Wie bügeln eigentlich Rollstuhlfahrer?

Die Antwort auf die Frage „Wie bügeln eigentlich Rollstuhlfahrer?“ lautet in den allermeisten Fällen höchstwahrscheinlich „Ungerne! So wie alle anderen auch.“ Dennoch bleibt die Frage nach der Umsetzung.

Ein handelsübliches Bügelbrett ist zwar höhenverstellbar, mit einem Rollstuhl aber nur schwer unterfahrbar und eine seitliche Position am Brett ist unangenehm und führt schnell zur Ermüdung. Das alleine ist allerdings kaum ein guter Grund für Rollstuhlfahrer sich der lästigsten aller Haushaltspflichten zu entziehen, denn es gibt Alternativen.

  • Dampfbürsten

Mit einer Dampfbürste erübrigt sich die Frage nach einer Unterlage völlig, denn das Kleidungsstück hängt an einem Haken an z. B. einer Stuhllehne und man fährt mit der Dampfbürste am Stoff entlang bis er glatt ist. Der Nachteil: tiefe Knitterfalten können mit einer Dampfbürste nicht entfernt werden und gerade bei Sensibilitätseinschränkungen muss man bei diesem System sorgfältig darauf achten Verbrühungen durch den heißen Dampf zu vermeiden.

Dampfbürsten gibt es von verschiedenen Herstellern ab ca. 35 Euro* im Fach- und Onlinehandel.

  • Tischbügelbretter

Tischbügelbretter legt man, wie der Name vermuten lässt, auf im Haushalt bestehende Arbeitsflächen, da es kein höhenverstellbares Gestell hat.

Damit könnte schon die optimale Lösung gefunden sein, wenn da nicht der Umstand wäre, dass Tischbügelbretter zwar kein Gestell aber dennoch einen Untersatz haben. Und dass dieser Untersatz bis zu 20 cm hoch sein kann. Wenn das Tischbügelbrett nun samt Untersatz auf einem unterfahrbaren Tisch, z. B. dem Esstisch oder einem Schreibtisch, steht, ist es möglich, dass der Nutzer beim Bügel den Arm stark anheben muss und so eine unergonomische Haltung einnimmt, die für Schultern, Hals und Rücken eine starke Belastung darstellen könnte. Wenn man das Tischbügelbrett allerdings auf einen niedrigeren Tisch stellt, z. B. auf einen Couchtisch, entfällt wieder der Vorteil der Unterfahrbarkeit.

Alternativ zu den Tischbügelbrettern können Bügel-Tischauflagen verwendet werden. Diese Auflagen bestehen meist aus einem wärmedämmenden Unterpolster aus z. B. Polyurethan und einer metallbeschichteten Oberseite aus Baumwolle und kann direkt auf dem Tisch verwendet werden.

Weder Tischbügelbretter noch Bügel-Tischauflagen verfügen über eine Ablagefläche für das Bügeleisen.

Tischbügelbretter gibt es von verschiedenen Herstellern ab ca. 7 Euro* und Bügel-Tischauflagen ab ca. 9 Euro* im Fach- und Onlinehandel.

  • Wandbügelbretter

Die sinnvollste wenn auch die aufwendigste und am wenigsten kostengünstige Variante scheint die Installation eines Wandbügelbrettes zu sein. Spezielle Klappbügelbretter können auf jeder beliebigen Höhe an der Wand montiert werden. Das Unterfahren ist also problemlos möglich und die Armhaltung bleibt ergonomisch vorteilhaft. Bei Nichtverwendung werden sie einfach hochgeklappt, wodurch sie besonders platzsparend sind. Manche Modelle kommen mit einem schicken Schränkchen, in das sie eingeklappt werden, so dass man an die lästige Aufgabe des Bügelns nicht dauernd erinnert wird, wenn der Blick aufs Bügelbrett fällt.

Es gibt auch Klappbügelbretter, die in Schrankwände integriert sind. Diese Modelle sind aber meist auf einer Höhe, die für das Bügel im Stehen geeignet sind. Sonderanfertigungen bilden da natürlich die Ausnahme.

Wandmontierte Klappbügelbretter gibt es von verschiedenen Herstellern ab ca. 130 Euro* im Fach- und Onlinehandel.

Für alle handwerklich begabten Leser gibt es im folgenden Video eine Do-it-youself-Anleitung zur Herstellung eines eigen Klappbügelbrettes. Die Anleitung ist zwar englischsprachig, aber das Videomaterial spricht für sich.

Die Alternative: Bügelautomaten

Mit der Einsicht, dass Bügeln eigentlich eine ganz gruselige Aufgabe ist, haben sich schon viele kluge Köpfe beschäftigt und haben ein paar Ideen präsentiert, die das Leben deutlich erleichtern können. Bügelautomaten können Brett und Eisen ersetzen und können dabei ganz unterschiedliche Erscheinungsformen haben, von denen einige beispielhaft genannt werden sollen:

  • Bügelpressen

In Bügelpressen bzw. Dampfbügelpressen (die Dampffunktion ist meist optional) werden die Textilien eingelegt, dann wird der Deckel zugeklappt und die Temperatur und Dampffunktion wird per Knopfdruck ausgelöst. Von einem perfekten, knitter- und faltenfreien Ergebnis kann man jedoch nicht immer sprechen. Hinzu kommt, dass einige der Modelle mit einem Fußpedal bedient werden, was sie für Rollstuhlfahrer eher weniger geeignet macht.

Bügelpressen gibt es von verschiedenen Herstellern ab ca. 20 Euro* im Fach- und Onlinehandel.

  • Bügelpuppen

Beim System des Herstellers Bügelrevolution werden Hosen und Hemden auf eine Bügelpuppe gespannt, und innerhalb weniger Minuten wird das Kleidungsstück bei moderater Wärme sozusagen luftgetrocknet. Falten werden aus dem Stoff gepustet, indem die Gewebefasern aufgerichtet werden. Die geringen Temperaturen sind dabei besonders schonend für alle empfindlichen Textilien.

Bügelpuppen für den Hausgebrauch gibt es entweder mit oder ohne Drehfuß ab ca. 350 Euro* zzgl. Versandkosten.

Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert die Sichler Bügelpuppe. Sie bügelt und trocknet Oberteile (aber keine Hosen) bei einer Temperatur von bis zu 65 °C besonders schonend. Laut Hersteller können mit einem Kleiderständer andere Textilien, z. B. Unterhose, Socken, gleich mitgetrocknet werden.

Zu haben ist die Sichler Bügelpuppe ab ca. 70 Euro* zzgl. Versandkosten.

Bügelpuppen gibt es von verschiedenen Herstellern. Zu einem Vergleichstest des Norddeutschen Rundfunks (NDR) geht es hier: Bügelautomaten für Hemden im Test

Zukunftsmusik

Auch in anderen Ländern gibt es Menschen, die offenbar gar nicht gerne bügeln, denn auch hier macht man sich Gedanken über Arbeitserleichterungen für Rollstuhlfahrer und Fußgänger in der Zukunft.

Der Bügelhelfer Effie und der Wäschefalter FoldiMate – zwei Haushaltshilfen, die demnächst das Bügeln und Wäschefalten übernehmen könnten. In wenigen Monaten sollen die Wundermaschinen startklar sein. Derzeit sind bereits Vorbestellungen möglich.

Der Brite effie soll bis zu zwölf Kleidungsstücke gleichzeitig bügeln können – in drei Minuten! Das System arbeitet mit Wasserdampf. Wie in der Autowaschanlage fährt ihre Dampfdüse über den Stoff ohne ihn zu berühren und soll ihn faltenfrei zurücklassen. Vorgesehen ist auch eine Art Duftwürfel für ein frisches Wäschegefühl.

Erfunden haben den Bügelautomat zwei, die offensichtlich so gar keine Lust auf Bügelsessions hatten: Rohan und Trevor aus London. Verfügbar soll das Bügelwunder ab Dezember 2019 für einen Preis von ca. 700 britische Pfund* (ca. 780 Euro) zzgl. MwSt. und Importkosten sein. Vorbestellungen sind möglich.

Der amerikanische Freund von effie heißt FoldiMate und übernimmt da, wo effie aufhört. Er soll Wäsche zweimal schneller falten können als es durchschnittlich per Hand dauert. Und auch FoldiMate will lästige Falten beseitigen können. Jedes Stück wird auf Wunsch parfümiert und verlässt die Maschine, laut Hersteller, ordentlich zusammengelegt.

Die Macher wollen ihr Gerät langfristig international anbieten und sprechen von einem Preis von ca. 980 US Dollar* (ca. 850 Euro) zzgl. MwSt. und Importkosten. Auch hier sprechen die Hersteller von einem voraussichtlichen Erscheinungstermin Ende 2019.

 

*Alle Preisangaben: Stand Okt. 2018

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