familie zeigen. Schließlich wird Paulas kleiner Bruder geboren, und das Familienglück ist perfekt.

Normal. Nur anders.

Eine Familie mit Assistenz: Paula und ihr Papa – und im Hintergrund Mama und Manfred.

Das Buch zeigt vor allem eines: Der Alltag einer Familie, in der ein Elternteil im Rollstuhl sitzt, läuft genauso ab, wie der jeder anderen Familie. Nur sind vielleicht ein paar Adaptionen notwendig, die für das Kind aber keinesfalls störend sind. Beim Einsteigen in den Bus bittet Paula den Busfahrer die Rampe auszufahren. Wenn sie müde wird, darf sie im Rollstuhl mitfahren. Beim Eis essen in einem Café begegnet ihnen ein Kind, dass sich über den Vater im Rollstuhl wundert und das fragt: „Warum hat dein Papa einen Rollstuhl? Ist der die Treppe runter gefallen?“ Bezeichnenderweise kann Paula diese Frage so gar nicht nachvollziehen. Verwirrt schüttelt sie den Kopf und sagt: „Mein Papa steigt doch niemals Treppen! Er nimmt immer den Aufzug – oder die Rampe.“ Er ist ganz normal eben. Nur anders.

Ebenfalls anders ist die Anwesenheit einer Elternassistenz. Von den Sozialhilfeträgern finanzierte Elternassistenz kann dann zum Einsatz kommen, wenn Eltern mit Behinderungen Unterstützungsbedarf bei der Versorgung ihrer Kinder haben. In dem Buch wird – was für Erwachsene Leser sehr interessant ist – klar gezeigt, was ein Elternassistent tut und was nicht. Der Assistent fungiert als „verlängerter Arm“ der Eltern. Er greift dann ein, wenn er sieht, dass eine Intervention notwendig ist, zu der die Eltern nicht in der Lage sind (Paula fährt in den Graben), oft auch erst dann, wenn die Eltern ihn darum bitten (Paula fährt zu schnell davon). Die Erziehung des Kindes fällt jedoch nicht in den Aufgabenbereich des Assistenten. Wenn Paula sich im Bus auf den Boden wirft, weil sie etwas nicht bekommt, was sie haben will, darf Manfred zwar denken „Steh auf, kleine Kröte, und reiß dich ein bisschen zusammen!“ aber sagen darf er das nicht. Stattdessen obliegt es Paulas Vater ihr zu erklären, dass man das „eigentlich“ nicht macht, weil der Boden ja dreckig sein könnte.

Auch bei der Darstellung der Versorgung des neugeborenen kleinen Bruders wird im Buch schnell klar, dass der Vater keinesfalls eine untergeordnete Rolle im Leben seines Sohnes einnimmt, nur weil er gehbehindert ist. Und den Kindern ist nur wichtig, dass ihr Papa für sie da ist. Ob er läuft oder rollt, ist ihnen egal.

Das Buch

  • Mein Papa fährt Rollstuhl
  • Von: Isabel Erdem
  • Seiten: 44
  • ISBN: 978-3-9810623-7-3
  • Preis: 14,90 Euro (Stand: Juni 2018)

 

Die Autorin

Autorin Isabel Erdem fand, dass es nicht genug Kinderbücher zum Thema Eltern mit Behinderung auf dem Markt gäbe, weshalb sie mit der Hilfe des Vereins Verband chronisch kranker und behinderter Eltern e. V. und der Illustratorin Heike Georgi ein Bilderbuch verfasste, in dem sie den Alltag einer Familie mit einem Elternteil im Rollstuhl beschreibt. Erdem spricht dabei aus eigener Erfahrung.

Weitere Informationen

„Mein Papa fährt Rollstuhl“ ist im Doris Verlag erschienen. Die Bücher des Verlags richten sich an Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter und erklären in kindgerechter Sprache verschiedene körperliche und geistige Behinderungen. Sie werden von der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (AJuM) empfohlen.

Zum Verlagsprogramm geht es hier: Doris-Verlag Verlagsprogramm.

Auch im Doris-Verlag erschienen sind:

Kinderbuch: Troll Faxi und sein Stuhl mit Rädern

Von Einhörnern, Fröschen und Rollstühlen

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