Argumentationshilfe für die Verordnung von Rehabilitationssport

Ziel der medizinischen Rehabilitation bei Querschnittlähmung ist es, wieder schnell fit für den Alltag zu werden. Der Rehabilitationssport sollte dabei lebenslang betrieben werden. Doch wie schaut es mit der Verordnungsfähigkeit aus? Eine Broschüre gibt Antworten.

 

Der Rehabilitationssport nach Eintritt einer Querschnittlähmung soll frischverletzten Rollstuhlfahrern helfen, die im Sitzen stärker genutzten Muskeln aufzubauen und den Umgang mit dem Rollstuhl zu lernen. Die Übungen sollen vor allem die psychische und physische Leistungsfähigkeit stärken, zu der z. B. Ausdauer, Koordination, Flexibilität und Kraft gehören. Dies kann durch Gymnastik, Leichtathletik, Schwimmen oder Bewegungsspiele in der Gruppe erfolgen. Über die Bedeutung der Sporttherapie informiert der Beitrag Sporttherapie in der Rehabilitation von Querschnittgelähmten.

Die genannten Ziele müssen aber auch langfristig angestrebt werden, was bedeutet, dass der Rehabilitationssport für Querschnittgelähmte eine lebenslange Aufgabe ist und vom Leistungssport abgegrenzt betrachtet werden muss.

In verschiedenen Publikationen haben Autoren des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes e. V. (DRS) Überlegungen zur Argumentation für die Verordnung – und damit die Kostenübernahme durch die Leistungsträger – von Rehabilitationssport angestellt. Dabei wird folgendes genannt:

  • Regelmäßige sportliche Betätigung ist dauerhaft notwendig, da verlorengegangene Mobilität ständig ausgeglichen werden muss, da z. B.
    • Fehlende Kreislaufstabilität / fehlendes Kreislauftraining Folgeerkrankungen wahrscheinlicher machen als beim nichtbehinderten Menschen,
    • Fehlende Beweglichkeit und damit fehlende Gewebedurchblutung die Dekubitusgefahr erhöhen können,
    • Körperliche Beanspruchung die Spastik reduzieren kann,
    • Zahlreiche, für querschnittgelähmte Menschen typische Schmerzzustände kaum durch Medikamente, wohl aber durch ablenkende und fordernde körperliche Aktivität beeinflussbar sind.
  • Diese notwendige regelmäßige sportliche Betätigung muss in Form des Rehabilitationssports, d. h. in Gruppen, unter Anleitung und ständiger Anwesenheit von speziell im Bereich Rehabilitation geschulten Übungsleitern sowie nach ärztlicher Indikationsstellung und unter ärztlicher Betreuung erfolgen, da z. B.
    • Nahezu alle Sportarten für die Ausübung durch querschnittgelähmte Menschen umgestaltet, modifiziert trainiert und behinderungsspezifisch überwacht werden müssen,
    • Eine völlig anders gelagerte Verletzungsgefahr besteht und die Vermeidung von Fehlbelastungen individuell und behinderungsspezifisch trainiert werden muss,
    • Die Kreislaufreaktionen auf körperliche Belastung (besonders bei hohen Querschnittlähmungen) sich völlig von denen nichtbehinderter (Löhlein, 2011).

Die DRS-Infobroschüre mit Argumentationshilfen zu Verordnung des Reha-Sports ist zwar schon etwas älter, kann Betroffenen und ihren behandelnden Ärzten aber wertvolle Informationen darüber geben, wie man den Kostenträgern gegenüber eine korrekte Verordnung des Rehabilitationssports durchführt.

Besprochen werden auf 10 Seiten die Ziele des Rehabilitationssports, die Erstverordnung für 120 Übungseinheiten in 36 Monaten, Ergänzungen zur Erstverordnung und die erneute Verordnung nach Beendigung der 120 Übungseinheiten. Auch die Verordnungsfrage zu notwendigen Hilfsmitteln wird nachgegangen.

Die Broschüre steht hier zum kostenfreien Download bereit.

 

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.