Kühlende Ernährungsstrategien nach der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM)

Wenn das Wetter sehr heiß ist, können Menschen mit Querschnittlähmung ihre Körpertemperatur je nach Lähmungshöhe nicht oder nur teilweise über das Schwitzen regulieren. Laut TCM besteht die Möglichkeit einen Ausgleich der Körpertemperatur über die Ernährung zu erreichen.

Die Ernährung in der TCM ist ein alternatives ganzheitliches Konzept, das den Menschen im Zusammenhang mit seiner Umwelt sieht. TCM vertritt den Standpunkt, dass man im Sommer Speisen und Getränke zu sich nehmen sollte, die kühlend oder befeuchtend wirken, da es dem Körper so erleichtert wird einen Gegenpol zu der vorherrschenden Hitze und Trockenheit in der Umgebung zu finden. Für Menschen mit Querschnittlähmung, die aufgrund einer Temperaturregulationsstörung oberhalb der Lähmungshöhe schwitzen können, könnte die sanfte Abkühlung über die Ernährung eine überlegenswerte Alternative sein.

Yin- und Yang-Typen in der TCM

Wie im Beitrag Wärmende Ernährungsstrategien nach der Traditionell Chinesischen Medizin unterscheidet die TCM zwischen Yin- und Yang-Typen. Yin und Yang ist ein Begriffspaar aus der chinesischen Philosophie des Daoismus und steht für polar einander entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene Kräfte oder Prinzipien:

  • Yang symbolisiert die harten, heißen, hellen, männlichen und aktiven Aspekte des Ganzen.
  • Yin symbolisiert die weichen, kalten, dunklen weiblichen und ruhigen/stillen Aspekte des Ganzen.

Wenn beide Prinzipien im gleich hohen Maße in einem System – auch dem menschlichen Körper – vorkommen, herrscht Balance und Harmonie. Wenn allerding eine der beiden Kräfte überhandnimmt, führt dies zu Störungen, die sich über kurz oder lang in Unwohlsein und schließlich Krankheiten zeigt. Die TCM kennt allerdings Strategien, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Wer mit heißen Temperaturen nur schlecht umgehen kann und kühle  Klimazonen und Jahreszeiten bevorzugt, und heftige Gefühlsschwankungen hat, die ihn körperlich belasten, wird als vom Prinzip Yang dominiert betrachtet.

Diese Menschen sollten (vorübergehend) auf Fleisch, Eier und Genussmittel (Kaffee, Tee, Schokolade, Alkohol, Tabak) verzichten und vor allem versuchen dem Körper viel Feuchtigkeit zuzuführen. Als ideale Erfrischung im Sommer gelten Wasser, säuerliche Milchprodukte (siehe: Lassi und Co.: Erfrischend und verdauungsfördernd), Salat und Obst, alles Dinge also, die man an heißen Tagen ohnehin instinktiv vermehrt zu sich nimmt.

Das Yin stärken

Das Yin stärkt man, indem man den Speisen, die man zu sich nimmt, möglichst Flüssigkeit zuführt. In Obst und Gemüse ist schon viel Wasser enthalten (siehe: Lebensmittel mit hohem Wassergehalt). Fisch, den man bei einer Yang-Dominanz anstelle von Fleisch als Eiweißquelle bevorzugen sollte, sollte gedämpft, nicht gebraten werden. Und kurzgegarte Eintopfgerichte und Suppen sollten lauwarm oder kalt (siehe: Gazpacho – Kalte Suppe für heiße Tage) verzehrt werden.

Kühlende Gewürze und Kräuter sind Lavendel, Dill, Pfefferminze, Estragon, Kresse und Salbei. Und obwohl Chilipulver, Pfeffer und Ingwer als „heiße“ Nahrungsmittel gelten, können sie auch bei einer Yang-Dominanz sparsam eingesetzt werden, da sie die Energien im Körper verteilen.

Was die Zubereitung angeht müssen alle BBQ-Fans ganz stark sein, denn Grillen (siehe: Das barrierefreie Grillvergnügen) – der Klassiker im Sommer – eignet sich laut TCM gar nicht für Menschen, die unter der Hitze leiden, weil diese Zubereitungsart der Nahrung Hitze zuführt. Das gilt auch dann, wenn man das Grillgut vor dem Verzehr abkühlen lässt.

Als Garmethode sollte man stattdessen das möglichst kurze Dämpfen, Dünsten und kochen bei milder Hitze bevorzugen und die Speisen vor dem Verzehr abkühlen lassen. Dies befeuchtet und kühlt die Nahrung. Ebenfalls empfohlen wird das Zufügen von Säften und Saucen zu trockenen Speisen.

Gesalzen wird in der Zubereitung nach TCM immer zum Schluss, wobei der Salzkonsum in der heißen Jahreszeit gerne etwas erhöht sein darf.

Das Feuerelement

Sieht erfrischend aus, ist laut TCM bei heißem Wetter aber keine gute Idee.

Neben den Aspekten der gegensätzlichen und sich ergänzenden Prinzipien des Yin und Yang, erfolgt in der TCM eine Zuordnung von Nahrungsmitteln, Organen und Krankheitsbildern zu den Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Wenn man mit Hitze nicht gut klarkommt und z. B. Herzklopfen, innere Unruhe und (da wo es geht) stark schwitzt, ist wahrscheinlich das Feuerelement aus dem Gleichgewicht geraten. Der Aufenthalt in einem heißen, trockenen Klima und auch der Konsum von Genussmittel trägt zu diesem Ungleichgewicht bei.

Das Feuerelement ist dem Herz-Kreislauf-System und dem Darm zugeordnet. Eine Störung zeigt sich unter anderem durch:

  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (z. B. Herzrhythmusstörungen)
  • Durch Hitze verursachte Beschwerden wie Kreislaufprobleme bei schwül-heißem Wetter, schwere Beine, Wassereinlagerungen in den Beinen, etc.
  • Darmprobleme wie Durchfall und Blähungen
  • Unruhe und Nervosität
  • Schlafstörungen
  • Gedächtnis- und Sprechstörungen
  • Extreme Vorliebe für oder Abneigung gegen sehr bittere Nahrungsmittel

Dem Feuerelement kann man helfen, indem man auf Alkohol, Kaffee, Tee und koffeinhaltige Limonaden verzichtet und darauf achtet ausreichend Wasser zu trinken.

Nahrungsmittel, die kühlend wirken und das Feuerelement harmonisieren

Wer das Herz-Kreislauf-System und den Verdauungsapparat in ein harmonisches Gleichgewicht bringen will, sollte Lebensmittel bevorzugen, die dem Feuerelement zugeordnet sind – dies sind vor allem Lebensmittel, die eine rote Farbe haben und (leicht) bitter schmecken – und die zudem als kalt, kühlend oder neutral eingestuft werden. Dies sind u. a.:

  • Artischocken

    Sollte man viel öfter essen: Artischocken

  • Chicorée
  • Endivie
  • Feldsalat
  • Grapefruit
  • Hafer
  • Knollensellerie
  • Löwenzahn
  • Olive
  • Preiselbeeren
  • Rauke
  • Roggen
  • Rote Bete
  • Safran
  • Topinambur
  • Weizen

Ebenfalls dem Feuerelement zugeordnet sind z. B. (gegrilltes) Fleisch, Buchweizen, Rosenpaprika, Rosenkohl, grüner Tee und Bitterschokolade. Diese Lebensmittel gelten aber als erwärmend/erhitzend, weshalb sie bei heißen Temperaturen nicht verzehrt werden sollten.

Rezeptvorschläge

Online finden sich viele Rezepte, die einen Versuch wert sind. Z. B.

Geschmorter Radicchio mit Cashewkernen

Regenbogensalat

Warmer Roter-Rüben-Salat mit Feta und Dill

Heitere Gelassenheit

Zudem sollte man um mehr innere Harmonie und einen Gemütszustand der heiteren Gelassenheit bemüht sein. Erreichen kann man einen solchen laut TCM z. B. durch Entspannungsübungen wie Lachyoga, Qigung, Muskelrelaxation nach Jacobson oder Meditationstechniken (siehe: Entspannungsmethoden). Auch die Fingerhalteübungen aus dem Jin Shin Jyutsu können helfen (siehe: Jin Shin Jyutsu – Entspannung für Körper und Seele).

 

Siehe auch: Wärmende Ernährungsstrategien nach der Traditionell Chinesischen Medizin

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