Üppig erweitert: Neuauflage Ratgeber „ABC Barrierefreies Bauen“

Die vierte Auflage des Ratgebers „ABC Barrierefreies Bauen“ wurde durch Informationen zur Norm Barrierefreies Bauen, der DIN-Norm 18040 (Teile 1 bis 3), aktualisiert. Klingt trocken – ist es aber nicht: Die Broschüre bietet auf über 125 Seiten praktische Tipps zum barrierefreien Planen, Bauen und Wohnen, ergänzt durch leicht verständliche Grafiken und Beispiele.

Dass barrierefreies Bauen und Umbauen nicht zwangsläufig zu unkalkulierbaren Mehrkosten führen muss, davon ist Gerwin Matysiak, Vorsitzender des Bundesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter e. V. (BSK) überzeugt. Im Vorwort schreibt er, dass es häufig an Fachwissen fehle, weshalb oft nachgebessert werden müsse, was wiederum zu unnützen Kosten führe. Aber „Barrierefreiheit ist nicht mit Mehrkosten verbunden, sondern kann allein mit Hilfe einer klugen Planung erreicht werden“.

Wie man klug plant, was im Vorfeld zu beachten ist und welche bürokratischen Hürden genommen werden, das schildern die beiden Autorinnen der Broschüre – Simone Bosch-Lewandowsky und Prof. Dr. Rotraut Weeber – in leicht verständlicher Weise. Die Broschüre ist gedacht für Entscheider in öffentlichen Einrichtungen, für Architekten und private Häuslebauer.

Dabei beschränke sich der Ratgeber nicht auf die bloße Zusammenfassung der Norm-Lage, betonen die Autorinnen, sondern gebe „zahlreiche ergänzende Hinweise, welche Ausführungen für Menschen mit Behinderungen und gegebenenfalls auch andere hilfreich und sinnvoll sind. Betroffene, die sich überlegen, wie sie ihre eigene Wohnung anpassen können, bekommen viele Anregungen für praktische Lösungen. Eine Übersicht über die Finanzierungshilfen sowie Links zu weiteren Informationen und nützlichen Kontakten“ komplettieren den Inhalt.

Die Struktur der Broschüre folgt dem bewährten Aufbau der ABC-Ratgeber, die der BSK herausgibt.

Kapitel 1: ABC

In lexikalischer Form werden von A wie „Abstellplätze“ bis Z wie „Zugangs- und Eingangsbereiche“ die wichtigsten Fachbegriffe und Schlagworte rund um das Thema barrierefreies Bauen abgehandelt. Erklärt wird, was unter H wie „Horizontale Erschließung zu verstehen ist, was R wie „Radabweiser“ sind, aber auch, wie man M wie „Mentale Barrieren“ am besten beseitigt.

Kapitel 2: Allgemeines

Ein Ratgeber zum Thema Barrierefreiheit widmet sich natürlich jedweder Form von nötiger Barrierefreiheit, geht es doch darum, jedem das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit zu ermöglichen – Barrierefreiheit im öffentlichen Raum bedeutet immer auch, auf die visuelle, auditive und haptische Gestaltung zu achten, um allen Menschen mit Beeinträchtigung gerecht zu werden. Ein Überblick. Siehe auch: „Bessere Architektur für alle“ – Ein Gespräch über gutes Design, Inklusion und Nullschwellen

Kapitel 3: Horizontale Erschließung

Hier werden viele Anregungen zur Gebäudegestaltung gegeben, die für Rollstuhlnutzer äußerst relevant sind: Wie groß muss ein rollstuhlgerechter Windfang sein? Wie breit Flure, damit auch Rollis sie nutzen können? Wie sieht es mit dem Brandschutz aus – und mit den Fluchtwegen? Ab welcher Höhe ermöglichen die Balkon-Brüstungen eine Durchsicht? Punkte, auf die nicht nur Bauherren achten sollten, sondern auch Menschen im Rollstuhl, die auf Wohnungssuche sind. Dazu kommen praktikable „Platzspartipps“ für die Anlage von barrierefreien Stellplätzen. Siehe auch: Ergebnisse der DStGM-Studie zum barrierefreien Bauen

Kapitel 4: Vertikale Erschließung

Das große Thema Treppen, Rampen, Lifte und die Bestimmungen, die sie rollstuhlgerecht machen. Besonders spannend: Auch hier können Menschen im Rollstuhl einen Blick über den Tellerrand werfen und sehr anschaulich erfahren, was Barrierefreiheit für andere Menschen mit anderen Beeinträchtigungen bedeutet. Und wie man alle Bedürfnisse unter ein Hausdach bringt. Siehe auch: Wohnen mit Treppenlift

Kapitel 5: Sanitärbereiche

Ein elementarer Bereich mit elementaren Anforderungen, die die Broschüre sachlich, prägnant und dennoch sehr Detail-orientiert behandelt – bis hin zur Frage nach der optimalen Halterung für die WC-Bürste. Sehr anschaulich: Piktogramme über die Varianten der WC-Nutzung durch Rollstuhlnutzende oder eine Skizze der nötigen Bewegungsräume, um genügend Beinfreiraum unterm Waschtisch zu garantieren.  Siehe auch: Das barrierefreie Bad

Kapitel 6: Küchenbereiche

Wie gestalten Rollstuhlfahrer das Herz vieler Wohnungen am besten? Sicherlich eine Frage der familiären Situation, der eigenen Vorlieben – und des Geldbeutels. Aber nicht nur: „Teure behindertengerechte Sonderlösungen“ so die Autorinnen auf Seite 62, seien „bei entsprechender Planung oft nicht erforderlich“ – so könnten z. B. im sog. 2-Kanal-Prinzip einfach Arbeitsplatten in Sitz- und Stehhöhe eingebaut werden.

Das Thema Erreichbarkeit von Oberschränken, die optimale Höhe der Waschmaschine und die Gestaltung von Vorratsschränken wird ebenso behandelt wie die bestmögliche Unterfahrbarkeit von Arbeitsflächen, Spüle und Herd. Schön: Die Autorinnen nennen häufig mehrere barrierefreie Aufbau-Varianten oder Detail-Lösungen. Der Individualität sind also trotz der Orientierung an Normen keine Grenzen gesetzt.  Siehe auch: Die barrierefreie Küche

Kapitel 7: Wohn- und Schlafbereich

In diesem Kapitel geht es um die Raumnutzung und um Freiräume z. B. zum Rangieren, zum eigenständigen Transfer aber auch für den Assistenten – und darum, welche wohnungssteuernden Funktionen (Licht, Lüftung, Türkamera,Türöffner, Telekommunikation) auch vom Bett aus ansteuerbar sein sollten. Siehe auch: Was können smarte Sprachassistenten leisten?

Kapitel 8: Bedienelemente, Ausstattung

Neben einem Überblick darüber, welche Greif- und Bedienhöhen ein Mensch im Rollstuhl erreichen kann, finden sich viele Hinweise auch für die barrierefreie Gestaltung im öffentlichen Raum. Private Häuslebauer können sich bei den vorgestellten Türunterkonstruktionen und schwellenlosen Übergängen Anregungen holen.

Kapitel 9: Wohnen im Rollstuhl

Hier finden sich in kompakter Form Informationen zu Themen wie den benötigten Bewegungsflächen, Montagehöhen von Griffen und Bedienelementen und dem Platzbedarf für den Rollstuhlabstellplatz.

Kapitel 10: Wohnumfeld / Kapitel 11 Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum

Schön zu erfahren, was alles denkbar und möglich wäre in Sachen barrierefreier Gestaltung von öffentlichem Gelände.

Kapitel 12: Finanzierungshilfen

Nach einem grundlegenden einführenden Text werden in tabellarischer, sehr übersichtlicher Form neun Förderprogramme (mit den jeweiligen Zielgruppen) vorgestellt, die auch private Häuslebauer beim Neubau oder Umbau unterstützen. Daneben gibt es Informationen zur Förderung im Rahmen von Orts- und Stadtentwicklung. Siehe auch: Finanzierung von barrierefreiem Wohnraum

Kapitel 13: Weitere Kontakte und Links

Eine Sammlung von Informationsquellen und Ansprechpartnern für alle, die es noch genauer wissen wollen oder müssen.

 

Die Broschüre „ABC Barrierefreies Bauen. Praktische Tipps und Ratschläge zum barrierefreien Planen, Bauen und Wohnen“ kann kostenfrei (zzgl. Versand) auf der Homepage des BSK bestellt werden.


Der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e. V. hat noch weitere Broschüren herausgegeben, u. a. :

BSK-Broschüre Antidiskriminierungsrecht

Broschüre: ABC Pflegeversicherung

Broschüre: ABC Rehabilitation

Broschüre: „ABC Teilhabe. Praktische Tipps und Ratschläge zur Teilhabe“

 

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