Gelesen: Die Fürstin auf der Erbse

Corsina Fürst schreibt ihre Erlebnisse vor und nach dem Eintritt ihrer Tetraplegie in „Die Fürstin auf der Erbse“ nieder. Das Besondere an diesem Buch: Parallel zu der realen Geschichte erzählt sie ein Märchen, das ihr Schicksal widerspiegelt.

„Die Fürstin auf der Erbse“ ist nicht nur wegen der ergänzenden Märchenerzählung kein klassischer Erfahrungsbericht. Fürst schreibt eine Mischung aus Biographie, Fabel, Geschichten, Lebensphilosophien, Reiseberichten und Gedanken zu diversen Themen. Von Fürst selbst gemalte Bilder, illustrieren das Buch auf mehreren Seiten.

Aus dem Inhalt

Die Autorin kommt ohne Umschweife zum Thema und berichtet zügig von ihrem Unfall, der Erstversorgung in Frankreich und der Rehabilitation im schweizerischen Nottwil. Ihre Lähmungshöhe ist C5, die Lähmung allerdings inkomplett, was zu großen Fortschritten noch innerhalb des 10-monatigen Aufenthaltes in der Klinik führt. Nach der Entlassung folgen allerdings Rückschläge psychischer Natur, die Fürst offen und ehrlich mit dem Leser teilt. Auch ihre Erfahrungen mit später einsetzender Spastik und Schmerzen schildert sie, sowie ihre Blasen- und Blutdruckprobleme. Ein Hauptaugenmerk des Buches liegt aber vor allem darauf, wie Fürst ihren neuen Alltag gestaltet und wie sie trotz ihrer Einschränkungen ein erfülltes Leben führt. Einen Ausgleich zu ihrem Beruf, den sie nicht mehr ausüben kann, findet sie in der Kunst. Ihre Kreativität lebt sie beim Schreiben und Malen aus. Sie sagt: „Kreative Arbeit, deren Ergebnis ich anschauen, anfassen und gebrauchen kann, macht mich zufriedener als eine Tätigkeit, die unsichtbar bleibt.“ Wie sie ihr Leben nach Eintritt der Querschnittlähmung organisiert und in welchen Quellen sie Kraft findet, kann Lesern Inspiration für eine Weiterentwicklung im eigenen Leben bieten.

Eine Liebeserklärung

„Die Fürstin auf der Erbse“ ist eine Liebeserklärung an das Leben, an Fürsts Mann und ihre Freunde – und vor allem an das Tessin. Der Enthusiasmus, mit der Fürst über ihre Wahlheimat, die Landschaft, das Essen, die Sprache und die Menschen schreibt, lässt im Leser keinen Zweifel aufkommen, wie sehr die Autorin das Tessin liebt, und lässt vermuten, dass ihr das Leben dort bei der Rekonvaleszenz nicht unmaßgeblich geholfen haben könnte.  Ein Hinweis darauf, dass das Umfeld bei der Rehabilitation nach Eintritt einer Rückenmarksverletzung und vor allem auch der Aufenthalt in der Natur bei der Verarbeitung von Traumata eine wichtige Rolle spielen kann.

Das Buch

  • Die Fürstin auf der Erbse. Ein kaleidoskopischer Blick auf das Leben einer Tetraplegikerin.
  • Von: Corsina Fürst
  • Seiten: 180
  • ISBN: 978-3746039602
  • Preis: ca. 13 Euro (Stand: Sept. 2019)

Die Autorin

Corsina Fürst wurde im deutschen Rottweil geboren und wanderte nach ihrer Ausbildung zur Physiotherapeutin 1993 ins schweizerische Tessin aus, wo sie heute mit ihrem italienischen Ehemann lebt. 2011 zog sie sich bei einem Verkehrsunfall eine inkomplette Tetraplegie zu. Ihre Leidenschaft gehört neben Familie und Freunden der dichterischen und gestalterischen Kunst. In einem Vorwort schreibt sie: „Ein schwerer Unfall im August 2011 hat mein Leben schlagartig verändert. Seither habe ich bedeutend mehr Zeit als die meisten Menschen in meinem Alter. … Zeit zum Philosophieren, um Rückschau zu halten, um nach dem Sinn des Lebens Ausschau zu halten… Zeit zum Sein.“  Mit ihrem Buch will sie „helfen, trösten, aufrütteln, beruhigen, Ängste nehmen, Sichtweisen verändern, Frieden stiften…“.  Ihre Geschichte illustriert sie mit eigenen Bildern.

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