Preisgekrönte App soll bei Blaseninkontinenz helfen

Dieser Prototyp könnte bei neurogener Blasenfunktionsstörung ganz hilfreich sein: Ein Sensor misst den Füllstand der Blase und zeigt ihn via App auf dem Smartphone an. Der Nutzer soll so auf seinem Handy nachschauen können, wann der nächste Zeitpunkt zum Aufsuchen der Toilette ist – oder er wird benachrichtigt, bevor es zu einer ungewollten Ausscheidung kommt.

Die Bayreuther Forscher Jannik Lockl (Wirtschaftsinformatiker) und Tristan Zürl (Ingenieur) gehören mit ihrer Idee zu einer App zur Messung des Blasenfüllstandes zu den Gewinnern des diesjährigen „Medical Valley Award“, den mit bis zu 250.000 Euro dotieren Vorgründungspreis des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.

Lockl erklärt was die gemeinsame Produktidee mit dem Namen „inContAlert“ kann: „ Der ‚inContAlert‘ ist ein Sensor, welcher den Füllstand der Blase misst, der dann in einer App angezeigt wird. Der Inkontinenzpatient kann so auf seinem Handy nachschauen, wann der nächste Zeitpunkt zum Aufsuchen der Toilette ist. Oder er wird mit einem Signalton benachrichtigt, bevor es zum ungewollten Urinverlust kommt.“

Zürl ergänzt: „Inkontinenzpatienten müssen so nicht mehr präventiv die Blase entleeren oder aus Schutz vor drohendem Urinverlust beispielsweise Windeln tragen.“

Die Bayreuther Forscher Jannik Lockl (l.) und Tristan Zürl. Mit ihrem ‚Medical Valley Award‘-prämierten Wearable ‚inContAlert‘ wollen die beiden das Leben von Inkontinenzpatienten erleichtern: Eine App zeigt den Blasen-Füllstand und den Zeitpunkt des nächsten Toilettengangs an.

Neurogene Blasenfunktionsstörung

Von Inkontinenz sind laut der Universität Bayreuth in Deutschland mehr als fünf Millionen Menschen betroffen, wobei bis zu 20 Prozent davon eine neurogene Blasenfunktionsstörung haben. In diesem speziellen Fall gibt es zwei Szenarien: Ab einem kritischen Füllstand kann es dazu kommen, dass sich die Blase unkontrolliert entleert, oder dass sie verkrampft und sich so der Urin ins Nierenbecken zurückstaut. Das kann zu gravierenden gesundheitlichen Schäden führen (siehe auch: Blasenfunktion bei Querschnittlähmung). „Nicht nur aufgrund des gesellschaftlichen Gesichtsverlusts eines ungewollten Urinabgangs ist es uns deshalb ein großes Anliegen, dieses Problem schnellstmöglich zu lösen“, erläutert Lockl. „Gerade Querschnitt-, Multiple Sklerose- und Parkinson-Patienten leiden täglich unter dieser Gefahr, welche bald der Vergangenheit angehören soll!“

Mit den neuen Mitteln des „Medical Valley Awards“ wollen Lockl und Zürl ihre Erfindung zur Gründungsreife bringen. Wann es für den Nutzer verfügbar sein wird, ist derzeit noch unklar.

Weitere Informationen

Ein ähnliches System, das nicht nur den Blasenfüllstand misst, sondern auch eine Entleerung der Blase steuern soll, wird gerade in den USA zur Marktreife gebracht. Siehe: Connected Catheter – Per SMS zur Blasenentleerung

 

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