Hochzeit im Rollstuhl: Tipps für Rolli-Deko, Fotos und das Brautkleid

„Ja! Ich will!“ Die Redaktion hat Anregungen, Ideen und Web-Adressen gesammelt, von denen sich vor allem künftige Bräute, aber auch heiratswillige Männer mit Querschnittlähmung inspirieren lassen können: vom Rollstuhl-Schmuck über Tipps fürs rollstuhltaugliche Brautkleid bis zur Torten-Deko.

Zunächst zur Frage des richtigen Zeitpunkts, um vor den Altar oder Standesbeamten zu rollen: Den gibt es nicht. Zwar gilt der Wonnemonat Mai als der ultimative Hochzeitsmonat. Doch die Statistik zeigt mit Blick auf die Gesamtbevölkerung: In den letzten Jahren wurden die meisten Ehen in Deutschland im Sommer geschlossen. Und selbst der Dezember ist bei Heiratswilligen äußerst beliebt (schöne Grüße ans Finanzamt!). Anders ausgedrückt: Im Grunde ist jeder Monat der perfekte Moment, um sich das Ja-Wort zu geben. Man muss sich nur passend und witterungsgerecht aufhübschen.

Für Rollstuhlbenutzerinnen ist es dabei nicht immer leicht, sich beim Bummel durch die Stadt oder durchs Internet den Traum aus Spitze und Seide in Kombination mit ihrem „Hauptaccessoire“, dem Rollstuhl, vorzustellen. Denn nur selten sind Rollstuhlbenutzer in der Modewelt sichtbar, fast nie sitzen dementsprechend in Brautmoden-Geschäften die Schaufensterpuppen.

Wie außergewöhnlich die Präsentation eines Kleides im Rollstuhl ist, zeigen die euphorischen Reaktionen auf eine Aktion eines britischen Brautmoden-Ladens: Die Inhaberin setzte eine ihrer Puppen in einen Rollstuhl, die Künstlerin Beth Wilson – selbst Rollstuhlbenutzerin – entdeckte das Arrangement und twitterte ein Foto mit dem Hinweis, dass die Kombination aus Brautkleid/Rollstuhl/sitzender Puppe eigentlich ja nichts wirklich Aufregendes sein sollte, sie aber noch nie etwas derartiges gesehen habe. Der Post ging viral, weit über die Grenzen Großbritanniens hinaus.

Rollstuhl: Schmücken, verstecken, einfach nutzen?

Eine Rollstuhlnutzerin antwortete, dass es ihr bei ihrer Hochzeit besonders wichtig war, Chimmy Choos zu tragen. Anderen gefiel es besonders gut, dass der Rollstuhl selbst liebevoll mit grünen Ranken geschmückt war. Das Gerät, das zu viel Mobilität verhilft, kann eben doch auch ein Accessoire sein und muss nicht versteckt werden.

Wobei sich beim Thema Rollstuhlschmuck die Geister scheiden. Bloggerin und Rollstuhlfahrerin Adina hat sich ganz klar dagegen entschieden, ihren Rollstuhl zu schmücken. Schließlich sollte am Tag der Hochzeit ja sie selbst alle Blicke auf sich ziehen und nicht ihr Rollstuhl. Aber verstecken wollte sie das wichtige Hilfsmittel auch nicht.

Gerade im angelsächsischen Bereich scheinen das viele anders zu sehen: Dort rollen gerade Bräute offenbar gerne im dekorierten Rollstuhl zur Trauung. Wer Inspirationen sucht oder Spaß am „Oh no! Das ist nichts für mich!“ hat: Einfach in die Suchmaschine die Begriffe wedding wheelchair decoration oder auch wheelchair cover wedding eingeben. Sofort erscheint eine Fülle an Fotos vom Brautbouquet aus Sonnenblumen, das an der Rückenlehne befestigt wurde, über eine maßgefertigte Schleierhusse, die den gesamten Rollstuhl in eine weiße Spitzenwolke hüllt, mit Blumen bemalten Speichenschutz-Scheiben bis hin zum klassischen „Just Married“-Schriftzug auf der Rücklehne. Scheppernde Blechbüchsen inklusive.

Fast automatisch stößt man bei dieser Suche übrigens auch auf diverse bezaubernde Hochzeitsfotos, auf denen sich Paare samt Rollstuhl frech, romantisch, klassisch, hip und einfach individuell passend präsentieren. Ein Tummelplatz für tolle Ideen fürs eigene Hochzeitsbild. Beispiele für Bildersammlungen: Beautyful Wheelchair Weddings, in der Google-Bildersuche unter den Stichworten wheelchair wedding, auf Off-beat-bride in der Sammlung wheelchairs.

Vorne hui! Das Brautkleid für Rollstuhlnutzerinnen

Jetzt kommt endlich die Braut an die Reihe. Und die will atemberaubend aussehen. Gleichgültig, ob es der Traum in Weiß wird oder ein anderes elegantes Outfit, einige Punkte gilt es zu beachten. Die Bloggerin „Das Rollifräulein“ rät Menschen im Rollstuhl zum Beispiel, die vertikalen Linien zu betonen. Akzentgeber können Ziernähte sein, vielleicht ein in sich gemusterter Stoff oder auch Knopfleisten. Auch der Ausschnitt spielt laut ihr eine Rolle. Sie bevorzugt den V-Ausschnitt. Denn der gebe viel vom Hals frei, sorge für eine optische Streckung und lenke den Blick eher auf das Gesicht. Perfekt also auch für Bräute im Rollstuhl.

Wohingegen ein zu tiefer Rückenausschnitt nur bei denen entzückt, deren Rückenlehne nicht zu hoch ist. Vorne betonen, hinten möglichst sparsam, das macht Sinn. Auch Brautkleider, die mit Schleifen oder Ähnlichem vor allem die Hinterpartie der Trägerin betonen, scheiden wegen schlechter Sitzeigenschaften aus. Und auch üppige, fluffige Röcke haben – neben der zu befürchtenden Faltenbildung um den Po herum – ihre Tücken: Nicht jeder Braut dürfte es gefallen, optisch in einer Wolke aus Zuckerwatte zu versinken. Außerdem soll sich das gute Kleid – und im Übrigen auch nicht der Schleier – ja nicht in den Rädern verheddern.

Aus praktischen Gründen wird zudem in manchen Foren dazu geraten, sich ein zweiteiliges Hochzeitskleid zuzulegen. Der Blog „Off-beat-bride“ rät im Übrigen in dem Beitrag „How to find a wheelchair-friendly wedding dress“ dazu, das Kleid gleich maßschneidern zu lassen, im konkreten Fall mit seitlichen Rüschen.

Apropos zuckersüß: Auch auf der Suche nach der passenden Krönung für die Hochzeitstorte lohnt sich ein Blick in den angelsächsischen Raum: In der Google-Bildersuche findet sich unter den Stichworten wheelchair wedding topper etliche Vorschläge – vom Scherenschnitt über Drahtfigürchen bis hin zu kleinen Püppchen.

 

 

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