Online-Mentoring will Menschen mit Behinderung fit für beruflichen Neustart machen

Arbeitslose mit Behinderung suchen überdurchschnittlich lange – konkret: 104 Tage länger als Menschen ohne Behinderung – nach einem neuen Job. Das Online-Mentoringprogramm eAbility der Stiftung MyHandicap will etwas dagegen tun: Ein intensives kostenfreies Bewerbungs-Coaching soll Menschen mit Behinderung beim beruflichen Neustart unterstützen. Für die laufende Pilotphase werden interessierte Unternehmen und Teilnehmer gesucht.

Mit dem Online-Mentoring Programm eAbility soll laut MyHandicap eine Brücke zwischen Menschen mit Behinderung und Unternehmen geschlagen werden. Durch intensives kostenloses Coaching während der Bewerbungsphase sollen Bewerber fit für den Wieder- oder Neueinstieg in den Beruf gemacht werden. Das Programm ist abgestimmt auf die Interessen und Fähigkeiten der Teilnehmer. Sein Vorteil sind zeitliche Flexibilität und ortsunabhängiges Arbeiten, ideal also auch für Querschnittgelähmte, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.

MyHandicap arbeitet bereits in der aktuellen Pilotphase mit namhaften Unternehmen zusammen, „damit die individuellen Trainings auch in dieser Phase professionell und qualitativ hochwertig ausfallen“, wie es in einer Mitteilung der Stiftung heißt.  So konnte einer der größten Anbieter für Unternehmensanwendungen weltweit, SAP, als „Testunternehmen“ gewonnen werden. SAP stellt vier Coaches zur Verfügung. Für die laufende Pilotphase sucht MyHandicap zusätzlich weitere interessierte Unternehmen und Teilnehmer.

eAbility will – so die Idee der Macher – Menschen mit Behinderung in ihrer Bewerbungsphase unterstützen und parallel dazu Unternehmen beraten. Laut eAbility-Website ist Mentoring dafür ein probater Weg: Es gilt als eine der effizientesten Methoden zur erfolgreichen Begleitung und Orientierung in der Bewerbungsphase. Es erlaubt einen Austausch auf neutraler Ebene: Die Erfahrung und das Wissen beider Seiten helfen beim Erreichen der Ziele. Zudem sollen durch das Programm in Unternehmen Vorbehalte abgebaut werden. Besonders wichtig für Arbeitssuchende: Mit ihrem Mentor stehen sie in einer Beziehung auf Augenhöhe. Der Mentor sei ein „zuverlässiger Sparringpartner, der Stärken fördert, Fähigkeiten herausarbeitet und motiviert“.

Einen derartigen Trainer können Menschen mit Behinderung, die sich beruflich neu orientieren wollen oder müssen, gut gebrauchen. Zwar entwickelt sich der Arbeitsmarkt für sie seit sechs Jahren konstant positiv, die Zahl der Arbeitslosen mit Behinderung ist auf ein Rekordtief gesunken – dennoch suchen Arbeitslose mit Behinderung nach wie vor im Schnitt 366 Tage nach einer neuen Anstellung. Auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen liegt mit 44,4 Prozent deutlich höher als bei Menschen ohne Behinderung (35,6 Prozent). Entsprechende Zahlen nennt das vom Handelsblatt Research Institute erarbeitete Inklusionsbarometer der Aktion Mensch (siehe auch: Inklusionsbarometer 2018: Zahl der Arbeitslosen mit Behinderung sinkt weiter).

Ein individuelles Bewerbungstraining kann Querschnittgelähmten auf Jobsuche helfen. Für viele von ihnen jedoch steht – gerade nach einer durch einen Unfall verursachten Querschnittlähmung – vor der Bewerbung zunächst die Neuorientierung. Manche tun dies nicht freiwillig: Sie können bedingt durch ihre Querschnittlähmung nicht mehr in ihren alten Beruf oder ihre alte Firma zurück. Manche hingegen begreifen den Einschnitt in ihr Leben auch als Chance und nutzen mitunter bereits die Zeit der Anschluss-Reha, um neue Fähigkeiten bei sich zu entdecken und sich beruflich neu zu orientieren, beziehungsweise sich weiter- und fortzubilden.

Immerhin gilt für Querschnittgelähmte neben der medizinischen Rehabilitation der Weg zurück in ein geregeltes Berufsleben als wesentliches Element einer gelungenen Rückkehr in die Normalität unter veränderten Bedingungen.

Nähere Informationen zu den Themen Umschulung, Aus- und Weiterbildung und berufliche Chancen:

Zum Thema Mentoring/Counseling:

Zum eAbility-Programm der Stiftung MyHandicap (externer Link):

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