Für mehr Unabhängigkeit auch bei Tisch: Essroboter kann Gelähmte unterstützen

Im eigenen Tempo und selbstbestimmt ohne Assistenz essen – ein kleiner Essroboter könnte Menschen mit Tetraplegie und/oder eingeschränkter Arm-Motorik zu mehr Unabhängigkeit bei der Nahrungsaufnahme verhelfen. Sogar unterwegs: Das Hilfsmittel ist nicht aufs Stromnetz angewiesen.


Entwickelt wurde „Obi“ laut Angabe des niederländischen Herstellers u.a. für Querschnittgelähmte mit einer Läsion ab ca. C4, sowie für Menschen mit ausgeprägter Spastik oder Muskelerkrankungen – für Menschen also, die in ihrer Arm- und Handfunktion erheblich eingeschränkt sind und ohne Hilfsmittel oder Assistenz keine Nahrung vom Teller aufzunehmen und zum Mund zu führen können.

Der Essroboter nimmt auf dem Esstisch nur wenig Platz ein. Er besteht aus einer Serviereinheit mit vier Schalen für die einzelnen Bestandteile der Mahlzeit und dem Roboterarm, der mit einem Löffel die Speisen häppchenweise aufnimmt und zum Mund führt. Allein der Essende bestimmt, in welchem Tempo er was isst, indem er mit einem Sensor den Roboterarm dirigiert.

Seine Befehle erhält der Arm z. B. durch einen Button, der auf dem Tisch liegt, durch Sensoren, die auf eine Berührung der Fingerspitzen reagieren oder die an der Kopfstütze platziert werden. Laut Auskunft des Deutschlandvertriebs des Gerätes besteht die Möglichkeit, das Steuerungsmodul ganz individuell an die Bedürfnisse und Möglichkeiten des jeweiligen Nutzers anzupassen.

Aber nicht jeder Tetraplegiker kann den Roboter nutzen: Der Betroffene muss noch in der Lage sein, den Kopf so weit zu bewegen, dass er den Löffel abessen kann. Zudem muss er imstande sein, ein Bedienungselement, wie z. B. einen Sensor, Joystick oder Knopf, zu bedienen. Auch schwere Probleme mit dem Kauen oder Schluckbeschwerden sprechen gegen den Einsatz von Obi, hier ist die Indizierung eines erfahrenen Schlucktherapeuten nötig. Für Informationen zum Thema Schluckbeschwerden und Therapiemöglichkeiten siehe auch: Schluckfunktionsstörungen bei Querschnittlähmung

In allen anderen Fällen kann das Gerät dazu beitragen, die Mahlzeiten wieder zu einer sozialen Aktivität werden zu lassen, so verspricht es zumindest die Hersteller-Beschreibung, denn Obi schafft die Möglichkeit, z. B. mit allen Familienmitgliedern zusammen und gleichzeitig zu essen und trägt so zu einer entspannten Ess-Atmosphäre bei.

Die einfache Handhabung unterstütze die Aufnahme von Nahrung in ausreichender Menge. Zudem ermögliche es das Gerät, sich zusätzlich Snacks für Zwischendurch bereitstellen zu lassen, von denen man isst, wenn man selbst dazu Lust hat, unabhängig davon, ob ein zweiter Mensch im Raum ist, der die Snacks anreichen könnte oder nicht. Für weitergehende Informationen zum Thema Ernährung bei Querschnittlähmung siehe auch: Strategien bei Untergewicht und Mangelernährung bei Querschnittlähmung

Ess-Hilfe Obi trägt keine Hilfsmittel-Nummer. Nach Auskunft des Deutschland-Vertriebes übernehmen Krankenkassen jedoch im Rahmen von Einzelfallentscheidungen die Kosten für den Roboter.

Obi kostet ca. 8.000 Euro (Stand: Sept. 2018). Für Interessierte besteht die Möglichkeit, das Gerät völlig unverbindlich und kostenfrei zu testen. Der niederländische Hersteller und seine deutschen Vetriebsrepräsentanten  bieten Beratung vor Ort an und dokumentieren die Anwendung, um so die Beantragung und Bewilligung dieses Hilfsmittels zu unterstützen.

Einen Überblick darüber, was Betroffene bei der Beantragung von Hilfsmitteln beachten sollten, geben die Beiträge Medizinische Hilfsmittel beantragen (1) sowie sowie Medizinische Hilfsmittel beantragen (2) – Keine Angst vorm Widerspruch.

 

 

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.