Dem Winterblues entkommen: Fünf Strategien für Rollstuhlfahrer

Nach dem Jahreswechsel, stehen den Menschen in Mitteleuropa ein paar düstere Wochen bevor. Aber man kann der schlechten Stimmung in der kalten Jahreszeit, dem sog. Winterblues, ein Schnippchen schlagen.

Der Winter schlägt vielen Menschen aufs Gemüt und man spricht davon deprimiert zu sein. Um eine klassische Depression handelt es sich beim Winterblues allerdings nicht. Während ersteres eher mit Appetitmangel, Gewichtsverlust und Schlafstörungen einhergeht, führt letzteres zu vermehrtem Appetit und einem erhöhten Schlafbedürfnis. Und: Während Depressionen von einem Arzt behandelt werden müssen, kann man sich im Fall des Winterblues gerne mal selber helfen.

Fünf Strategien gegen den Winterblues

1.Aktiv werden

Wenn es kalt ist, verkriecht man sich gerne mal hinterm Ofen, vor allem, wenn man querschnittgelähmt ist und unterhalb der Lähmungshöhe von einer Temperaturregulationsstörung (siehe: Temperaturdysregulation) betroffen ist. Trotzdem ist eine der ersten und wichtigsten Strategien gegen den Winterblues Bewegung an der frischen Luft. Und zwar bei Tageslicht. Dies können auch Berufstätige schaffen, indem sie in der Mittagspause eine Runde um den Block drehen und am Wochenende eine kleine Mono Ski oder Handbike-Tour machen.

Eine andere Möglichkeit des Aktivwerdens, ist viel mit Familie und Freunden zu unternehmen. Sich für einen Winterschlaf aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzuziehen, kann eine verlockende Idee sein. Tatsächlich führt diese selbstauferlegte Isolation aber eher zu einer trüben Stimmung und einem Gefühl der Niedergeschlagenheit und verschlimmert damit die Symptome des Winterblues. Deshalb gilt: Viel ausgehen oder Menschen zu sich nach Hause einladen, zu einem Kaffeeklatsch, gemeinsamem Essen oder einem Spieleabend.

2. Licht tanken

Tageslichtlampen sind bildschirmgroße Medizinprodukte, die den Nutzer mit einer Extraportion Tageslicht versorgen können. Verwendet werden sollten sie am besten gleich nach dem Aufstehen, um dem Körper die Botschaft zu vermitteln, dass man wach ist. Dies sorgt für eine vermehrte Serotoninausschüttung, dem „Hallo wach-„ und „Gute Laune“ Hormon und bildet damit einen Gegenpol zu Melatonin, dem Schlafhormone, das müde und schläfrig macht.

Zur Unterstützung einer Psychotherapie wird die Lichttherapie schon seit längerem eingesetzt. Seit wenigen Jahren sind Tageslichtlampen von verschiedenen Herstellern auch für den Hausgebrauch erhältlich. Wichtig ist, dass die Geräte eine Lichtstärke von 10.000 Lux haben, da nur so eine Simulation von natürlichem Tageslicht erreicht werden kann.

3. Auf Pflanzenkraft setzten

Hilfe kann auch aus der Apotheke Gottes kommen. Der Superstar unter den pflanzlichen Stimmungsaufhellern ist das Johanniskraut. Schon der schweizerische Arzt Paracelsus beschrieb seine positive Wirkung bei der Behandlung von Depressionen und Studien aus den vergangenen 40 Jahren bestätigen sie wissenschaftlich.  Siehe: Pflanzenkraft und Co: Vier Phytopharmaka-Gruppen und eine Therapiemethode, die man bei psychischen Problemen kennen sollte.

Für eine optimale Wirkung von Johanniskrautprodukten sollte man mit der Einnahme aber frühzeitig beginnen und nicht, wenn einen der Winterblues bereits erwischt hat.

Ebenfalls rein pflanzlich, aber eher in der Esoterikerecke angesiedelt, ist die Bach-Blütentherapie. Bach-Blüten sollen auf die Psyche von Menschen (und Tieren) wirken ohne dabei die unerwünschten Nebenwirkungen von chemischen Psychopharmaka zu haben. Sie sollen dabei helfen, negative Gemütszustände – Angst, Mutlosigkeit, Verbitterung, Wut, etc. – zu überwinden. Ein Wirkstoff – d. h. was es nun ist, das diese Überwindung ermöglicht – lässt sich in den Essenzen jedoch nicht bestimmen. Während Kritiker von einem reinen Placebo-Effekt ausgehen, vermuten Verfechter der Bach-Blütentherapie, dass sie wie die Behandlung mit homöopathischen Hochpotenzen auf physikalische Weise wirkt. Star of Bethlehem und Honeysuckle gelten als Seelentröster und Gorse hilft bei der Überwindung von Zuständen der Hoffnungslosigkeit. Für ausführliche Informationen über die Bachblüten-Therapie siehe: Zur inneren Harmonie mit der Bach-Blütentherapie  sowie Erste Hilfe für die Seele mit Bach-Blüten Notfalltropfen.

4. Aromatherapie

Die Aromatherapie ist aus der Möglichkeiten der alternativen Therapieformen nicht wegzudenken und kann erstaunliche Erfolge verbuchen, selbst wenn nur der viel bemühte Placebo-Effekt am Werk sein sollte. Verschiedene Düfte können z. B. die Produktion von Neurotransmittern wie Endorphinen (analgetisch), Encephalinen (stimmungsaufhellend), Serotonin (dämmt die Schmerzübertragung), Noradrenalin und Prostaglandinen (beeinflusst Entzündungsprozesse im Körper) anregen. Für entsprechende Essenzen und ihre Anwendung siehe: Aromatherapie bei Querschnittlähmung und Aromatherapie und Aufgüsse in der Sauna.

5. Die drei S: Singen, Sauna, Soulfood

Musizieren und vor allem Singen ist gut für die Stimmung, denn beim Singen steigen Botenstoffe und Hormone wie Serotonin, Noradrenalin und der Beta-Endorphine, die in eine glückliche und gehobene Stimmung versetzen und gleichzeitig Angst und Schmerz reduzieren können. Für mehr Informationen siehe: Singen: Quelle der Kraft für Körper und Geist und Musiktherapie – Der Klang des Unausprechlichen.

Im Winter kann für Rückenmarksverletzte, die von einer Temperaturregulationsstörung betroffen sind, ein Aufenthalt in einer Sauna oder Infrarotkabine eine wahre Wohltat sein und damit die Stimmung erheblich aufhellen. Die abwechselnden Wärme- und Abkühlreize, denen der Körper beim Saunabaden ausgesetzt ist, können Körper und Geist entspannen, die Haut pflegen, das Immunsystem unterstützen, das Herz-Kreislaufsystem trainieren und die Durchblutung der Haut und der Schleimhäute der Atemwege verbessern. Für mehr Informationen siehe: Mit Querschnittlähmung in Sauna, Dampfbad und Co.

Als Soul Food bezeichnet man eigentlich Gerichte aus der Traditionsküche der Südstaaten der USA, die sich durch ihre Bodenständigkeit und einzigartige Gewürzpalette auszeichnet. Andernorts setzt sich aber mehr und mehr eine andere Bedeutung durch: Soul Food ist Essen, das glücklich macht, und damit hervorragend geeignet ist, dem Winterblues die Stirn zu bieten. Gemeint sind einfache, nahrhafte Speisen, die Erinnerungen an die Kindheit wecken und dabei Leib und Seele wärmen. Makkaroni mit Käse, der Sonntagsbraten mit Sauce und Kartoffelpüree, Linseneintopf mit Würstchen oder ganz einfach Apfelkuchen gehören für manche zu solchen Seelenschmeichlern.

Leider sind all diese Gerichte sehr gehaltvoll und können schwer im Magen liegen. Deshalb sind sie nicht für jeden einzelnen der kalten trüben Winter geeignet, wenn man nicht gerade den ganzen Mittag mit Schneeschippen oder Holzhaken verbracht hat. Und auch dann nicht, wenn die Querschnittlähmung einen verringerten Grundumsatz und/oder ein empfindliches Verdauungssystem mit sich bringt. Für alle, die trotzdem einer kulinarischen Aufheiterung bedürfen, hat das Beratungszentrum für Ernährung und Verdauung Querschnittgelähmter ein paar Soul Food Rezepte herausgesucht, die ebenso tröstend und lecker sind und mit ihren Ballaststoffen auch dem Verdauungstrakt gefallen.

 

 

 

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