Die stecken die Kälte weg: Sechs Punkte, die Querschnittgelähmte über Schlupfsäcke wissen sollten

Beim Ausflug in der Winterkälte müssen Querschnittgelähmte sich besonders sorgfältig einpacken, um Erfrierungen an Beinen und Armen zu vermeiden. Kuschelwarme Schlupfsäcke sind oft die Kleidung der Wahl. Es gibt sie in vielen Varianten – aus dem Reha-Bedarf, aber auch vom Outdoor-Ausstatter für Jäger und Eisangler.

Es gilt, wegen der fehlenden Sensibilität vor allem die Körperregionen unterhalb des Lähmungsniveaus (siehe: Temperaturdysregulation) ausreichend vor Kälte und den daraus möglicherweise resultierenden thermischen Schäden – sprich: Erfrierungen – zu schützen. Gut eingepackt können Paraplegiker und Tetraplegiker so auch längere Aufenthalte bei winterlichen Temperaturen genießen.

Klassische Schlupfsäcke sind an die Bedürfnisse von Menschen im Rollstuhl angepasst. Im Hilfsmittelverzeichnisses des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen nach § 139 SGB V vom 13.11.2018 sind sie in der Produktgruppe 18 „Kranken-/ Behindertenfahrzeuge“ aufgeführt (HiMi 18.99.99.0910). Bei Kleinkindern bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres stellen sie nach Auffassung des Verbandes Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens dar und fallen daher nicht in die Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung. Ausnahme: Benötigen diese Kinder eine Sitzschale, können speziell angepasste Schlupfsäcke erforderlich sein, für die die gesetzlichen Krankenkassen einen Zuschuss zahlen.

Auch bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Rollstuhl übernehmen Schlupfsäcke die Funktion von (Winter-)Kleidung, die Leistungspflicht der
Krankenkassen ist deshalb auch hier auf den behinderungsbedingten Mehraufwand beschränkt, der bei der Anschaffung entstehen kann. Anstelle einer vollen
Kostenübernahme ist daher nur mit einem Zuschuss für den behinderungsbedingten Mehraufwand zu rechnen.

Die Krankenkassen gehen davon aus, dass ein querschnittgelähmter Erwachsener einen Schlupfsack fünf Jahre nutzen kann – bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum kann auch in kürzeren Intervallen ein Zuschuss beantragt werden. Auch für querschnittgelähmte Erwachsene gilt: Soll der Schlupfsack mit individuell angepassten Sitzeinheiten wie z. B. Sitzschalen genutzt werden, wird die Zuschusshöhe im individuellen Einzelfall geprüft, „da diese Schlupfsäcke ebenfalls individuell gefertigt werden und die Kosten des üblich gezahlten Zuschusses zum Teil erheblich überschreiten.“

Schlupfsäcke für Querschnittgelähmte: Diese Details sind wichtig

Cozybag von Bergstop

1. Verschluss
Der Schlupfsack sollte sich vollständig öffnen lassen, um Transfer/Ein- und Ausstieg möglichst unproblematisch zu ermöglichen. Im Handel finden sich unterschiedliche Verschlusslösungen: Bei einigen Angeboten sitzt der Reißverschluss in der Mitte, der Schlupfsack wird wie Fensterläden nach rechts und links aufgeschlagen. Am häufigsten jedoch finden sich die U- und die L-Öffnung: Entweder der Reißverschluss beginnt an einer Seite des Fußendes, verläuft von dort quer zur nächsten Ecke und wird von dort aus an der Seite endgültig geschlossen. Oder der Reißverschluss ist wie ein U an den Seiten und am Fußteil platziert, so dass das komplette Vorderteil abzunehmen ist. Die Wahl des Verschluss-Systems sollte auf die individuellen Vorlieben und Mobilitätsfähigkeiten, beziehungsweise die Betreuungsumstände (Will ich möglichst allein den Transfer in den Schlupfsack schaffen? Steht mir ein Assistent zur Seite?) abgestimmt sein und auch die Handmotorik berücksichtigen.

2. Befestigung an der Rückenlehne

Neben dem einfachen Ein- und Ausstieg ein weiteres Must. Das wärmende Rückenteil sollte fest mit der Lehne verbunden sein, auch, um Faltenwurf und Herunterrutschen zu vermeiden. Klassische Rollstuhl-Schlupfsäcke sind ausgestattet mit Schlaufen, die über die Handgriffe des Rollstuhls gezogen werden können. Zusätzlichen Halt können Klettverschlüsse oder-gurte geben.

3. Größe

Schlupfsäcke gibt es in allen Varianten – angefangen vom Sack, der nur Füße und Waden schützt, über die Kniedecke und den klassischen Schlupfsack, der den Rumpf bis zu den Achseln umhüllt bis hin zum Ganzkörper-Schlupfsack (siehe auch Titelbild). Bei der Suche nach dem geeigneten Schlupfsack, der zu einem selbst (und zu seinem Geldbeutel) passt, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Schlupfsack von Pellis Medica

Das Titelmodell z. B. stammt von einem Anbieter, der hauptsächlich Hüttenschlafsäcke und Schlafsäcke für Outdoor-Fans im Portfolio hat. Ihn gibt es für unterschiedliche Temperaturbereiche sowie unterschiedliche Verwendungszwecke – laut Eigenwerbung auch für Ornithologen, Tierfotografen, Jäger und Eisfischer.

Tipp der Redaktion: Bevor man sich für einen Schlupfsack entscheidet, im Internet auch auf Seiten für Fischer und Jäger (Stichwort: „Ansitzsack“) stöbern. Hier finden sich (Ganzkörper-)modelle mit Ärmeln, oft mit Extras wie einknöpfbaren Kapuzen. Gemacht für Menschen, die ganze Nächte reglos in der Kälte sitzen…

Im Reha-/Sanitäts-Spezialhandel werden zudem  Kombinationen aus Fußsack und Cape mit Ärmel angeboten, die für die Bedürfnisse von Rollstuhlfahren entwickelt wurden. Vorteil: das Oberteil kann ausgezogen werden, die Beine bleiben im Warmen.

4. Obermaterial

Kurz zusammengefasst: Winddicht. Wasserdicht. Waschbar. Und in einer Farbe, die einem selbst gefällt. Wer definitiv nur bei Kaiserwetter aus dem Haus geht, findet auch Modelle, die in erster Linie warmhalten, aber nicht unbedingt trocken. Tipp der Redaktion: Nachfragen lohnt sich – gerade was die Optik anbelangt. Hersteller wie z. B. Pellis medica, die Schlupfsäcke nach Maß fertigen, gehen häufig auf Kundenwünsche ein und bieten – soweit möglich ohne Aufpreis – Spielraum bei der Optik von ganz dezent bis zum pinken Streifen an der rechten Seite. Sanitätshäuser können entsprechende Adressen nennen.

5. Innenmaterial

Die Klassiker:

  • Lammfell/Schaffell: Hoher Warmhaltefaktor. Zudem wird Fell eine wärmeregulierende Eigenschaft zugeschrieben.
  • Webpelz: Ein mit Samt und Plüsch verwandtes Pelzimitat mit hohem Flor. Kostengünstiger als echtes Fell. Gut waschbar.
  • Polar- oder Thermofleece: Leichte und dennoch wärmende Variante. Problemlos waschbar.

6. Nützliches Zusatzequipment

Schlupfsäcke lassen sich sinnvoll aufpimpen. Hier ein paar Ideen:

  • Aufgenähte Außentaschen (evtl. mit Klettverschluss), damit Alltagskram wie Papiertaschentücher, Türöffner und Geldbeutel griffbereit bleiben.
  • Reflektorstreifen, damit man auch in der Dämmerung und nachts gut gesehen wird.
  • Farblich passender Handmuff, in den man die Finger bequem und ohne viel Gefummel vor der Kälte schützen kann.
  • Einige Ganzkörper-Schlupfsäcke mit Ärmeln bieten spezielle Ärmellösungen, damit die Hände rasch die schützenden Ärmel verlassen und genauso schnell wieder zurück ins Warme können.

Weitere Tipps und Strategien, um sich vor der Kälte und ihren Folgen zu schützen, geben folgende Beiträge:

Fünf Dinge, die Querschnittgelähmte im Winter beachten sollten

Heiße Tipps für kalte Tage

Heizbare Kleidung für kalte Wintertage

Wärmende Ernährungsstrategien nach der Traditionell Chinesischen Medizin

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