Transanale Irrigation bei Querschnittlähmung

Die transanale Irrigation (TAI) bei Querschnittlähmung ist eine Form der Darmentleerung, die sich in der Behandlung der neurogenen Darmfunktionsstörung als Langzeittherapie etabliert hat.

Die Irrigation kann mit unterschiedlichem Equipment stattfinden.

  • Systeme, die nach dem Schwerkraftprinzip funktionieren (Qufora ®)
  • Druckgesteuerte Systeme (Peristeen®, Navina classic ®, Qufora®)
  • Elektronisch gesteuerte Systeme teilweise mit Steuerung über eine APP (Navina smart®, Irrimatic R®)
  • System mit einem großlumigen Katheter ohne spezielle Fixierung für bettlägerige Patienten (Qufora®)

Die Katheter, über die das Wasser eingebracht wird, sind meist spezielle Darmkatheter, die  mit einem wasser- oder luftgefüllten Ballon im Enddarm fixiert werden. Alternativ gibt es Konuskatheter.

Dehnung des Rektums zur Auslösung des Defäkationsreflexes (Entleerungsreflexes)

Der Entleerungsreflex wird zum einen durch den gefüllten Ballon als auch durch das eingebrachte Wasser ausgelöst. Damit dieser Reflex überhaupt ausgelöst werden kann, muss dieser noch intakt sein, was von der Vollständigkeit und Höhe der Lähmung abhängt.

 Anregung der Peristaltik

Die eingebrachte Wassermenge, als auch die damit verbundene Stuhlaufweichung führen dazu, dass eine Dehnung im Kolon stattfindet und dadurch die Peristaltik angeregt wird.

Erreichen der Stuhlkontinenz

Durch das Ausspülen des Enddarms/Kolons kommt es zu einer geplanten Darmentleerung. Dies führt zu einem leeren Enddarm und dadurch wird Kontinenz erreicht bis wieder Stuhl runterrutscht. Dies ist vor allem eine Möglichkeit bei schlaffem Analsphinkter (Verschlusssystem des Darms) und es kann eine Kontinenz von 12-24 Stunden erreicht werden.

Bei spastischem Analsphinkter findet die Entleerung häufig nicht komplett statt, so dass zusätzlich noch digital stimuliert oder ausgeräumt werden muss, um eine vollständige Entleerung zu erreichen.

Diese Wirkungsweise erlaubt es, dass TAI sowohl bei inkontinenten Menschen als auch bei obstipierten Menschen eingesetzt werden kann. Der Erfolg der TAI variiert beträchtlich zwischen Patienten. Während die einen über eine hohe Zufriedenheit und Zunahme ihrer Lebensqualität berichten, berichten die anderen über wenig bis keinen Erfolg. In einem sind sich aber die Fachpersonen sicher. Eine genaue anamnestische und diagnostische Abklärung sind für eine korrekte Patientenauswahl notwendig und somit Voraussetzung für eine erfolgreiche Anwendung der transanalen Irrigation (Geng, Wendl, Leder 2018). Des Weiteren muss die Irrigation durch eine erfahrene Pflegeperson instruiert werden. Der Einübungsprozess bis es zu einer zufriedenstellenden Darmentleerung kommt kann bis zu acht Wochen dauern und auch die Aspekte der Ernährung, Trinkmenge, Bewegung, Psychische Aspekte sowie der Lifestyle spielen bei der Entleerung eine Rolle.

Aus diesem Grund wurde von Teilnehmern des 1. Irrigationssymposiums 2018 und vom Arbeitskreis neurogene Darmfunktionsstörungen eine Checkliste erarbeitet, um einen seriösen und erfolgversprechenden Prozess der Darmentleerung mittels Irrigation zu initiieren. Zum kostenfreien pdf-Download geht es hier.

 

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