Medikamente zur Behandlung der erektilen Dysfunktion bei Querschnittlähmung

Die erektile Dysfunktion ist eine häufige Folge einer Rückenmarksverletzung und kann einen erheblichen Einfluss auf das Sexualleben Betroffener haben. Eine oral-medikamentöse Behandlung kann eine Lösung sein.

Wie im Beitrag Erektionsstörungen bei Querschnittlähmung beschrieben, gibt es verschiedene Möglichkeiten wie der erektilen Dysfunktion als Folge einer Rückenmarksverletzung begegnet werden kann. Neben operativen Verfahren (z. B. dem Einsatz eines Schwellkörperimplantats) und mechanischen Hilfen (z. B. Penisringe, Verwendung einer Penispumpe) gibt es die medikamentöse Therapie. Diese kann entweder oral oder per Injektion (als SKAT-Therapie) erfolgen. Zusätzlich wird eine Gleidsteifigkeit steigernde Creme zur lokalen Anwendung am Penis sowie ein über die Harnröhre zu verabreichendes System angeboten (jeweils Wirkstoff Alprostadil), die in Einzelfällen bei geringer Einschränkung hilfreich sein können.

Im Folgenden geht es um oral verwendete Präparate.

Medikament zur oralen Einnahme bei Erektionsstörungen

Bei der oralen medikamentösen Therapie werden heute bevorzugt Medikamente aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer (Phosphodiesterase-5-Hemmer) verwendet, deren Wirkung in Verbindung mit sexueller Stimulation einsetzt (Kämpfer, 2012) und deren Ergebnis bei Anwendung bis zu 80% als zufriedenstellend beschrieben wird (Märk/ et al., 2012), d. h. es wird eine Erektion erreicht, die stark genug ist und lange genug anhält, um den Geschlechtsverkehr auszuüben.

Sie verbessern die Durchblutung des Penis und verhindern einen vorzeitigen Abbau der Erektion, indem die Entspannung und Öffnung der Gefäßmuskulatur der Penisschwellköper verbessert wird. Normalerweise ist dazu das zyklische Guanin-Monophospat (cGMP) zuständig. Bei einer erektilen Dysfunktion ist dessen Gegenspieler, das Enzym Phosphodiesterase-5 (PDE-5) allerdings meist überaktiv. Die gezielte Gabe von PDE-5-Hemmern wiederum, kann dieses Enzym ausbremsen und so eine anhaltende Erektion ermöglichen (Niehaus/Zimmerman, 2019).

Darüber, welches Produkt für Betroffene am besten geeignet ist, lassen sich keine Pauschalaussagen machen und das Problem der erektilen Dysfunktion muss mit einem Arzt (Urologen) besprochen werden, der die Medikation für den individuellen Fall anpasst und verschreibt und den allgemeinen Gesundheitszustandes inkl. der Diagnose Querschnittlähmung des Patienten mit in Betracht zieht. Zu den PDE-5-Hemmern werden verschiedene Wirkstoffe gezählt, die auf einem gleichen Prinzip basieren, sich aber u. a. bei Einnahme, Wirkungsdauer und Nebenwirkungen unterscheiden. In Deutschland sind derzeit folgende Wirkstoffe bzw. Produkte erhältlich:

 

  • Avanafil (Spedra)

Wann setzt die Wirkung ein: nach ca. 30 Minuten (manche Quellen sprechen auch von 10 – 15 Minuten); Dauer bis zu 6 Stunden

Diese Nebenwirkungen kommen sehr häufig / häufig vor: keine sehr häufigen / Kopfschmerzen, Hautrötungen (Flush)

  • Sildenalfil(Viagra)

Wann setzt die Wirkung ein: nach ca. 60 Minuten; Dauer 4-6 Stunden

Diese Nebenwirkungen kommen sehr häufig / häufig vor: Kopfschmerzen, Hautrötungen (Flush) / Verdauungsbeschwerden, Sehstörungen, Schwindelgefühl

  • Tadalafil (Cialis)

Wann setzt die Wirkung ein: nach ca. 30 Minuten; Dauer bis zu 36 Stunden

Diese Nebenwirkungen kommen sehr häufig / häufig vor: Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen / Muskelschmerzen, Hautrötungen (Flush), Schwindelgefühl

  • Vardenafil (Levitra)

Wann setzt die Wirkung ein: nach ca. 30 – 60 Minuten; Dauer 4-6 Stunden

Diese Nebenwirkungen kommen sehr häufig / häufig vor: Hautrötungen (Flush), Kopfschmerzen / Verdauungsstörungen, Schwindelgefühl, Übelkeit

 

Was bei der Einnahme zu beachten ist

Bei allen genannten Potenzmitteln gilt, dass sie nur unter sexueller Erregung bzw. genitaler Stimulation ihre Wirkung entfalten. Sie dürfen nicht zusammen mit Alkohol konsumiert werden, da dies einerseits ihre Effektivität reduziert und andererseits die Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel und Kreislaufbeschwerden verstärken kann.

Der gleichzeitige Verzehr von fettreichen Speisen kann in manchen Fällen die Wirkung schwächen.

Bei Herz-Kreislaufbeschwerden muss im Vorfeld mit dem verschreibenden Arzt besprochen werden, ob überhaupt eine Einnahme möglich ist.

Keinesfalls dürfen PDE-5-Hemmer mit Nitropräparaten, mit denen man z.B. Blutdruckkrisen bei autonomer Dysregulation behandelt, kombiniert werden, weil dies zu einer lebensbedrohlichen Verschlechterung der Herzdurchblutung führen kann.

Keine Spontanität

Das von einigen Männern als belastend empfundenes Problem mit den oralen Medikamenten ist, dass spontaner Sex kaum möglich ist, da die meisten Präparate erst 30 – 60 Minuten nach Einnahme wirken. Für Paare, die ihr Liebesleben im Voraus planen können, ist dies eher zu bewältigen, als für Singles. Alleinstehende Männer können nicht sicher sein, ob bei einem Date die Möglichkeit einer bevorstehenden Intimität wirklich realistisch oder nur Wunschdenken ist. Hier ist ein schneller wirkendes Medikament vorzuziehen.

Maca, Ginko und Yohimbin – Die pflanzlichen Alternativen

Maca ist eine Kresseart aus den Hochanden, koranischer Gingseng ist eine Pflanze aus der Familie der Araliengewächse und Yohimbin die Rinde des in Afrika und Asien beheimateten Yohimbin-Baumes. Diese drei Kandidaten alle sollen über in Studien belegte potenzsteigernde Eigenschaften verfügen. Allerdings eigenen auch sie sich – weder für Männer mit noch ohne Querschnittlähmung – nicht zur Eigenmedikation. Wie bei allen Mitteln, die eine nachweislich physische Wirkung haben könnten, ist bei der Verwendung die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt unbedingt erforderlich. Für weitere Informationen siehe: Aphrodisiaka – Lustmacher aus der Natur

Weitere Informationen

Zu Informationen zu weiteren Behandlungsmöglichkeiten siehe: Erektionsstörungen bei Querschnittlähmung

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