Was können smarte Sprachassistenten leisten?

Sprachassistenten helfen auf Zuruf bei der Bewältigung von Alltags-Aufgaben – vom Einkauf, der Auswahl des Fernsehprogramms bis zum Öffnen der Tür. Manche übernehmen sogar bei der Mensch-Ärgere-Dich-Runde das Würfeln. Ein Überblick.

Sprachassistenten erobern derzeit Wohnungen und Häuser. Auf Zuruf geben die smarten Befehlsempfänger Anweisungen an nahezu jedes denkbare technische Gerät weiter. Wir haben mit Sven Häwel vom Verbraucherportal „Home&Smart“ darüber gesprochen, wie Sprachassistenten Menschen mit Querschnittlähmung dabei unterstützen können, ihren Alltag möglichst selbstbestimmt zu gestalten.

Der Fokus lag dabei auf eigenständigen Boxen – Sprachsteuerungen wie Siri, Cortana und Co, die auf PC, Tablet oder Smartphone installiert werden, bleiben außen vor. Sie leisten zwar Ähnliches wie die smarten Boxen, aber nach Häwels Einschätzung sind Lautsprecher und Mikrofone bei den Boxen häufig technisch ausgefeilter. Was im Alltag bedeutet: Sie verstehen die Befehle besser. Und Musik klingt aus ihnen auch besser.

Bei den separaten Zwei-Wege-Boxen beherrschen drei große Anbieter den Markt, in Deutschland hat Amazon mit seiner Alexa den größten Marktanteil; er liegt derzeit bei 75 Prozent. Strenggenommen heißen die kleinen schlauen Kisten „Echo“, „Echo Dot“, „Echo Spot“, usw. Aber alle haben eines gemein: Auf ihnen läuft die Software namens Alexa, weshalb die meisten User sie vermutlich unter diesem Namen kennen.

Amazon, Apple und Googel sind nur einige der Anbieter, die smarte Sprachassistenten anbieten.

Apple ist gerade mit seinen eher hochpreisigen HomePods in den deutschen Markt gestartet. Und auch Google versucht, mehr zu werden als eine Suchmaschine und hat mit Google Home einen „intelligenten Lautsprecher und Home Assistant“ (Eigenbezeichnung) auf den Markt gebracht. In einem Punkt hat Google Home laut Häwel die Nase vorn: Das System kann auf das Erfahrungswissen der Suchmaschine zurückgreifen: Eingabe von Suchanfragen und Bereitstellung von Ergebnissen – die Interaktion also mit Menschen und ihren Suchwünschen. Der Technologie-Vorsprung zeige sich auch in der künstlichen Intelligenz, die im Hintergrund agiere. Zumindest in der englischen Version kann Google Home bereits kurze Dialoge analysieren. Und deshalb einen Termin im Restaurant vereinbaren und einfache Rückfragen des Restaurantbesitzers verarbeiten.

Tausende von nützlichen und unnützen Mini-Programmen

Nicht jedem wird sich sofort erschließen, worin der Vorteil liegt, wenn eine kleine Kiste für ihn das Sprechen übernimmt. Aber andere Fähigkeiten der drei zukunftsweisenden Gadgets können gerade auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Motorik und Sensibilität gute Dienste erweisen.

Mit Aktivierungsbefehlen wie „Okay Google!“ oder „Alexa“ machen die Assistenten nichts anders als Anfragen und Befehle zu verarbeiten. Dazu brauchen sie zwei Dinge: Strom – und einen Zugang ins Internet, klassischer Weise ins heimische WLAN-Netz. Installiert sind die Systeme schnell, sie wählen sich mehr oder weniger selbsttätig ein und benötigen lediglich einige Zusatzbefehle oder Freigaben.

Bleiben wir beim Marktführer: Ab Werk kann Alexa einiges, was den Alltag erleichtern kann. Sie kann auf Sprachbefehl den Radiosender wechseln, neue Einträge in den Terminkalender notieren, eine Eieruhr stellen oder Musik abspielen. Für alles andere muss Alexa auf sogenannte „Skills“ zurückgreifen, auf Mini-Programme, die in einem sog. „skillstore“ bereitstehen und per Sprachbefehl aktiviert werden können. Bei Google Home nennen sich diese Mini-Programme „Actions“.

Die meisten der Zusatzanwendungen lassen sich ebenfalls einfach via Sprachsteuerung aktivieren. Anwendungen, die auf sensible Daten zurückgreifen, etwa beim Online-Banking, benötigen mehr als nur verbale Anweisungen. Und manche sind nur scheinbar kostenfrei, da sie z.B. zwingend voraussetzen, dass der User ein Abonnement bei einem Streamingdienst besitzt oder im Online-Kaufhaus für seinen Prime-Status bezahlt.

Mit diesen Skills und Actions verlässt man die kleine vorinstallierte Welt, die großteils auf Unterhaltung abzielt und betritt die große, nahezu unbegrenzte Welt der Sprachsteuerung. „Wir gehen davon aus“, sagt Experte Häwel, „dass das Angebot an Skills für die verschiedenen Sprachassistenten-Systeme explodieren wird. Künftig werden unvorstellbar viele Angebote als Skills im Netz bereitstehen. Wir werden Millionen von Skills haben“. Schon heute ist das Angebot kaum mehr zu überblicken: In Deutschland gibt es allein für Alexa bereits mehrere Tausend Skills. Einen Überblick gibt Internet-Großhändler Amazon auf einer eigenen Seite, Google Home-Anwendungen finden sich auf der entsprechenden Google-Seite.

Assistenzlösungen auf Zuruf

Gerade im Bereich des ambient assitant living (AAL, alltagstaugliche Assistenzlösungen, die ein selbstbestimmtes Leben unterstützen) finden sich unzählige Anwendungsmöglichkeiten. Angefangen von einfachen Sekretärstätigkeiten („Schreib meiner Mutter, dass sie bitte Pflaumenkuchen mitbringen soll“ bis hin zu Smarthome-Lösungen, die nahezu einen kompletten Haushalt mit der Stimme steuerbar machen.

Voraussetzung für all diese Anwendungen: Die Geräte, bzw. Nachrüstsätze, müssen sprachassistententauglich und insbesondere mit dem eigenen Sprachassistenten kompatibel sein. In immer mehr technische Geräte werden von vorneherein entsprechende Module eingebaut (wobei nicht jedes Gerät mit jedem Sprachassistenten kompatibel ist!). Kleinere Geräte wie Lampen kann man durch smarte Zwischenstecker (oder neue, eingebaute Steckdosen) fit für die Sprachsteuerung machen.

Wichtig bei der Kaufentscheidung: Manche Gadgets lassen sich direkt mit dem Sprachassistenten steuern, bei manchen ist die Installation eines Zwischenmoduls – sog. Gateways oder Bridges – nötig. Das ist, so Häwel, sinnvoll, wenn man zu Hause eine größere Lösung installieren will, an der mehrere Geräte eines Herstellers hängen. Aber auch aufwändiger als kleine Einzelempfänger, die jedoch mitunter nicht ganz so leistungsfähig sind wie Systemlösungen. Hier muss jeder beim Kauf anhand seiner eigenen Bedürfnisse und seines Budgets eine individuelle Lösung erarbeiten.

Denn theoretisch möglich ist alles: Mit der Sprachsteuerung kann man den Motor von elektronischen Rollläden starten und Türschlösser öffnen. Licht kann ein- und ausgeschaltet oder gedimmt werden. Der Putzroboter wischt auf Zuruf die Küche feucht durch, der Mähroboter trimmt den Rasen, danach kann man seinem Rasensprenger den Befehl erteilen, den Rasen zu gießen, beziehungsweise das Absperrventil öffnen. Bei der Spielerunde würfelt der Assistent für einen – und mit seiner Hilfe kann man im Netz nach neuen, nützlichen Hilfsmitteln für den Alltag suchen.

Praktisch für Menschen, die ein besonderes Augenmerk auf die Temperaturregulierung legen: Auch Heizung und Klimaanlage hören aufs Wort, wenn man sie entsprechend aufrüstet. Bei Heizkörpern ist dazu die Installation smarter Thermostate nötig, die mit einem zentralen Modul verbunden sind. Auch Klimaanlagen können mit der Stimme gesteuert werden – für ältere Modelle gibt es Zwischenstationen, die sie tauglich für den Sprachassistenten machen.

Die neue sprachgesteuerte Welt hat auch ihre Nachteile: Die populären Assistenten sind abhängig vom Internet. Muckt das WLAN, fallen auch sie aus. Und Datenschützer geben zu bedenken, dass einige Geräte Informationen sammeln und in einer Cloud verwalten, u. a. um aus dem Nutzerverhalten zu lernen und sich selbst zu optimieren. Kritiker jedoch meinen auch: Um Kauf- und Bewegungsprofile der Benutzer zu analysieren (Siehe z. B. externer Link: Wie ernst nimmt Amazon den Datenschutz bei Alexa?) Unter Umständen ist das der Preis, den man zahlen muss, um im Gegenzug relativ preiswerte smarte Sprachassistenten erwerben zu können.


  • In Deutschland verfügbare Google Home Actions
  • Liste mit 100 ausgewählten Sprachbefehlen für Google Home – vom Stellen des Weckers, Verkehrsauskünfte, per Sprachbefehl E-Mails verschicken oder zum Aktivieren der Würfelfunktion, wenn man sich mit einem Besuch ein Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Match liefern will – auf: „Google Assistant im Smart Home: Ok Google Befehle“
  • Smart-Home-Geräte, die mit Alexa kompatibel sind
  • Auf Amazon erhältliche Alexa-Skills
  • Liste mit ausgewählten Echo-Features

 

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