Wirkstoff zur Verbesserung der Blasengesundheit bei Querschnittlähmung

Die Blasengesundheit ist bei einer Querschnittlähmung häufig in Mitleidenschaft gezogen. Es können Komplikationen wie ein erhöhtes Blasenvolumen und häufige Blaseninfektionen auftreten, die für Betroffene mehr als unangenehm sind. Ein neues Medikament könnte die Situation verbessern.

Forschern der Universität Ohio State zufolge, hat es sich in Tiermodellen gezeigt, dass das Medikament LM11A-31 die Blasenfunktion bei Querschnittlähmung verbessern könnte. Dies geschieht über die Blockierung des Pro-Nerven-Wachstumsfaktor(proNGF) und des Rezeptor p75, der bei Nervenverletzungen zu Abweichung bei der Kommunikation zwischen Neuronen beiträgt.

Bei einer Querschnittlähmung kommt es in den meisten Fällen zu einer neurogenen Blasenfunktionsstörung, wobei die Blase entweder schlaff oder spastisch gelähmt sein kein (siehe: Blasenfunktion bei Querschnittlähmung). Beide Formen führen dazu, dass Urin nicht willentlich ausgeschieden werden kann. Wenn die Blase nicht regelmäßig, z. B. mit einem Katheter entleert wird, kann es zu einer Anstauung von Urin in der Blase, zu erhöhtem Druck und langfristig zu einer Vergrößerung der Blase kommen. Diese Vergrößerung des Blasenvolumens kann zu Schädigungen der vorhandenen Funktionen bei der individuell gegebenen Blasenfunktionsstörung führen, zu Inkontinenz, wenn der Sphinkter dem Druck nachgibt oder zu einer Autonomen Dysreflexie bei einer Lähmungshöhe von über Th 6/7. Als weitere Komplikation kann es zu einem Rückstau des Urins in die Nieren kommen (wenn der Sphinkter dicht hält), was zu Niereninfektionen und -schäden führen kann.

LM11A-31 und sein Einfluss auf proNGF

Da proNGF von Zellen nach einer Verletzung der Nerven im Rückenmark freigesetzt wird, hat das Forschungsteam versucht, das Potenzial von LM11A-31 zu untersuchen. Über einen Zeitraum von vier Wochen, wurde die Auswirkung des Medikaments bei Mäusen, denen Rückenmarksverletzungen zugefügt worden war, getestet. Das Ergebnis: Das Blasenvolumen der Mäuse hatte sich auf fast normale Größe verringert.

Sung Ok Yoon, Professor für biologische Chemie und Pharmakologie an der Ohio State Universität erklärt, dass LM11A-31 zudem bei zu helfen scheint: „einen fast normalen Blasendruck und weniger unerwarteten Urinausstoß bei Mäusen aufrechtzuerhalten.“

Was LM11A-31 kann – und was es nicht kann

Während LM11A-31 nicht in der Lage ist, die neurogene Blasenfunktionsstörung von Menschen mit Querschnittlähmung zu heilen, könnte es dabei helfen Komplikationen und Begleiterkrankungen zu verringern: Indem es verhindert, dass durch einen Anstieg von Blasenvolumen und Füllmenge Blase Verletzungen verursacht werden, kann das Medikament das Risiko von Blasen- und Niereninfektionen senken und die Häufigkeit von Vorfällen von Inkontinenz verringern.

„Die Struktur sowie die Integrität der neuronalen Kommunikation in der Blase soll sich ebenfalls verbessern und zur allgemeinen Gesundheit der Blase beitragen“, sagt Yoon und verweist auf die Publikation der Forschungsergebnisse im Fachmagazin „Journal of Clinical Investigation“ im Juni 2018.

Um zu bestätigen, dass proNGF nur im Urin von Patienten mit Rückenmarksverletzungen gefunden wird, testete das Forscherteam den Urin von zwei Patienten innerhalb weniger Stunden nach Eintritt der Verletzung und verglichen ihn mit dem Urin von gesunden Personen. Laut den Ergebnissen, lag der Wachstumsfaktor nur im Urin der Patienten mit Rückenmarksverletzungen vor.

Bevor LM11A-31 für die Behandlung von Menschen mit Querschnittlähmung zugelassen wird, müssen weitere Forschungsarbeiten – einschließlich klinischer Studien am Menschen – durchgeführt werden.

Weitere Informationen

Für einen ausführlichen Studienbericht (in englischer Sprache) siehe: Role of proNGF/p75 signaling in bladder dysfunction after spinal cord injury

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