Schulische Inklusion: Studie zeigt Zustimmung der Bevölkerung

Wann und wo sollten Kinder mit und ohne Beeinträchtigung interagieren? In der Schule? In der Freizeit? Ist ein Miteinander überhaupt erwünscht? Diesen Fragen geht eine Studie im Auftrag u. a. der Aktion Mensch nach.

Menschen mit und ohne Behinderung sollten in unserer Gesellschaft gleichberechtigt zusammenleben. Dieser Ansicht sind 85 Prozent der Bundesbürger. 94 Prozent sagen, dass Kinder mit und ohne Beeinträchtigung in ihrer Freizeit die Möglichkeit haben sollten, gemeinsam aufzuwachsen. Das ergab eine repräsentative Umfrage, die das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag der Aktion Mensch und der ZEIT durchgeführt hat und deren Ergebnisse in einer Mitteilung (Datum: März 2019) dargestellt werden.

Während 10 Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) in Deutschland eine große Zustimmung zu Inklusion herrscht, zeigt sich die Gesamtbevölkerung bei der Frage, ob Kinder gemeinsam unterrichtet werden sollten, zurückhaltender: 66 Prozent sprechen sich für inklusiven Unterricht aus. Eltern, deren Kinder eine Inklusionsschule besuchen, beurteilen schulische Inklusion deutlich positiver als die Gesamtbevölkerung (78 Prozent). Eltern mit Inklusionserfahrung sind also häufiger der Auffassung, dass Kinder mit und ohne Beeinträchtigung in der Schule gemeinsam unterrichtet werden sollten.

Die Auswirkungen schulischer Inklusion auf die Sozialkompetenzen der Schülerinnen und Schüler schätzen die Bundesbürger sehr positiv ein: Mehr als drei Viertel der Befragten sind von positiven Effekten überzeugt. Sie geben an, ein inklusives Schulsystem führe zu mehr Toleranz, einem besseren Miteinander sowie zu höherer Engagement-Bereitschaft und wirke sich positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung aus. Kritischer wird der inklusive Unterricht jedoch dann beurteilt, wenn es um Fragen der Leistungsförderung geht: Rund die Hälfte (52 Prozent) der Befragten glaubt, dass besonders leistungsstarke Kinder im fachlichen Lernen gebremst werden.

Das Urteil über die Umsetzung schulischer Inklusion fällt ebenfalls kritisch aus. 68 Prozent der Bundesbürger glauben, dass es an den Schulen nicht genügend Lehrerinnen und Lehrer für die Gestaltung inklusiven Unterrichts gibt – bei den Eltern mit Inklusionserfahrung sagen das sogar 82 Prozent. 63 Prozent der Gesamtbevölkerung meinen, dass die Klassen für inklusiven Unterricht zu groß sind. Und 57 Prozent der Befragten finden, dass die Lehrkräfte nicht ausreichend für die Herausforderungen schulischer Inklusion ausgebildet sind.

„Die Studie zeigt erfreulicherweise, dass es in der Bevölkerung eine breite Zustimmung dazu gibt, dass Kinder mit und ohne Beeinträchtigung in ihrer Freizeit gemeinsam aufwachsen. Im schulischen Bereich wird Inklusion allerdings kritischer gesehen: Vor allem bei der konkreten Umsetzung gibt es noch großen Nachholbedarf – und das 10 Jahre nach Inkrafttreten der UN-BRK“, so Christina Marx, Leiterin der Aufklärung bei der Aktion Mensch.

Was den weiteren Ausbildungsverlauf angeht, zeigt die Studie auf Basis von Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS), dass trotz schwieriger Rahmenbedingungen der Übergang in ein Studium oder eine Ausbildung bei Schülerinnen und Schülern aus Inklusionsschulen bei fast allen Schulformen genauso gut gelingt wie bei denjenigen aus nicht inklusiven Schulen. Dies deckt sich mit dem Urteil der inklusionserfahrenen Eltern: Knapp drei Viertel sagen, dass ein inklusives Schulsystem gut auf das Berufsleben vorbereitet.

Die Studie „Schulische Inklusion“

Aus Anlass des 10. Jahrestages des Inkrafttretens der UN-BRK am 26. März 2019 in Deutschland hat die Aktion Mensch gemeinsam mit der Wochenzeitung DIE ZEIT und dem infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft eine Studie zum Thema „Schulische Inklusion“ durchgeführt. Sie setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Zum einen hat infas im Feburar 2019 eine bevölkerungsrepräsentative Stichprobe von rund 1.500 Erwachsenen nach ihren Einstellungen zu gesellschaftlicher und schulischer Inklusion und deren Folgen befragt. In der Stichprobe waren Eltern überproportional vertreten, darunter auch Eltern schulpflichtiger Kinder mit und ohne Inklusionserfahrung.

Zum anderen wurden für die Studie bestehende Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) ausgewertet. Für die NEPS-Studie wurden von 2009 bis 2016 unter anderem insgesamt 11.755 Schülerinnen und Schüler mehrfach befragt.

Zur Langfassung der Studie geht es hier: Studie zu schulischer Inklusion

 

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