Ihre Erfahrung: Anti-Dekubitus-Matratze selbstgemacht

Alltagstipp: Leser Ingo Jäger plagten Dekubiti an beiden Hüften. Inzwischen formt er sich mit ein paar Handgriffen aus einem herkömmlichen Modell seine eigene Anti-Dekubitus-Matratze.

Druckgeschwüre gehören zu den häufigsten Komplikationen, die eine Querschnittlähmung nach sich ziehen kann. Zu langes Liegen oder Sitzen ohne eine Veränderung der Position können die Haut und das darunterliegende Gewebe schädigen. Die Folgen: Hautrötungen über Durchblutungs- und Versorgungsstörung bis hin zu Nekrosen und Geschwüren, die Sehnen und Knochen angreifen können. Besonders gefährdet sind Körperpartien, bei denen zwischen Haut und Knochen nur wenig natürliche Polsterung in Form von Fettgewebe oder Muskeln liegt, wie z. B. Hüftknochen, Knie oder Steißbein.

Querschnittgelähmten wird aufgrund ihrer eingeschränkten Körpermobilität und ihres eingeschränkten bis fehlenden Berührungs- und Druckempfinden empfohlen, den eigenen Körper durch eine regelmäßige Hautkontrolle auf erste Anzeichen einer Druckstelle hin zu untersuchen oder untersuchen zu lassen. Um dem Dekubitus vorzubeugen, wird dazu geraten, auf eine individuell abgestimmte Positionierung im Rollstuhl zu achten sowie alle zehn bis 15 Minuten ihre Sitzposition zu ändern. So können sie gefährdete, vielleicht sogar schon angegriffene Körperpartien soweit wie möglich von Druck entlasten.

Lagerungstechniken können im Schlaf helfen

Auch im Schlaf besteht die Gefahr, einen Dekubitus auszubilden: Der Knochen drückt auf die Unterlage, Blutgefäße werden abgeschnürt und/oder die Haut aufgerieben. Druckentlastung durch Lagerungstechniken wie regelmäßige Wechsellagerung sowie u. U. Freilagerungen gelten als bewährte Mittel zur Prophylaxe. Diese Störung der Nachtruhe – so oft wie nötig, so selten wie möglich – muss in Kauf nehmen, wer einem Wundliegen mit seinen dramatischen, mitunter sogar lebensbedrohlichen Folgen vorbeugen will.

Lagerungshilfsmittel können die Dekubitus-Prophylaxe und -Therapie unterstützen.Lagerungshilfsmittel sind u.a. Kissen, Schaumstoffkeile sowie Spezialbetten und -matratzen. Letztere gibt es in diversen Ausführungen: Mit einem Innenleben aus winzigen Kunststoffkügelchen oder Mikroglaskugeln sollen sie den Liegedruck besser verteilen. Andere Systeme setzen auf eine Würfelstruktur mit Luftkanälen. Weich- oder Superweichlagerung vergrößern die Auflagefläche des Körpers. Matratzen mit integriertem Wechseldrucksystem werden für die Prophylaxe ebenso wie für die Therapie eingesetzt.

Do-it-yourself-Matratze

Unser User Ingo Jäger hatte als Seitenschläfer an beiden Hüftknochen Dekubiti ausgebildet. Er probierte einige Spezialmatratzen aus – am besten kommt sein Körper jedoch mit seiner ganz eigenen Spezialkonstruktion klar: Er modelliert mit seiner Hand Kuhlen in eine handelsübliche Kunststoff-Matratze und passt sie so seinem Körper an, der Beckenkamm wird entlastet. Seit er sich eigenhändig seine Matratze präpariert, hat er, so sagt er, an den Hüften keine Dekubitus-Probleme mehr.

Eine sehr individuelle Lösung, mit der Jäger mit seiner Läsion zwischen drittem und viertem Brustwirbel gut zurechtkommt. Allerdings könnte die Gefahr bestehen, dass durch die unterschiedliche Gewichtsverlagerung sich einerseits Ödeme bilden, andererseits der Druck an den Rändern der Kuhlen zunimmt und somit u. U. das Dekubitus-Risiko an diesen Stellen steigt.

Für mehr Informationen zum Thema Dekubitus siehe:

Prävention von Druckstellen

Entstehung von Druckstellen

Dekubitus-Behandlung

Der 8-Punkte-Plan zur Vermeidung von Druckstellen bei Querschnittlähmung

Dekubitus: Lagerung und Lagerungshilfsmittel

Lagerungstechniken bei Querschnittlähmung


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