Wohin mit alten Rollis und Co? Hilfsorganisation sammelt (gebrauchte) Hilfsmittel

Man kann seinen alten Rollstuhl im Keller verstauben lassen – oder spenden. Der „Konvoi der Hoffnung“ z.B. hat mit der „Hilfe für die Ärmsten der Armen“ in zwanzig Jahren 17.000 Rollstühle gesammelt und fast hundert Schiffscontainer mit Hilfsmitteln verteilt.

Wer sich also einen neuen Sportrolli gönnen will, einen modernen Krankenlifter oder ein neues Elektromobil, kann Menschen mit Behinderung in ärmeren Ländern etwas Gutes tun, indem er dem „Konvoi der Hoffnung“ die ausgedienten Hilfsmittel überlässt. Voraussetzung: Die Hilfsmittel müssen privat finanziert worden sein und nicht über eine Krankenkasse. In diesem Falle bleiben sie im Besitz der Kasse.

Dentler bei der Übergabe von Hilfsmitteln auf Sri Lanka.

Die „Hilfe für die Ärmsten der Armen“ hat ihren Ursprung in zwei Begegnungen mit Kindern auf Sri Lanka: Gründer Hans-Peter Dentler lernte dort die zwölfjährige, schwerkranke Waluka kennen. Ergriffen von ihrem Schicksal ermöglichte er ihr auf eigene Kosten und durch Spenden unterstützt zwei Operationen in Heidelberg.

Zwei Jahre später machte er sich auf die Suche nach einem Rollstuhl für die dreijährige Cecilia, die in Sri Lankas Hauptstadt Colombo in einem Heim der Mutter Theresa lebte. Cecilia war ohne Arme und nur mit einem Bein auf die Welt gekommen – ohne Rollstuhl war ihr ein würdiges Leben kaum möglich. Dentler organisierte für sie einen Rollstuhl, nahm ihn als Übergepäck im Flieger nach Colombo mit und überreichte ihn dem Mädchen.

Hilfe wuchs aus Einzelaktionen

Über 17.000 Rollstühle hat die Initiative bisher gesammelt und weitergegeben.

Gefunden hatte er den Rollstuhl durch eine Zeitungsannonce. Ein Radiosender griff die Idee auf und berichtete von Dentlers Suche. Die Folge: Ihm wurden mehrere Rollstühle und andere Hilfsmittel angeboten. Dentler entschloss sich, auch diese Hilfsmittel auf eigene Kosten an die Ärmsten der Armen zu verteilen – der Versand per Schiffscontainer nahm seinen Anfang.

Heute, 18 Jahre später, ist aus dem Engagement eines Einzelnen eine bundesweit agierende Hilfsorganisation geworden – als Rollstuhlprojekt ist die „Hilfe für die Ärmsten der Armen“ inzwischen ein Teil des „Konvois der Hoffnung“. Die Ehrenamts-Mannschaft um Dentler hat (Stand: Juli 2018) inzwischen 96 Schiffscontainern voll mit neuen und gebrauchten mechanischen oder elektrischen Rollstühlen, Sportrollis, Rollstühlen für Kinder aller Altersgruppen, Krankenliftern, Dekubitusmatratzen, Toilettenstühlen, Gehhilfen, Krücken, Prothesen, Behinderten-Fahrrädern, Kinderwägen usw. gesammelt und von Karlsruhe aus verschickt. In jedem 40-Fuß-Container stecken Hilfsmittel für etwa 500 Menschen.

Internationales Netzwerk

Die gespendeten Hilfsgüter werden in einer ehemaligen Kirche gelagert.

„Nach Übersee gehen die Güter meist mit 40-Fuß-Schiffscontainern zum nächstgelegenen Zielhafen und weiter mit Lkw zum Zielort. Dort angekommen werden die Container nach der Verzollung ausgeladen und mit kleineren Lkw zu den Betroffenen im Umland gebracht“, erzählt Konvoi-Vorsitzender Manfred Rölleke in einem E-Mail-Interview mit unserer Redaktion.

Flog Dentler früher auf eigene Kosten in die Zielländer und verteilte dort die Hilfsgüter, kann er dies heute angesichts der Menge der Hilfsmittel nicht mehr bei jedem Transport leisten. Derzeit baut der Verein deshalb sein internationales Netzwerk weiter aus – Caritas International soll in einigen Entwicklungsländern die Verteilung der Hilfsmittel vor Ort übernehmen und „für uns und die Spender dokumentieren“, so Rölleke.

Menschen in Sri Lanka, Malaysia, Peru, Bolivien, Guatemala, Nicaragua, El Salvador, Honduras, Ruanda, Kongo, Kenia, Burundi, Burkina Faso, Afghanistan, Äthiopien, Thailand, Nepal, Indien, Türkei, Serbien, Syrien, Uganda, Togo und Rumänien konnten durch die Arbeit des „Konvois“ plötzlich auf Hilfsmittel zurückgreifen, die sie selbst nie hätten finanzieren können. Dazu Dentler in einem Dokument über den Werdegang der Initiative: „Wir wollen behinderten armen Kindern und Erwachsenen durch die Bereitstellung unserer Hilfsmittel dabei helfen, ein klein wenig mehr Würde, Beweglichkeit und Lebensqualität – und im Einzelfall vielleicht auch eine bessere Zukunft – verschaffen.“

Über 49.000 Menschen hat der Konvoi schon geholfen

Zusätzlich zu den Containerladungen werden auch Einzelbitten um Hilfsmittel oder persönliche Hilfe in verschiedenen Ländern erfüllt. Zudem erhalten Flüchtlinge mit Behinderung im Karlsruher Raum Hilfe. “Insgesamt konnten wir bis heute über 49.000 behinderten Menschen, plus zigtausend Brillenträgern, helfen“, so Dentler.

Finanziert wird die Initiative durch das ehrenamtliche Engagement seiner Mitglieder und durch Spenden von Firmen, Krankenkassen, Orthopädiewerkstätten sowie Privatpersonen. Der Transport der Hilfsgüter wird bezuschusst von der „Engagement Global“ (früher GIZ). Zudem unterhält der Verein Partnerschaften mit zahlreichen Institutionen wie Caritas, Diakonie, Missionsstationen sowie Kliniken und Initiativen wie „Hilfe für Osteuropa“ oder der Deutsch-Afghanische Initiative Freiburg.

Rentner unterhalten eigene Rolli-Werkstatt

Ein Team aus Rentnern repariert die gespendeten Hilfsmittel.

Die Hilfsmittel – neu oder gebraucht – stammen von verschiedenen Herstellern, von Alten- und Pflegeheimen und von Privatpersonen. „Uns ist wichtig, dass wir mit unserer Arbeit auch verhindern, dass wertvolle Behindertenhilfsmittel verschrottet werden“, betont Rölleke. Denn der „Konvoi der Hoffnung“ sammelt nicht nur – er repariert auch jeden gebrauchten Rollstuhl und jede Gehhilfe, die ihm zur Verfügung gestellt wird, bevor er sie weitergibt.

An jedem Tag der Woche von 8:30 bis 12:00 Uhr treffen sich dazu im Karlsruher Stadtteil Oberreut Rentner in der Rollstuhlwerkstatt des Vereins. Dort wird jede Spende fachkundig repariert. Interessierte können gerne jederzeit zu dem Trupp unter der Leitung von Uwe Dübon stoßen. In der Rollstuhlwerkstatt werkeln nicht nur Senioren, sondern auch junge Menschen in schwierigen Lebenssituationen, vermittelt durch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) und das Diakonisches Werk. Die Werkstatt funktioniert, weil das katholische Pfarramt eine ehemalige Notkirche als Werkstatt und Lager zur Verfügung stellt und AWO Karlsruhe und Diakonisches Werk Mitarbeiter abstellen. Die Caritas Karlsruhe finanziert den Werkstattleiter.

Die Behindertenhilfe ist ein wichtiger Bereich, in dem der „Konvoi der Hoffnung“ sich engagiert. Zwei weitere Hilfeschwerpunkte: Osteuropahilfe und Entwicklungshilfe in Afrika. Weitergehende Informationen zum Aktivitätsspektrum des Vereins, der im baden-württembergischen Oberhausen-Rheinhausen ansässig ist, finden sich auf der Homepage des Vereins. Dort werden auch die Termine für Sachspenden-Sammlungen veröffentlicht – und die Kontonummern des Vereins für etwaige Geldspenden.

In einem Radius von max. 100 km ab Karlsruhe holt der Verein Sachspenden ab – von weiter her müssen sie mit einer Stückgut-Spedition verschickt werden. Interessierte können den Verein unter konvoi@konvoi-der-hoffnung.de oder über via Facebook kontaktieren.  

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