Ausstellung zum Leben mit Behinderung in Erlangen

Vom 30. Juni 2019 bis zum 6. Januar 2020 findet im Stadtmuseum Erlangen die Ausstellung „BarriereSprung –  Vom Leben mit Behinderung“ statt und bietet Einblicke in Geschichte und Gegenwart.

Die Ausstellung – warum?

Vor zehn Jahren trat die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen mit der Forderung „Teilhabe statt Fürsorge” in Deutschland in Kraft. Inklusion ist damit zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe geworden. Um das Ziel eines Miteinanders von Menschen mit und ohne Einschränkungen auf Augenhöhe zu erreichen, müssen physische und mentale Barrieren abgebaut werden. Das Stadtmuseum Erlangen möchte mit der Sonderausstellung „BarriereSprung. Vom Leben mit Behinderung“ hierzu einen Beitrag leisten. Die Ausstellung versucht, mit spielerischen Zugängen, aussagekräftigen Exponaten und medialen Inszenierungen das Bewusstsein für historische und gegenwärtige Debatten zu schärfen und Vorurteilen entgegenzuwirken. Sie versteht sich als Beitrag zu den Inklusionsbemühungen der Stadt Erlangen.

Worum geht es?

Der erste Ausstellungsbereich nimmt Begriffe wie „Barriere“ und „Normalität“ in den Blick, um das komplexe Thema Behinderung, manchmal auch augenzwinkernd, aus heutiger Perspektive auszuloten. Wer ist „normal“? Wer gilt als behindert? Wo liegen die eigenen Barrieren? Und wodurch wird eine Barriere zur Behinderung? Zahlen und Statistiken geben erste Antworten. Sie zeigen aber immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit und müssen hinterfragt werden.

Der historische Ausstellungsteil unternimmt einen Streifzug durch fünf Jahrhunderte. Die von Glaube und Aberglaube geprägten Vorstellungen des Mittelalters, die Behinderung oft als Gottesstrafe interpretierten, werden dabei ebenso beleuchtet wie neuartige Bildungsangebote für Blinde, „Taubstumme“ und „lernschwache Kinder“ ab dem 19. Jahrhundert. Nach dem Ersten Weltkrieg, der Millionen „Kriegskrüppel“ hinterließ, musste sich die Gesellschaft systematisch mit der Wiedereingliederung körperlich versehrter und psychisch kranker Menschen befassen. Eine tiefe Zäsur im Umgang mit behinderten Menschen in Deutschland bedeutet die „rassehygienisch“ begründete Zwangssterilisation „erbkranker“ Personen und die Vernichtung sogenannten „lebensunwerten Lebens“ in der Zeit des Nationalsozialismus. Auch die Erlanger Heil- und Pflegeanstalt, bei ihrer Gründung eine innovative Therapieeinrichtung, wurde im Rahmen der nationalsozialistischen Krankenmorde zu einem Ort des Verbrechens.

Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war vom Kampf behinderter Menschen um Anerkennung geprägt. Aus ersten Initiativen in der frühen Nachkriegszeit erwuchs in den 1970er und 1980er Jahren eine stark politisierte Behindertenbewegung, die Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe zu ihren Zielen erhob. Mit spektakulären Aktionen, wie Rollstuhl-Sitzblockaden und Demonstrationen unter dem provokanten Slogan „Jedem Krüppel seinen Knüppel“, drangen die Aktivistinnen und Aktivisten ins öffentliche Bewusstsein und trugen zu dessen Veränderung bei.

Weitere Informationen

Für weitere Informationen und das Begleitprogramm siehe: BarriereSprung