Sexualität und Querschnittlähmung: Sieben Punkte, die man bei Inkontinenz beachten sollte

Menschen mit Querschnittlähmung können ein aktives Sexualleben führen, so wie alle anderen auch. Die Möglichkeit einer Inkontinenz kann dabei für Betroffene zunächst abschreckend wirken, doch es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, das Risiko eines unwillkürlichen Ausscheidens auf ein Minimum zu reduzieren.

Nach Eintritt einer Querschnittlähmung ist die Sexualfunktion wahrscheinlich eingeschränkt und der Körper reagiert nicht mehr so wie früher auf bestimmte Reize und Situationen (siehe: Sexualität bei Querschnittlähmung). Wenn auch noch eine Funktionsstörung von Blase und/oder Darm vorliegt (was bei Querschnittlähmung fast immer der Fall ist), müssen sich Betroffene und ihre Partner auf eine neue Situation einstellen, die vielleicht zunächst mit einer gewissen Scham betrachtet wird. Für die allermeisten Betroffenen gilt aber folgendes: Wenn erst einmal die Scheu vor dem Thema überwunden ist, gibt es keinen Grund dafür dass, wenn ein regelmäßiges Schema zur Darm- und Blasenentleerung verfolgt wird, sexuelle Aktivität dieses Schema durcheinanderbringen sollte (Ducharme/Gill, 2006). Folgende Punkte können bei der Auseinandersetzung mit dem Thema hilfreich sein:

  1. Mit dem Partner sprechen

Das wichtigste bei einer Sorge um eine eventuelle Inkontinenz während einer geplanten sexuellen Begegnung ist es, sich nicht davor zu scheuen mit dem Partner über diese potentielle Situation zu sprechen. Wenn der Partner darüber informiert ist, auf was der Körper des anderen evtl. reagiert und wie, kann er sich entsprechend verhalten und hat die Chance dem mit Verständnis zu begegnen. Wenn kein Informationsaustausch stattfindet ist das Risiko viel größer von einer unangenehmen Situation überrascht zu werden, was wiederrum Ängste verstärken kann.

Manche Betroffenen verweigern aus Angst vor Inkontinenz völlig die körperliche Nähe mit dem Partner, was diesen verletzen und verunsichern kann.

Wenn Paare über die Gründe für diese Ängste sprechen, werden sie schnell gemeinsam Lösungen finden, die für beide annehmbar sind und ein erfülltes Sexualleben ermöglichen. Bei Zweifeln kann immer der Rat eines Urologen oder Therapeuten gesucht werden.

Siehe auch: Über Sexualität sprechen – Eine Anleitung

  1. Blase evtl. auch Darm vor dem Sex entleeren

Es nimmt die Spontanität und vielleicht auch ein bisschen die Romantik aus der körperlichen Intimität, aber wer eine ungeplante Ausscheidung während des Liebeakts vermeiden möchte, sollte im Vorfeld Blase und evtl. auch den Darm entleeren.

Da die Blase je nach Trinkverhalten sich sehr schnell füllen kann, ist vor allem das Entleeren der Blase sinnvoll. Wenn allerdings ein geregeltes Abführschema vorhanden ist und regelmäßige Ausscheidungen stattfinden, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass sich die Verdauung ungeplant und plötzlich meldet. Für Eventualitäten können Analtampons verwendet werden (siehe unten).

  1. Harntreibende Getränke vermeiden

Bei einer Blasenentzündung soll man sie trinken: harntreibende Getränke. Hierzu gehören Kaffee, alkoholische Getränke (auch Bier) und alle Teesorten, die im Beitrag Tees bei Blasenproblemen genannt werden.

Wenn Getränke konsumiert werden, die dazu führen, dass Flüssigkeit aus dem Körper ausgeleitet wird, füllt sich die Blase schnell wieder und die Möglichkeit einer spontanen Ausscheidung während des Geschlechtsverkehrs ist größer. Wenn absehbar ist, dass eine sexuelle Begegnung bevorsteht, sollte man daher möglichst darauf verzichten.

  1. Stellungen bevorzugen, die den Druck auf die Blase und Darmausgang minimieren

Damit der Druck auf Blasen- und/oder Darmausgang so gering wie möglich ist, sollte das Paar entweder seitlich Stellungen bevorzugen oder der von der Inkontinenz betroffene Partner „oben“ sein. Wenn beide Partner querschnittgelähmt sind, sind sog. Liebesschaukeln eine denkbare Alternative.

Siehe auch: Sexualität bei Querschnittlähmung: Stellungswechsel

  1. Kondome und Analtampons verwenden

Wenn es ein Mann ist, der von der Inkontinenz betroffen ist, sollte dieser stets Kondome verwenden – unabhängig davon, ob die Partnerin bereits für die Empfängnisverhütung gesorgt hat. Kleine Mengen Urin können sie problemlos aufnehmen.

Wer trotz eines geregelten Darmmanagements oder trotz Abführen im Vorfeld Angst vor einem unkontrollierten Abgang von Kot hat, kann Analtampons verwenden. Diese werden in den Enddarm eingeführt und verschließen das Rektum. Analtampons gibt es in verschiedenen Größen und Formen (siehe: Analtampons bei neurogener Darmfunktionsstörung). Wer sehr aktiv beim Liebespiel ist, kann zusätzlich ein selbsthaftendes Pad über den Anus kleben.

  1. Matratzenschutz fürs Bett

Falls doch einmal etwas daneben gehen sollte, wäre es gut, wenn ein flüssigkeitsundurchlässiger Bettbezug vorhanden ist, der die Matratze vor Verunreinigungen schützt. Es gibt Produkte aus verschiedenen wasserfesten, waschbaren Materialien, die hierzu in Frage kommen, wobei Menschen mit Sensibilitätsstörungen glatte Stoffe mit minimalem Faltenwurf verwenden sollten.

7. Beckenbodentraining

Bei inkompletter Querschnittlähmung ist durchaus möglich, den Beckenboden durch gezieltes Training zu stärken und so Inkontinenz vermindern. Als Voraussetzung muss eine Restfunktion der Beckenbodenmuskulatur sowie eine minimale Sensibilität vorhanden sein, was nach der Klassifikation der American Spinal Injury Association (ASIA) mind. Grad C entspricht.

Beckenbodentraining kann man bei qualifizierten Physiotherapeuten mit Schwerpunkt Beckenboden oder speziell ausgebildeten Beckenbodentrainern machen. Bei der Suche hilft die Krankenkasse.

Siehe auch: Beckenbodentraining – auch bei inkompletter Querschnittlähmung

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