Studie zu wiederkehrenden Blasenentzündungen: Viel trinken hilft viel!

Trinken nicht vergessen! Querschnittgelähmte bekommen diesen Tipp vermutlich besonders oft zu hören, denn Harnwegsinfekte zählen bei ihnen zu den häufigsten Komplikationen. Nun hat erstmals eine randomisierte, klinische Studie nachgewiesen: Wer ausreichend trinkt, senkt tatsächlich signifikant sein Risiko, an einer Blasenentzündung zu erkranken.

Die Wissenschaftler um Thomas M. Hooton vom Department of Medicine der University of Miami beobachteten dabei zwölf Monate lang 140 gesunde Frauen im gebärfähigen Alter. Sie alle hatten zwei Dinge gemeinsam: Sie tranken relativ wenig (weniger als 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag) und sie litten relativ oft (mehr als drei Mal pro Jahr) an einer Harnblasenentzündung (Zystitis).

Wie würde sich die Anfälligkeit der Frauen verändern, wenn die Hälfte von ihnen ein Jahr lang regelmäßig deutlich mehr Flüssigkeit zu sich nehmen würde? Um das zu erfahren, teilten die Forscher die Frauen in zwei Gruppen auf: In eine Wassergruppe und eine Kontrollgruppe. Die Aufteilung erfolgte randomisiert, also nach dem Zufallsprinzip.

Die Wassertrinkerinnen erhielten zwölf Monate lang jeden Tag jeweils drei 500-ml-Flaschen Wasser, die ein Sponsor zur Verfügung stellte. Sie sollten zu Beginn jeder Mahlzeit eine Flasche trinken, beziehungsweise diese vor der nächsten Mahlzeit vollständig leeren. Um sicherzustellen, dass diese Teilnehmerinnen ihren Trinkplan einhielten und zusätzlich zu der bisherigen Flüssigkeitsmenge ihre 1,5 Liter Wasser tranken, wurden sie durch regelmäßige Telefonanrufe motiviert und zugleich gebeten, in einem interaktiven Response-System Rückmeldung über ihr Trinkverhalten zu geben.

Seltener Erkrankungen, seltener Antibiatika-Gaben

Nach zwölf Monaten zogen die Ärzte Bilanz: Insgesamt waren die Frauen an 327 Blasenentzündungen erkrankt: 111 in der Wassergruppe, 216 in der Kontrollgruppe. Positiver Sekundär-Effekt für viele Frauen aus der Wassergruppe: Sie hatten nicht nur seltener unter den Entzündungsschmerzen zu leiden, auch das Intervall, in dem die Entzündung wiederkam, ging bei ihnen deutlich zurück: Im Schnitt erkrankte von ihnen nur all 148 Tage eine Frau – in der Kontrollgruppe traf es alle 93,5 Tage eine Frau. Damit einher ging auch, dass die Mitglieder der Wassergruppe seltener mit antimikrobiellen Medikamenten, zu denen auch die Antibiotika zählen, behandelt werden mussten.

Ein wichtiger Aspekt hinsichtlich „der starken Korrelation zwischen antimikrobieller Anwendung und Resistenz“. Denn Schätzungen – so die Studienautoren – gehen davon aus, dass rund 15% der antimikrobiellen Medikamente, die verschrieben werden, für Menschen mit Harnwegsinfektionen gedacht sind. Darüber hinaus würden diese Mittel häufig eingesetzt, um das Wiederauftreten von Zystitis zu verhindern.

Ihre Studie zeigte nun, dass zumindest gesunde, prämenopausale Frauen, die bisher nur wenig Flüssigkeit zu sich nahmen, ihr Risiko, wieder an einer Zystitis zu erkranken, verringern können, wenn sie täglich viel (Wasser) trinken.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung z. B. empfiehlt, täglich zusätzlich zu der Flüssigkeit, die ihn Nahrungsmitteln enthalten ist, etwa 1440 ml Wasser am Tag zu sich zu nehmen (Ein erhöhter Bedarf besteht bei hohem Energieumsatz, Hitze, trockener kalter Luft, reichlichem Kochsalzverzehr, hoher Proteinzufuhr und pathologischen Zuständen wie Fieber, Erbrechen, Durchfall etc..). Als Faustregel werden im Allgemeinen 1,5 bis 2 Liter genannt.

Blasenmanagement überdenken

Diese Menge zu trinken fällt mitunter auch querschnittgelähmten Männern und Frauen schwer. Einige schränken sich zudem bewusst oder unbewusst bei der Trinkmenge ein, so die Erfahrung von Hygieneexperten, um auf diese Weise ihr Blasenmanagement einfacher zu machen. Doch etwa 1500 ml Urin sollten pro Tag ausgeschieden werden, als Faustregel werden durchschnittlich vier bis 6 Katheterisierungen empfohlen.

Ob und in welchem Umfang es für querschnittgelähmte Frauen oder Männer sinnvoll sein kann, als Prophylaxe gegen wiederkehrende Blaseninfekte die Trinkmenge zu erhöhen, sollte jeder Betroffene mit seinem behandelten Arzt oder einer anderen Fachkraft absprechen.

Neben dem Trinkverhalten gibt es noch weitere Aspekte, die einer Blasen- bzw. Harnwegsinfektion vorbeugen können. Nähere Informationen und weiterführende Links u. a.:

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