Neues Zentrum eröffnet: medizinische Begleitung ein ganzes Leben lang.

Bundesweit gibt es über 40 medizinische Zentren für Erwachsene mit Behinderung (MZEB). Nun hat am Klinikum Bayreuth ein neues Zentrum seinen Betrieb aufgenommen. Es soll vor allem auch bei Querschnittgelähmten medizinische Versorgungslücken schließen. Wie das Team dort Patienten hilft, berichtet Erika Eibl, eine Patientin mit Querschnittlähmung.

Die fünf Finger der rechten Hand. Mehr konnte Erika Eibl nicht bewegen, als sie im Krankenhaus aufwachte. Querschnittlähmung. „Sie werden nie wieder laufen können“, haben Ärzte ihr nach dem schweren Motorradunfall zu ihr gesagt. Ein Jahr später betritt sie den Raum, schüttelt Hände, lächelt. Und sagt: „Ich bin ein positiver Mensch.“ – so schildert es die Pressemeldung des Klinikums.

Der 27. Mai 2017 dreht Erika Eibls Leben auf links. Sie sitzt als Sozia auf dem Motorrad ihres Mannes. Der hat keine Chance. Der Traktor zieht einfach raus. Zwei Tage später wird sie nach Bayreuth, in das Zentrum für Querschnittlähmung an der Klinik Hohe Warte, verlegt. Pflegekräfte schieben sie auf einer Liege durch die Gänge, Rollstuhlfahrer kommen ihr entgegen. Ein Leben im Rollstuhl. „Das musst Du jetzt auch lernen“, denkt sie in diesem Augenblick.

Es ist eine inkomplette Querschnittlähmung, die sie bei dem Unfall erlitten hat. Das ist ihre Chance – und die des Teams des Querschnittzentrums an der Klinik Hohe Warte. Therapeuten arbeiten mit ihr, zu ihnen und zu den Pflegekräften fasst Erika Eibl tiefes Vertrauen, so die Pressemeldung weiter. Sie sind da, auch wenn die Seele mal schlapp macht. Die Experten vom Sozialdienst helfen, sorgen dafür, dass Erika Eibl im Alltag und in ihrem Haus wieder klar kommt.

„Ich bin eine Powerfrau“

Ein weiter Weg liegt hinter der starken und lebensfrohen Frau aus Rottau bei Passau. Heute kann sie zumindest ein Stück gehen, Darm und Blase funktionieren wieder, nur der rechte Arm ist noch steif, aber auch das hat sich mit einer Operation an der Hohen Warte gebessert. „Natürlich ist es nicht mehr wie früher“. Erika Eibl war Marktleiterin in einem Supermarkt. Arbeiten kann sie nicht mehr. Aber eines hat sich nicht verändert: „Ich bin eine Powerfrau.“

Erika Eibl ist eine der ersten Patientinnen mit Querschnittlähmung, die Dr. Rainer Abel, Chefarzt der Klinik für Orthopäde und Medizinischer Leiter des MZEB, am neuen Zentrum behandelte.

Und jetzt, da fast alle operativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind? Erika Eibl ist nicht allein. Sie ist eine der ersten Patientinnen des neuen Medizinischen Zentrums für Erwachsene mit Behinderung (MZEB), das an der Klinik Hohe Warte eingerichtet ist. Dieses Zentrum ist ein Versprechen: Wir lassen keinen unserer Patienten im Stich. Wir sind da für nahezu alle Belange. Und das auf Dauer, betont die Klinik in ihrer Veröffentlichung.

„Partner fürs Leben“

„Wir wollen fester Bestandteil des Lebens unserer Patientinnen und Patienten werden“, sagt Privatdozent Dr. Rainer Abel, Chefarzt der Klinik für Orthopäde und Medizinischer Leiter des MZEB. „Wir wollen sie regelmäßig sehen, und wissen, was sie beschäftigt. Denn unserer Erfahrung nach – und davon haben wir durch unsere Zentren an der Klinik Hohe Warte durchaus einige – wird dieser Austausch im Laufe der Jahre immer wichtiger.“ Mit dem Alter verändern sich die Aufgaben, vor denen Patientinnen und Patienten mit Behinderung stehen. Ihren Gesundheitszustand und ihr Können zu erhalten oder zu verbessern, „das ist einer unserer Ansprüche an uns selbst“, sagt Abel. „Wir möchten Ihnen zudem dabei helfen, Komplikationen und Folgekrankheiten zu vermeiden. Wir möchten sie beraten, unterstützen und zu Ihrer sozialen Teilhabe beitragen. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist außerdem die individuelle Hilfsmittelversorgung und Therapieoptimierung.“

 Versorgungslücke schließen

Und weil das Leben so vielfältig ist, ist es auch die Mannschaft, die im MZEB zusammenarbeitet. Neurologen und Orthopäden, Ergo- und Physiotherapeuten, Logopäden und Krankenpflegekräfte, die Mitarbeiter des Sozialdienstes und Psychologen, Orthopädietechniker und wenn nötig Experten aus zusätzlichen Fachbereichen über Kooperationspartner – all sie zusammen sind das MZEB. Und all diese Fachleute sind an der Klinik Hohe Warte mit einem ihrer Schwerpunkte auf Querschnittlähmung bereits tätig. Warum es ein solches Zentrum, von denen es in Bayern derzeit nur sieben gibt, braucht? Weil bislang eine Versorgungslücke klaffte. Nach Krankenhausaufenthalt und Anschlussbehandlung waren Menschen mit Behinderung darauf angewiesen, sich selbst zu helfen. Die richtigen Ärzte zu finden, gesundheitliche, psychische und auch mal ganz alltägliche Probleme zu bewältigen. Abel: „In einem Zentrum wie unserem bekommen Patientinnen und Patienten alles aus einer Hand. Wir haben die Expertise und wir nehmen uns Zeit.“

Erika Eibls großes Ziel

Erika Eibl nennt das MZEB „meine Rückversicherung. Ich weiß, wohin ich gehen kann. Ich habe Leute, denen ich vertraue, die mich und meine Geschichte kennen und die mir weiterhelfen.“ Auch mal in den ganz kleinen Dingen. Seit ein paar Tagen kann sie wieder Flaschen aufdrehen. Ein Tuch mit Noppen hilft, ganz simpel. Und mit ein wenig Hilfe aus dem MZEB will Erika Eibl jetzt einen großen Schritt in Richtung Selbstständigkeit gehen. „Ich möchte wieder Auto fahren. Und ich möchte aus dem, was ich kann, das Beste machen.“

Voraussetzungen

Mit dem MZEB können Interessierte aktiv Kontakt aufnehmen. Die Behandlung im MZEB Bayreuth ist an gesetzliche Rahmenbedingungen gebunden. Um diese zu erfüllen, sendet das MZEB vor Terminvereinbarung ein Fragebogen zu, oder Fragen werden am Telefon abgeklärt. Über Einzelheiten werden potenzielle Patienten telefonisch oder per Email informiert. Falls ein Termin vereinbart wird, sollten Patienten vorliegende Befunde und ihren Schwerbehinderten-Ausweis mitbringen – und, so die Klinik, vorab mit ihrem Arzt oder Therapeuten darüber sprechen, dass sie dieses Angebot nutzen möchten, denn die MZEB benötigt eine Überweisung.

Kontakt

Ärztliche Leitung: Chefarzt Privatdozent Dr. Rainer Abel
Neurologische Leitung: Chefarzt Prof. Dr. Patrick Oschmann
Orthopädische Leitung: Oberärztin Jessika Genrich

Klinik Hohe Warte
Hohe Warte 8
95445 Bayreuth

Tel: 0921/4004751 Fax: 0921/400 88 4751

Email: MZEB@klinikum-bayreuth.de

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