Cool im Rollstuhl: Hilfsmittel und Co.

Aufgrund der Temperaturregulationsstörung – unterhalb der Lähmungshöhe, kann man weder schwitzen noch zittern – kann der Sommer für Menschen mit Querschnittlähmung eine ganz schöne Tortur sein. Aber es gibt coole Hilfsmittel, z. B. eine kühlendes Rückenpolster.

Es ist von großer Wichtigkeit die Körpertemperatur im Sommer auf einem konstanten Niveau zu halten, da andernfalls eine Überhitzung des Körpers und im schlimmsten Fall ein Kreislaufkollaps droht. Menschen mit Querschnittlähmung können unterhalb der Lähmungshöhe nicht schwitzen, wodurch es zu keinem Kühleffekt durch Verdunstung kommen und bei großer Hitze die Körpertemperatur nicht auf Betriebstemperatur gehalten kann (siehe: Temperaturdysregulation). Vor allem für Tetraplegiker müssen daher andere Strategien der Kühlung her.

Klimaanlage

Eine Klimaanlage ist die einfachste Art, der Hitze zu entkommen, zumindest wenn man es vermeiden kann (und will) im Freien unterwegs zu sein. Allerdings gibt es vor allem für Menschen mit beeinträchtigter Atemfunktion zu bedenken, dass Klimaanlagen die Luft nicht nur kühlen, sondern auch austrocknen, was zu einer erhöhten Anfälligkeit der Atemwege gegenüber Keimen führt. Besagte Keime liefert eine schlecht gewartete Klimaanlage u. U. auch noch gleich mit, weshalb Vor- und Nachteil von Klimaanlagen sorgfältig abgewogen werden müssen. Für mehr Informationen siehe: Klimaanlagen – Gesundheitliche Aspekte und Bauanleitung

Kühlende Kleidung

Für den Gebrauch im Alltag gibt es Westen, Pulsmanschetten, Kopfbedeckungen und andere Kleidung mit Cooling-Effekt. Sie funktionieren indem sie z. B. in Wasser eingelegt werden, das langsam verdunstet und so für Kühlung sorgt. Siehe hierzu: Kühlende Kleidung für heiße Sommertage

Rollstuhlrücken mit Klimafunktion

Der Rollstuhlrücken Jay J3 TC von Sunrise Medical hat eine integrierte, batteriebetriebene Klimafunktion, mit der sowohl geheizt als auch gekühlt werden kann. Siehe hierzu: Temperaturkontrolle im Rollstuhl

Rückenpolster von HPXfresh

Das Rückenpolster von HPXfresh kann an jeden Stuhl – auch an einen Rollstuhl – angepasst werden und zwar an die Rückenlehne oder an die Sitzfläche. Ab einer Temperatur von 33° kühlt das Kissen. Wenn der Kühleffekt nachlässt und das PhaseX-Polymer (eine Art Gel) im Inneren des Kissens flüssig geworden ist, muss es zur Reaktivierung an einem etwas kühleren Ort zwischengelagert werden.

Zu haben ist das Polster für ca. 19 Euro* z. B. hier.

Rückenpolster von wheelAir

Nach einer zunächst erfolglosen Crowdfunding-Kampagne 2017 hat der britische Hersteller wheelAir nun doch ein Rollstuhlrückenpolster auf den Markt gebracht, das hilft die Körpertemperatur auf einem angenehmen Niveau zu halten. Was für Menschen mit Temperaturdysregulationsstörung eine feine Sache sein könnte! Auch diese zum Patent angemeldete Technologie basiert auf Wärmeverlust durch Konvektion und Verdunstung und ermöglicht es, die Körpertemperatur durch eine Kombination aus feuchtigkeitsableitenden Stoffen und geführtem Luftstrom zu regulieren. Nach drei Minuten Verwendung soll die Rückentemperatur um 7% nach dreißig Minuten um 16% gesenkt werden können.

Das wheelAir Kissen verfügt über vier Kühlungsstufen und eine Batterielaufzeit von bis zu zwanzig Stunden; es ist in vier verschiedene Größen erhältlich, die sich einfach über die Rückenlehne des eigenen Rollstuhls legen lassen.

Zu haben ist das Rückenpolster ab einem Preis* von ca. 650 Pfund (ca. 730 Euro) plus Versand. Einen Händler in Deutschland, Österreich oder der Schweiz hat wheelAir noch nicht, beliefert Kunden aber europaweit. Siehe: www.wheelair.co.uk

Sprühnebelventilator

Eine sehr angenehme Wirkung können auch Sprühnebelventilatoren haben. Hier wird die Luft nicht nur bewegt, wie bei einem normalen Ventilator, sondern auch befeuchtet, was für eine Abkühlung sorgt. Sprühnebelventilatoren gibt es von verschiedenen Herstellern ab ca. 70 Euro*. Oder man wählt die kleine Variante nur für das Gesicht, die deutlich günstiger zu haben ist. Verwendet werden können Sprühnebelventilatoren anders als Klimaanlagen sowohl drinnen als auch draußen.

Wärmflaschen

Wenn es kalt ist, umarmt man ja gerne mal eine Wärmflasche oder legt sie auf den Schoß, bis man nicht mehr zittert. Wärmflaschen kann man aber nicht nur mit heißem sondern auch mit kaltem Wasser füllen. Wer mag, kann auch mal versuchen sie vor Gebrauch in den Kühlschrank zu legen. Wie bei der kühlenden Kleidung gilt dann allerdings, dass ein Produkt, das gerade aus dem Kühlschrank kommt, nicht geeignet für Menschen ist, die nicht angeben können, ob sie den Gegenstand als angenehm empfindet und/oder nicht eigenständig entfernen können. Direkter Hautkontakt sollte bei Körperstellen ohne Empfindungsvermögen ebenfalls vermieden werden.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema gibt es in den Beiträgen Der Hitze trotzen, Fünf Dinge, die Menschen mit Querschnittlähmung im Sommer beachten sollten und Schutz vor Regen und Sonne: Schirme und Dächer für den Rollstuhl

 

*Stand: Juni 2019

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