Übungsleiter im Kinder- und Jugendsport: „Dein Erfolg ist auch mein Erfolg!“

„Das gemeinsame Aktivsein mit den Kin­dern gehört mit zu den schönsten Din­gen, die ich bisher gemacht habe!“, sagt Tine Wilholm. Seit fast zwanzig Jahren engagiert sie sich als Übungsleiterin im Rollstuhlsport.

Sport ist für die Kinder und Jugendlichen wichtig, um die Mobilität zu trainieren und Bestätigung zu finden. Vor allem aber macht Sport Spaß. Den Sportlern und den Übungsleitern. Entsprechende Ausbildungen bietet der Deutsche Rollstuhl-Sportverband an.

Der Deutsche Rollstuhl-Sportverband (DRS) widmete eine Ausgabe von „Sport + Mobilität mit Rollstuhl“ seiner Kinder- und Jugendorganisation rollikids – und damit auch Übungsleitern, die die Kinder und Jugendlichen betreuen. Tine Wilmholm ist eine der Übungsleiterinnen, die interviewt wurden. Sie ist seit 1999 im Kanusport und seit 2014 im Rollstuhlsport als Übungsleiterin aktiv.

Welche Gruppen betreust Du?
Tine Wilmholm: Ich betreue im VSV Straubing sowie bei der SG BeNi Regensburg im Kanusport und im Rollstuhlsport Gruppen. Dabei arbeite ich immer im Team mit weiteren Übungsleitern oder Helfern.

Was bietest Du den Kindern und Jugendlichen im Rollstuhlsport an?
Tine Wilmholm: Mit rollikids führe ich Grundlagenschulung im Kanusport durch und paddle mit ihnen auf Seen und Flüssen. Beim Rollstuhlsport biete ich im inklusiven Kindersport vielseitige Bewegungsspiele, Gymnastik sowie Schulung grundlegender Rollstuhlfahrtechniken an.

Wie bist Du dazu gekommen Übungsleiterin in der Rollstuhlsportgruppe für Kinder und Jugendliche zu werden?
Tine Wilmholm: Im Juli 2011 habe ich beim Paddeln Herbert Winterl (u. a. Übungsleiter in der Rollstuhlsportgruppe Schwarzach und bei den rollikids) kennengelernt, was für meinen weiteren Weg als Übungsleiterin sehr entscheidend war. Dieses Aufeinandertreffen hat für mich beim Kanusport und später auch im Rollstuhlsport fundamentale Vernetzungen und Möglichkeiten für weitere Entwicklungen mit sich gebracht.

Welche Ausbildung und Fortbildungen hast Du im DRS oder in einem Landesverband des DBS gemacht?
Tine Wilmholm: Ich bin Übungsleiterin C ›Behindertensport‹ und B für ›Rehasport‹. Für den Kinder‐ und Jugendsport habe ich mich vor allem bei den Übungsleiterfortbildungen der rollikids weitergebildet.

Was motiviert Dich dabei zu bleiben und Dich weiter zu engagieren?
Tine Wilmholm: Das Strahlen in den Kinderaugen, wenn wir zusammen Sport machen und die Lebensfreude und der Spaß, die spürbar sind und alle mitreißen! Die große Herausforderung, zusammen Sportmöglichkeiten zu entdecken und sie für jeden entsprechend seiner persönlichen Möglichkeiten nutzbar zu machen.

Was wünschst Du dir für Deine Gruppen für die Zukunft?
Tine Wilmholm: Ich wünsche mir, dass es in unserer Gesellschaft selbstverständlicher wird, dass Sportangebote für alle zugänglich sind und dass mehr Geld in den barrierefreien Umbau von Sportstätten investiert wird. Besonders für den Kanusport wünsche ich mir, dass wir mehr barrierefreie Zugänge zum Wasser und vor allem auch rollstuhlgerechte Toiletten vorfinden!

Gibt es noch etwas, was Du mitteilen möchtest?
Tine Wilmholm: Meine ganz persönliche Erfahrung: Der Kinder‐ und Jugendsport und das gemeinsame Aktivsein mit den Kindern gehören mit zu den schönsten Dingen, die ich bisher gemacht habe!!!


Ausbildung zum Übungsleiter

Rollstuhlfahrer, die ein ähnliches Glücksgefühl erleben und an Kinder weitergeben wollen, können sich beim DRS zum Übungsleiter ausbilden lassen. Die Ausbildung mit dem Schwerpunkt Rollstuhlsport befähigt dazu, Sport­angebote mit diesem speziellen Fortbewegungsmit­tel und für Menschen mit sehr unterschiedli­chen schweren und schwersten körperlichen Be­einträchtigungen anzubieten und zu ermöglichen.

Die Ausbildung zum Übungsleiter bildet dabei den Anfang eines Lernprozesses, den auch der Lehrende durchläuft. In der Ausbildung erhalten die ange­henden Übungsleiter einiges an Werkzeug, das sie in der Praxis erproben, anwenden und anpassen können. In der Ausbildung für den Rehabilitations­sport für Menschen mit Rollstuhl geht es noch um viel tiefere Erkenntnisse und die Bedeu­tung der emotionalen Aspekte zwischen Lehrenden und Lernenden tritt intensiver in den Vordergrund. Mehr Informationen zum Thema auf den Seiten des DRS: Übungsleiter werden.

Rolli-Kindern fehlen die Vorbilder

Bei Menschen mit starken motorischen Bewe­gungseinschränkungen können die Bewegungs­ängste aus ganz unterschiedlichen Gründen ver­stärkt sein. Kindern und Jugendlichen fehlen häufig die Vorbilder für ihre Bewegungen im Alltag. Man­che wissen gar nicht, dass sie Bordsteinkanten, Schrägen und Unebenheiten sicher befahren könn­ten. Manche erwachsene Rollstuhlnutzer haben ebenfalls keine Vorstellung von der eigenständigen Mobilität, die sie eigentlich erreichen könnten.

Das Mobilitätstraining, der sichere Umgang mit dem Rollstuhl und das Kippeln lernen mit den ›10 Stufen zur Glückseligkeit‹, wie Horst die methodischen Lernschritte zum Erlernen des Balancierens auf den Hinterrädern nannte, sind dabei sicher grundlegende Fertigkeiten, deren Vermittlung die Übungsleiter in Bereich des Rollstuhlsports beherr­schen sollten. Dabei ist die Selbsterfahrung uner­lässlich.

Selbsthilfeaspekt von großer Bedeutung

Der Selbsthilfeaspekt ist beim Sport mit Roll­stuhlnutzern von sehr großer Bedeu­tung. Viele gesellschaftliche Vorurteile prägen häufig noch ein eher negatives Bild, das auch den Kindern vermit­telt wird. Daher sind die erwachsenen Rollstuhlnut­zer, die mitten im Leben stehen, Freunde und Fami­lie haben, im Berufsleben sind, Hobbys haben, als Vorbilder so wichtig für sie.

Bewegungsmöglichkeiten, Mobilität im Alltag, Austausch über Hilfsmittel und Einstellung und Art des Rollstuhls, medizinische und gesundheitliche Aspekte, spezielle behinde­rungsbedingte Auswirkungen und Sekundärfolgen: Bei diesen Themen kann zudem der Austausch im Sinne des Peer‐Counseling von großem Nutzen sein.

Stärkung der emotionalen Ebene

Vor allem aber setzt die Ausbildung zum Übungsleiter bei der Stärkung der emotionalen Ebene an, denn schon früh wurde beim Sport für Menschen mit Querschnittlähmung erkannt, dass das gemeinsame Sporttreiben enorme positive emotionale Auswirkungen hat und die Lebenskräf­te stärkt. Gerade für Kin­der und Jugendliche und ihre Familie ist das emo­tionale Erleben und der gegenseitige Austausch von großer Bedeutung. Übungsleiter können dazu beitragen, dass Kinder erkennen, wie wichtig es ist auf seine Stärken und Kompetenzen zu schauen, wie freudvoll Bewe­gung erlebt werden kann und wieviel Freude das Erlernen und das Erleben von gemeinsamen Spiel‐ und Sportmöglichkeiten bringt.

In diesem Sinne gut ausgebildete Übungsleiter für die Kinder und Jugendlichen mit Rollstuhl sind grundlegend wichtig für den Fortbestand der Kinder- und Jugendrollstuhlsportgruppen im DRS. Seit den 80er-Jahren stieg deren Zahl auf rund 100 Gruppen mit über 1.500 aktiven Kindern und Jugendlichen an – inzwischen häufig betreut von Rollikids der ersten Generation, die ihren Übungsleiterschein gemacht haben. Sie haben selbst erfahren, wie wichtig Rollstuhlsport zur Förderung der Mobilität, des Selbstbewusstseins und des selbstbestimmten Lebens ist.


Die Redaktion bedankt sich bei Tine Wilmholm und Ute Herzog, Fachwartin Kinder- und Jugendsport des DRS, für die Überlassung der Fotos und der Texte, die hier in gekürzter Form veröffentlicht werden. Der vollständige Artikel erschien im September 2018 in einer Sonderausgabe von „Sport + Mobilität mit Rollstuhl“, dem Magazin des DRS“. Thema: rollikids.de.

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