Frische Lebensmittel per Mausklick: Diese Unternehmen liefern Eier, Wurst und Gemüse

Sein täglich Brot und die Butter obendrauf online zu bestellen gilt als Zukunftstrend. Auch für Menschen mit Querschnittlähmung eine spannende Sache: Der virtuelle Gang über den Markt kann Zeit, Transfers ins und aus dem Auto (oder eine Busfahrt) und Nerven sparen. Nachteil: Die Lieferungen sind mitunter teuer, nicht alle Services sind überall verfügbar – und der Plausch mit der netten Kassiererin fällt auch weg.

Die Deutschen zeigen sich zögerlich, wenn es darum geht, frische Lebensmittel online zu bestellen. Obst und Gemüse, Tiefkühlware sowie Frischfleisch und Milchprodukte gibt es zwar inzwischen auch im Netz, aber (noch) greifen nur relativ wenige Kunden auf dieses Angebot zurück. Laut Foodwatch.com dominieren haltbare Produkte, Süßwaren, Snacks und Getränke (noch) den E-Food-Markt.

Aber es scheint sich etwas zu tun: Einige Branchenriesen bauen ihr Angebot aus, Start-Ups versuchen, den Kunden den Online-Kauf von Lebensmitteln schmackhaft zu machen – und dazwischen agieren all die Services, die es so oder ähnlich schon lange gibt, z. B. landwirtschaftliche Betriebe, die ihr (Öko-)Gemüse statt auf den Markt direkt bis zur Haustür fahren. Bei den Recherchen hat Der-Querschnitt.de sich auf Lieferanten frischer Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte konzentriert, denn Online-Händler für haltbare Vorräte, Konserven, Knabberzeug und was zu Trinken finden sich leicht und zahlreich im Netz. Bei der Frischware ist es nicht ganz so einfach (Spezialversender wie z. B. Metzger wurden nicht berücksichtigt). Die genannten Unternehmen sind Beispiele und stellen keine Empfehlung der Redaktion dar.

Bundesweite Lieferung frischer Lebensmittel

Bei den Recherchen im Mai 2019 hat Der-Querschnitt.de mit myTime.de nur ein Unternehmen gefunden, das tatsächlich auch frische Lebensmittel (Obst, Milchprodukte, Fleisch, etc.) flächendeckend und bundesweit liefert – wenn man z. B. von landwirtschaftlichen Kooperativen (s. u.) absieht. (Tipps für weitere Unternehmen werden gerne entgegengenommen: info@der-querschnitt.de).

myTime.de
Kosten: Kein Mindestbestellwert, „so dass jeder beliebige Warenkorb bestellt werden kann, ganz wie im normalen Supermarkt“, lässt die zuständige Pressestelle wissen. Grundsätzlich betragen die Versandkosten 4,99 €, hinzu können Aufschläge für Terminlieferungen oder gekühlten Frischeversand kommen.
Die Auswahl eines Wunsch-Liefertages ist kostenfrei, erst die Auswahl eines Zeitfensters kostet: Für die bundesweite Morgen-Zustellung (Lieferung zwischen 7:00 und 12:00 Uhr) fallen je nach Gebiet 5,00 bis 7,99 Euro Aufpreis an. Im Nordwesten Deutschlands bietet das Unternehmen zudem einen Abendservice mit einer Lieferung zwischen 18:00 und 22:00 Uhr an, weitere Regionen sollen folgen.
Wer Obst und Gemüse, sein Joghurt und die TK-Pizza ordert, muss zudem einen Frische-Aufschlag in Höhe von 5,90 Euro miteinkalkulieren: Mit der sogenannten „myTime Frischegarantie“ sind laut Pressesteller des Unternehmens folgende Leistungen sichergestellt: tägliche Anlieferung von frischem Obst und Gemüse, Versandverpackung mit entsprechenden Kühlmitteln (Styroporboxen mit Kühlpads oder Trockeneis), Express-Versand für alle Frische- und Tiefkühlprodukte, Lieferung bis an die Haustür.
Verfügbarkeit: Bundesweit
Sortiment: Über den Onlineshop oder die App kann das klassische Supermarkt-Sortiment inklusive frischer Lebensmittel sowie Drogerieartikeln bestellt werden.

Andere, in zahlreichen Quellen ebenfalls als bundesweite Lieferanten von frischen Lebensmitteln genannte Services, haben – so der Eindruck der Redaktion – inzwischen ihr Sortiment auf gut lagerbare und transportierbare Ware reduziert.

Lieferung in ausgewählten Gebieten: Die Großen

Diverse größere Anbieter liefern derzeit nur in großen Städten oder Ballungszentren Frische nach Hause. Als Beispiel sei der REWE Lieferservice, laut statista.com das Angebot, das 2018 bei den Lebensmittel-Lieferservices in Deutschland den größten Marktanteil (31 Prozent) hatte.

REWE Lieferservice
Kosten: Der Mindestbestellwert beim REWE Lieferservice beträgt 50 Euro.
Dank termingerechter Lieferung, so die Presseabteilung von REWE Digital, könnten Kunden selbst entscheiden, wann die Bestellung zu Hause ankommen soll. Je größer das gewählte Zeitfenster der Lieferung und je größer der Warenkorb ist, desto niedriger sind die Liefergebühren, die zwischen 0 Euro und bis zu 5,90 Euro variieren. Diese Kosten werden am Ende des Bestellprozesses angezeigt.
Neukunden zahlen bei der ersten Bestellung keine Liefergebühr. Keine Aufschläge für die Lieferung frischer Lebensmittel oder von Tiefkühlprodukten.
Verfügbarkeit (Stand: Mai 2019): Der REWE Lieferservice ist in 75 Städten über 50.000 Einwohner – darunter u. a. Berlin, Hamburg, München, Köln, Hannover, Frankfurt, Dresden und Leipzig – sowie dem Umland verfügbar. Eine Staffelung der Liefergebühr je nach Zielregion gibt es nicht.
Sortiment: REWE bietet den Kunden im Online-Shop (https://shop.rewe.de) ein komplettes Supermarkt-Sortiment an. Das Angebot umfasst das der REWE Supermärkte mit u. a. Obst, Gemüse, Molkereiprodukten, Tiefkühlkost, Fleisch- und Wurstwaren, Getränken, Drogerieartikeln und REWE Eigenmarken. Mehr als 12.000 Produkte seien im Online-Shop und in der App verfügbar.

Auch Amazon tastet sich mit Amazon fresh an das potenzielle Geschäft mit frischer Ware heran

Amazon Fresh
Kosten: AmazonPrime-Mitgliedschaft (69 Euro pro Jahr) nötig, plus AmazonFresh-Mitgliedschaft (9,99 Euro im Monat). Dafür gibt es Gratis-Lieferungen bei einem Mindestbestellwert von je EUR 40,00 Euro in Berlin, Potsdam und Hamburg bzw. 50,00 Euro in München. Die Zeitfenster: Wer bis mittags bestellt, erhält die Ware noch am Abend, wer bis spätabends bestellt, erhält sie am nächsten Morgen vor 8 Uhr, jeweils in einem 2-Stunden-Zeitfenster.
Verfügbarkeit: Nur sehr wenige Menschen können diesen Service nutzen – derzeit (Stand: Mai 2019) gibt es ihn nur in Berlin, Potsdam, Hamburg und München. Ralf Kleber, Deutschland-Chef des Konzerns, hat jedoch im März 2019 angekündigt, dass sein Unternehmen den Online-Handel mit frischen Lebensmitteln ausbauen will – evtl. sogar bundesweit.
Sortiment: Auf AmazonFresh findet sich das klassische Supermarkt-Sortiment.

Lieferung in ausgewählten Gebieten: Die vielen Kleinen

Wer sich frische Lebensmittel nach Hause liefern lassen will, muss nicht unbedingt auf große Anbieter zurückgreifen. Zahlreiche Besitzer von Supermärkten bieten für ihren Ort und die nähere Umgebung einen Lieferservice an. Kleinere Initiativen karren Einkäufe mit dem Fahrrad zum Kunden.

Und zahlreiche (Öko-)bauern und ihre Lieferbetriebe bringen Obst und Gemüse, Brot, Fleisch, Milch, Käse, Eier, oft auch weitere Lebensmittel (in Bio-Qualität) wie Nudeln, Tee oder Schokolade Tee gerne persönlich vorbei. Als Beispiel sei die Ökokiste genannt, ein Verband von 40 Betrieben, die über Deutschland verteilt diese Art der Direktvermarktung betreiben. Dort kann man Standardkisten oder individuell bestückte Warenlieferungen bestellen – der Preis, Mindestbestellwert und etwaige Gebühren variieren ja nach landwirtschaftlichem Betrieb. Ein anderes Beispiel: etepetete, ein bundesweites Netzwerk an Bio-Bauern, die ihre Kisten mit Obst und Gemüse füllen, das nur wegen seines Aussehens im Supermarkt keine Chance hätte.

Eine kurze Internet-Recherche lohnt sich für den, der sich von einem Landwirt in seiner Nähe beliefern lassen möchte: Mit den Stichworten Gemüsekiste, Biokiste, landwirtschaftliche Kooperative oder ähnliches finden sich im Netz in nahezu jeder Gegend Deutschlands entsprechende Angebote.

Im Lieferumfang enthalten: Mehr als nur die Zutaten

Einige Online-Unternehmen bieten ihren Kunden noch mehr an als nur die Zutaten für die frische Küche – sie liefern den Essensplan und die Rezepte gleich mit. Das umsatzstärkste Unternehmen dieser Art: Hellofresh.de, das mit seinen Kochboxen den Kunden nahezu jede Arbeit rund um die Nahrungszubereitung abnimmt. Der Kunde sucht sich aus den Rezeptvorschlägen aus, was er kochen will und lässt sich alle Zutaten samt Kochanleitung zuschickt. Die Rezepte sind für mindestens zwei Personen berechnet – und kosten pro Portion zwischen 4,25 und 6,67 Euro.

Kritisches zur Online-Bestellung von Lebensmitteln

Foodwatch, ein Verein, der sich den Rechten von Verbrauchern und der Qualität von Lebensmitteln widmet, hat fünf der großen Online-Anbieter für frische Lebensmittel genauer unter die Lupe genommen – wobei es dem Verein nicht nur um die Qualität der Lebensmittel oder um Preise, sondern auch um den Umgang mit Daten ging (siehe externer Link: Vergleichstest-von-online-lebensmittelhaendlern). Dort wird zudem ein Problem angesprochen, das der Versand frischer und/oder gekühlter Produkte mit sich bringen kann: Steak, Kiwis und die Packung Vanilleeis kommen mitunter in reichlich Verpackung(smüll) daher.


Tipps, was Menschen mit Querschnittlähmung sich am besten in ihren digitalen oder analogen Einkaufskorb packen u. a. in den Beiträgen:

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