Störungen der Schmerz- und Temperaturempfindung: Syndrome

In Zusammenhang mit der Art einer Verletzung des Rückenmarks kann es zu einem Ausfall oder einer Störung der Wahrnehmung von taktilen oder temperaturbedingten Reizen kommen. Betroffene nehmen Schmerzen wahr, die als ziehend, brennend, prickelnd oder einschnürend beschrieben werden. Man spricht auch von Deafferenzierungsschmerz.

Bild 121595542 copyright Verdateo, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Die folgenden Syndrome haben gemeinsam, dass hier Störungen der Schmerz- und Temperaturempfindung auftreten, jedoch unterscheiden sie sich je nach Verletzungsmuster:

Central Cord

Das Central-Cord-Syndrom ist eine Verletzung zentraler Rückenmarkanteile. Nervenfasern, die Schmerz- und Temperaturempfindungen weiterleiten, sind geschädigt, meist im Bereich der Halswirbelsäule. In Höhe der Verletzung entsteht eine unkoordinierte Empfindungsstörung.

Brown-Séquard-Syndrom

Hierbei ist das Rückenmark halbseitig geschädigt. Da sich die Nerven im Rückenmark kreuzen, sind aber dennoch beide Körperhälften von der Verletzung betroffen. Auf der Seite der Schädigung (ipsilateral) kommt es  zu einer Beeinträchtigung der Sensibilität und der Motorik, auf der anderen Seite (kontralateral) zu Störungen der Schmerz- und Temperaturwahrnehmung.

Anterior-Cord-Syndrom

Durch eine Verletzung der vorderen zwei Drittel des Rückenmarks kommt es zu Ausfällen der Motorik, aber auch zu Störungen in der Schmerz- und Temperaturwahrnehmung. Oft sind das gürtelförmige Schmerzen im Übergang vom gesunden zum verletzten Rückenmark. Empfindungsstörungen können auch unterhalb der Verletzung auftreten. Es ist das häufigste Syndrom bei traumatischen Querschnittlähmungen.

Dorsal-cord-Syndrom

Hierbei sind Schmerz-  und Temperaturempfindung erhalten. Es kommt aber zu Verlust von Lage-, Vibrationssinn, 2-Punkte Diskrimination und teilweise der Berührungsempfindung.

Epikonussyndrom

Sensibilitätsstörungen in den Dermatomen L4 bis S4/5 (Dermatomverteilung) charakterisieren das Epikonussyndrom.

Konussyndrom

Die Sensibilitätsstörungen liegen an den Innenseiten der Oberschenkel (‚Reithosen‘-Verteilung).

Kaudasyndrom

Trotz Lähmung ist die Sensibilität am Damm und/oder den unteren Gliedmaßen häufig erhalten (Wurzelverteilung).

 

Weitere Informationen zu Störungen der Sensibilität, Temperaturwahrnehmung und Schmerzempfindung siehe:

Schmerzempfinden bei Querschnittlähmung

Sensibilität und Empfindungstörungen bei Querschnittlähmung

Temperaturdysregulation

 

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.