Inklusionsbarometer 2018: Zahl der Arbeitslosen mit Behinderung sinkt weiter

Obwohl die Jobsuche für Menschen mit Behinderungen etwa ein Jahr dauert, scheine sich doch positive Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt abzuzeichnen. Das vom Handelsblatt Research Institute erarbeitete Inklusionsbarometer der Aktion Mensch nennt entsprechende Zahlen.

Vorstellung des Inklusionsbarometer Arbeit 2018 in Frankfurt am Main. Im gemeinsamen Gespräch (v. l. n. r.): Marvin Califice (arbeitslos seit Februar 2017), Caroline Mülheims (Aktion Mensch), Prof. Bert Rürup (Präsident des Handelsblatt Research Institute) sowie Armin v. Buttlar (Vorstand der Aktion Mensch e.V.)

Die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt folgt weiter einem positiven Trend: Erneut sinkt die Zahl der Arbeitslosen mit einer Behinderung auf ein Rekordtief von 162.373 Suchenden (Vorjahr: 170.508). Gleiches gilt für die Arbeitslosenquote Schwerbehinderter, sie liegt bei 11,7 (12,4) Prozent. Das geht aus dem aktuellen Inklusionslagebarometer Arbeit der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institute (HRI) hervor. „Insgesamt entwickelt sich der Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung seit sechs Jahren konstant positiv – das ist ein Erfolg“, sagt Prof. Bert Rürup, Präsident des HRI. „Trotzdem profitieren Menschen mit Handicap nicht im gleichen Maße von der guten Konjunktur wie die Allgemeinheit.“ Es bleibe wichtig, die Problemfelder auszumachen und hierfür Lösungen zu schaffen. Denn: Der Abstand zur allgemeinen Arbeitslosenquote (5,7 Prozent) der Menschen ohne Behinderung hat sich in diesem Jahr erstmals wieder vergrößert.

Ein Jahr auf Arbeitssuche

Die Studie offenbart nach wie vor gravierende Probleme: So suchen Arbeitslose mit Behinderung trotz leichter Verbesserung noch immer durchschnittlich 366 (Vorjahr: 377) Tage nach einer Beschäftigung. Das sind 104 Tage länger als Menschen ohne Beeinträchtigungen/ Menschen ohne Handicap. Auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen ist mit 44,4 (45,8) Prozent deutlich höher als bei Menschen ohne Behinderung (35,6 Prozent). Das Dilemma: Die Dauer der Arbeitslosigkeit wirkt – neben dem Lebensalter und der Schwerbehinderung – zusätzlich als wesentliches Vermittlungshemmnis.

Mehr Pflichtarbeitsplätze

Immer mehr Firmen wachsen und haben die gesetzliche Verpflichtung, ab einer Größe von 20 Mitarbeitern auch Menschen mit Behinderung einzustellen. Diese Zahl stieg um fast 4.000 auf über 160.000 Betriebe. Damit nimmt auch die Anzahl der zu besetzenden Pflichtarbeitsplätze zu. Die aufstrebenden Firmen wählen jedoch statt der Einstellung eines neuen Mitarbeiters mit Behinderung häufig die Möglichkeit, eine Ausgleichsabgabe zu zahlen. Dadurch erhöht sich die Zahl der unbesetzten Pflichtarbeitsplätze auf 37.182 (32.000). „Gerade kleinere Unternehmen, die erstmals unter die Beschäftigungspflicht fallen, wissen zu wenig über Fördermöglichkeiten und Mitarbeiter mit Behinderung“, sagt Armin v. Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch. Daher hat die Sozialorganisation gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) eine Handlungsempfehlung mit Informationen für Arbeitgeber herausgegeben – angefangen bei der Kontaktaufnahme über Bewerbungsprozesse bis hin zur Eingliederung ins Unternehmen. Diese stehen hier zur Verfügung.

Über das Inklusionslagebarometer 2018

Für das Inklusionslagebarometerhat das Handelsblatt Research Institute zehn Teilindikatoren basierend auf den jüngsten statistischen Daten der Bundesagentur für Arbeit und der Integrationsämter ausgewertet. Ziel des Inklusionslagebarometers ist es, Auskunft über den aktuellen Grad der Inklusion von Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt zu geben. Weitere Informationen siehe: www.aktion-mensch.de/inklusive-arbeit

Über die Kurzanalyse Inklusionsbarometer Arbeit 2013 bis 2017

Die Kurzanalyse betrachtet die Entwicklung der Inklusionsbarometer Arbeit 2013 bis 2017. Für diese hat das Handelsblatt Research Institute jährlich bei repräsentativen Umfragen rund 400 mittelständische Unternehmen, die Mitarbeiter mit Behinderung beschäftigen, und rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung befragt. Zugleich sind jeweils die jüngsten Zahlen aus verschiedenen Quellen wie der Bundesagentur für Arbeit in die Bewertung eingeflossen. Die Barometer setzen sich aus Teilergebnissen zur Inklusionslage und zum Inklusionsklima zusammen.

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