Unabhängig von Leistungsträgern: Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung

Die Teams der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) unterstützen und beraten Menschen mit Behinderungen, aber auch deren Angehörige bundesweit und unentgeltlich, wenn es um Fragen zu Rehabilitation und Teilhabe geht. Seit 2018 wurde ein Netzwerk aufgebaut, das rund 500 Beratungsangebote umfasst. Dort werden Betroffene überwiegend von Betroffenen beraten, die unabhängig von Leistungsträgern sind.

Die Adressen dieser über 500 Beratungsstellen der EUTB finden sich auf einer interaktiven Suchmaschine der Teilhabeberatung. Dort können Interessierte wohnortnah, oder auch selektiert nach Träger oder Erfahrung mit spezifischen Teilhabebeeinträchtigungen eine Beratungsstelle finden. Wer sich einer bestimmten Organisation oder einem Verband besonders zugehörig fühlt, kann auch zunächst einen Blick auf deren Homepage werfen: Viele verweisen auf ihre eigenen EUTB-Stellen. So haben z. B. der Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. (bvkm) und der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. (BSK) in einem Kooperationsprojekt und in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg Berater weitergebildet. Insgesamt unterhalten allein diese beiden Verbände etwa 45 EUTB-Beratungsstellen.

Auf den Web-Seiten der Fachstelle der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung werden zudem Fragen zur Zuständigkeit des Rehabilitationsträgers, zu Assistenzleistungen oder zu Hilfsmitteln beantwortet.

Fortbestand langfristig gesichert

Mit der „Verordnung zur Weiterführung der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTBV)“ wurde der Fortbestand der Beratungsstellen auch über das Jahr 2023 gesichert: Der Bund stellt dann für die Förderung der EUTB jährlich 65 Mio. Euro zur Verfügung – die jeweilige Bewilligungsperiode beträgt sieben Jahre, was den Beratungsangeboten zu einer gewissen Planungssicherheit verhelfen soll. Zudem besteht nun auch ein Rechtsanspruch auf einen Zuschuss zu Personal- und Sachkosten. Diese Änderungen sollen insbesondere kleinere Träger von Beratungsangeboten helfen – die Aufstockung des Finanzrahmens ermöglicht u. a. Verbesserungen im Bereich der Erstausstattung von Beratungsangeboten sowie der Finanzierung von Sprachdolmetschern und der Öffentlichkeitsarbeit. 

App „Teilhabeberatung“

Die Fachstelle der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabe-Beratung stellt zudem eine App zur Verfügung. Nahezu alle Funktionen der Webseite www.teilhabeberatung.de sind dort auch vom Smartphone aus bequem und unkompliziert zu nutzen. Siehe auch Beitrag App „Teilhabeberatung“.

Über die Angebotspalette und Arbeitsweise der EUTB-Stellen informiert zudem ein Kurzfilm.

Historie

Ab 1.1.2018 ging Reformstufe 2 des Bundesteilhabegesetzes (siehe auch: Der lange Weg zum Bundesteilhabegesetz) an den Start. Menschen mit Einschränkungen und Behinderungen soll mehr Teilhabe am Leben in der Gesellschaft und individuelle Selbstbestimmung ermöglicht werden.

Dafür wurde auch das neunte Sozialgesetzbuch (SGB IX) neu gefasst – woraus sich wiederum „Anpassungsbedarfe“ bei der Richtlinie über Leistungen zur medizinischen Rehabilitation ergaben. Der Gemeinsame Bundesausschuss (das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland) beschloss diese Richtlinien, die seit Sommer 2018 in Kraft sind (siehe externer Link: Rehabilitations-Richtlinie – Gemeinsamer Bundesausschuss (g-ba.de).

Neben redaktionellen Änderungen – also geänderte Paragraphen – gab es auch Anpassungen der Norm selbst. Insbesondere wurde die Intention des SGB IX, eine frühzeitige umfassende Bedarfserkennung sicherzustellen, durch eine entsprechende Ergänzung in der Richtlinie berücksichtigt.

Neue und alte Ansprechpartner

Die konkrete Auswirkung: Die sog. Gemeinsamen Servicestellen, die bislang auch über Angebote der medizinischen Rehabilitation beraten haben, fielen faktisch in den meisten Fällen weg. Nunmehr sollen Rehabilitationsträger wie die Krankenkassen, die Rentenversicherung oder die Unfallversicherung jeweils direkt und übergreifend die Patienten beraten. Zudem sollen Rehabilitationsträger (u. a. Krankenkassen), wenn sie einen Rehabilitationsbedarf erkennen, darauf hinwirken, dass auch ein Antrag auf Reha-Leistungen gestellt wird. Krankenkassen sollen ihre Versicherten im Sinne einer selbstbestimmten Teilhabe über das Verfahren informieren.

Auch Ärzte und Psychotherapeuten sollen weiterhin ihre Patienten auf die Beratungsangebote hinweisen. Und zudem können Betroffene seither das Angebot der Ergänzenden unabhängigen Angebote zur Teilhabeberatung (EUTB) nutzen. Weitere Informationen wie beispielsweise einen Nutzerleitfaden der App finden sich auf den Seiten der Fachstelle der Teilhabeberatung.

Mehr zum Thema Rehabilitation sowie Erhaltung oder Wiedererlangung der Arbeitskraft im Beitrag: Einen Reha-Antrag stellen