„Lotsen im Reha-System“: Richtlinie zur medizinischen Reha angepasst

Eine der Reaktionen auf das Bundesteilhabegesetz: Bei Fragen zur medizinischen Rehabilitation stehen Betroffenen neben Ärzten, Therapeuten und Leistungsträgern nun auch über 500 sog. Ergänzende unabhängige Angebote zur Verfügung. Sie sollen als „Lotsen im Reha-System“ fungieren.

Seit 1.1.2018 greift Reformstufe 2 des Bundesteilhabegesetzes (siehe auch: Der lange Weg zum Bundesteilhabegesetz). Menschen mit Einschränkungen und Behinderungen soll mehr Teilhabe am Leben in der Gesellschaft und individuelle Selbstbestimmung ermöglicht werden.

Dafür wurde auch das neunte Sozialgesetzbuch (SGB IX) neu gefasst – woraus sich wiederum „Anpassungsbedarfe“ bei der Richtlinie über Leistungen zur medizinischen Rehabilitation ergaben. Der Gemeinsame Bundesausschuss (das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland) beschloss diese Richtlinien, die nun seit Sommer 2018 in Kraft sind.

Neben redaktionellen Änderungen – also geänderte Paragraphen – gab es auch Anpassungen der Norm selbst. Insbesondere wurde die Intention des SGB IX, eine frühzeitige umfassende Bedarfserkennung sicherzustellen, durch eine entsprechende Ergänzung in der Richtlinie berücksichtigt.

Ziel sei es, so die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), „frühzeitig die Notwendigkeit einer Rehabilitation und bestehende Teilhabebedarfe – z. B. Leistungen zur sozialen Teilhabe oder Teilhabe am Arbeitsleben – zu erkennen.“

Neue und alte Ansprechpartner

Die konkrete Auswirkung: Die sog. Gemeinsamen Servicestellen, die bislang auch über Angebote der medizinischen Rehabilitation beraten haben, fielen weg. Nunmehr sollen Rehabilitationsträger wie die Krankenkassen, die Rentenversicherung oder die Unfallversicherung jeweils direkt und übergreifend die Patienten beraten. Zudem sollen Rehabilitationsträger (u. a. Krankenkassen), wenn sie einen Rehabilitationsbedarf erkennen, darauf hinwirken, dass auch ein Antrag auf Reha-Leistungen gestellt wird. Krankenkassen sollen ihre Versicherten im Sinne einer selbstbestimmten Teilhabe über das Verfahren informieren.

Auch Ärzte und Psychotherapeuten sollen weiterhin ihre Patienten auf die Beratungsangebote hinweisen. Neu ist laut KBV jedoch „die Möglichkeit, bei Anhaltspunkten auf weitere Teilhabebedarfe“ diese auf „Verordnungsformular 61“ zu vermerken. Die Krankenkasse greife diese zur frühzeitigen Bedarfserkennung auf.

Zudem können Betroffene ein neues Angebot nutzen: Die sog. Ergänzenden unabhängigen Angebote zur Teilhabeberatung (EUTB). Laut KBV sind seit Anfang 2018 bundesweit bereits über 500 dieser Beratungsstellen etabliert worden. Dort werde insbesondere Beratung von Betroffenen durch Betroffene angeboten, die unabhängig von Leistungsträgern ist. Diese Berater fungierten wie „Lotsen im Reha-System“.

Die Adressen dieser über 500 Beratungsstellen der EUTB finden sich auf einer interaktiven Suchmaschine der Teilhabeberatung. Dort können Interessierte wohnortnah, oder auch selektiert nach Träger oder Erfahrung mit spezifischen Teilhabebeeinträchtigungen eine Beratungsstelle finden. Auf dem Web-Portal werden zudem Fragen zur Zuständigkeit des Rehabilitationsträgers, zu Assistenzleistungen oder zu Hilfsmitteln beantwortet.

Mehr zum Thema Rehabiliatation sowie Erhaltung oder Wiedererlangung der Arbeitskraft im Beitrag: Einen Reha-Antrag stellen

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