MyndMove – Kleidungsbasierte Technologie zur funktionellen Elektrostimulation

Kanadische Forscher arbeiten an der Entwicklung einer kleidungsbasierten Technologie zur funktionellen Elektrostimulation (FES) bei Querschnittlähmung. So soll eine unkomplizierte Therapie im Alltag ermöglicht werden.

Der (nicht in seiner Handfunktion beeinträchtigte) Myant-Mitarbeiter im Video zeigt in den Minuten 1:30 – 3:15 wie das FES-Shirt funktioniert.

 

Die funktionelle Elektrostimulation (FES) kommt bei Menschen mit Querschnittlähmung zum Einsatz, um gestörte neuronale Schaltkreise und gelähmte Muskulatur zu trainieren. Dieses System machen sich Forscher des Kanadischen University Health Network (UHN) zunutze. Seit 2014 werden hier Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall und Querschnittlähmung mit der FES Methode behandelt. Und mit der Therapieform können auch durchaus große Fortschritte erzielt werden. Die nicht-invasiven funktionelle Elektrostimulation kann Neuroplastizität induzieren, d. h. funktionelle und strukturelle adaptive Veränderungen im Bereich des zentralen Nervensystems, z. B. nach traumatischen Schädigungen.

Das Team um Forschungsleiter Milos Popovic jedenfalls ist von der Behandlung überzeugt und wendet sie unter dem Markennamen MyndMove an. Sie sehen allerdings ein Problem in der eingeschränkten Anwendbarkeit der Methode, das es zu beheben gilt. Nicht alle Betroffenen, die von der Therapie profitieren könnten, sind in der Lage (oder dazu bereit) regelmäßig in entsprechende Fachkliniken zu fahren.

„Wir glauben, dass die therapeutische Wirkung dieser FES-Behandlungen höher sein könnte, wenn sie täglich und bestenfalls während der Aktivitäten des täglichen Lebens angewendet würden“, sagt Physiotherapeuten Dr. Bastien Moineau. „Die Durchführung einer komplexen FES-Therapie ist aber durch die begrenzte Anzahl von Geräten und Therapieplätzen eingeschränkt. Unser Ziel ist es, dieses Problem zu lösen, indem wir Stimulationsgeräte entwickeln, die ohne professionelle Hilfe einfach zu Hause verwendet werden können.“

Kleidung mit integrierter FES

Das Team um Popovic und Moineau, die Mitarbeiter von MyndMove und die Firma Myant (ein kanadischer Hersteller intelligenter Textilien) arbeiten derzeit gemeinsam an der Entwicklung einer sog. Stimulationsbekleidung, mit der die FES auf mehrere vordefinierte Muskeln ohne den Einsatz von leitfähigem Gel übertragen werden kann. „Wir haben die Gewebeelektroden zunächst mit Standard-Gel-Elektroden bei Menschen ohne Behinderung verglichen und testen nun die Verwendbarkeit des FES-Shirts bei neurologisch beeinträchtigten Personen“, sagt Moineau und ergänzt. „Wir führen Gespräche mit potenziellen Endnutzern durch, um in zukünftige Designs Funktionen zu integrieren, die die Stimulationsbekleidung praktischer und relevanter für diese Bevölkerungsgruppen machen kann.“

Obwohl der Prototyp der Firma Myant schon sehr vielversprechend aussieht, hängt die Entwicklung eines MyndMove-Shirts u. a. an der Finanzierung und dem tatsächlichen Nutzen, den eine durchgehende FES-Behandlung im Alltag für Betroffene hat. Wann ein Endprodukt für den Endverbraucher erhältlich sein wird, ist derzeit noch nicht abzusehen.

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