Prototyp: Rollstuhlkissen für aktive Druckentlastung

Druckstellen sind bei Querschnittlähmung ein ernstes Problem und ihre Entstehung (siehe: Entstehung von Druckstellen) sollte in jedem Fall vermieden werden. Ein neues Rollstuhlkissen soll dabei in Zukunft helfen können.

Forscher der University of Texas in Arlington (UTA), USA, haben ein intelligentes Sitzkissen entwickelt, das Luftdruckanpassungen nutzt, um das Körpergewicht neu zu verteilen und so Dekubiti zu verhindern, die durch langes Sitzen im Rollstuhl ohne Druckentlastung verursacht werden können.

So funktioniert es:

„Unsere Technologie verbessert bestehende Lösungen, indem sie Echtzeit-Drucküberwachung und automatisierte Druckmodulationsfunktionen beinhaltet, um die Entstehung von Dekubiti zu bekämpfen“, sagte Muthu Wijesundara, Miterfinder der Technologie und leitender Forschungswissenschaftler am UTA Research Institut (UTARI) bei der Präsentation des neue entwickelten Prototyps eines originalgroßen Rollstuhlkissens zur aktiven Druckentlastung.

Die Technologie besteht aus einem Kissen zusammengesetzt aus einzelnen elektronisch aufblasbaren bzw. deflatierbaren Segmenten sowie einem Netzwerk von Drucksensoren. Zunächst erstellen diese Sensoren eine digitale Karte, die die Bereiche des Körpers des Rollstuhlfahrers anzeigt, die beim Sitzen dem größten Druck ausgesetzt sind und in denen folglich eine Druckentlastung erforderlich ist.

Die automatisierte Druckmodulation nutzt diese Daten, um die Sitzpolsteroberfläche neu zu konfigurieren, um so sensible Bereiche von Druck zu entlasten und neu zu verteilen. Zusätzlich ändert das Sitzpolster periodisch das Druckprofil, um den Druckaufbau im Laufe der Zeit zu verhindern.

Die Forscher demonstrierten die Wirksamkeit der Technologie an gesunden Probanden mit unterschiedlichen Gewichten, die unterschiedliche Positionen einnahmen: nach vorne, hinten, nach links oder rechts lehnend. Immer misst das Sitzpolster den Druck sofort und führt automatisch eine effektive Druckumverteilung durch, um den Druck von empfindlichen Bereichen zu nehmen.

„Diese Technologie hat eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten in biomedizinischen Bereichen“, sagte Wijesundara und schließt u. a. auch den Einsatz der Methode bei Prothesen nicht aus. „Wir glauben, Patienten und Pflegenden helfen zu können, die Schmerzen und Gefahren von Dekubiti zu vermeiden.“

Weitere Informationen

Das Rollstuhlkissen für die aktive Druckentlastung ist zum Patent angemeldet worden; wann es auf dem Markt verfügbar sein wird, ist noch unklar.

Für weitere Informationen siehe: UTA researchers patent technology for smart seat cushion, adaptable prosthetics

 

Siehe auch: Gaspard: Drucksensoren und App gegen Dekubiti und SensiMat System – Die Anti-Dekubitus App für Rollstuhlfahrer

 

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