Zehn Forderungen zur Versorgung von Menschen mit Querschnittlähmung

Am 5. September ist der Internationale Tag der Querschnittlähmung und zeitnah stellen vier Fachgesellschaften zehn Forderungen zur Versorgung von Menschen mit unfall- und erkrankungsbedingter Querschnittlähmung sowie mit querschnittlähmungsbedingten Komplikationen in Deutschland vor.

Die Deutschsprachige Medizinische Gesellschaft für Paraplegiologie (DMGP) erarbeitete in Assoziation mit der Deutschen Gesellschaft für Physikalische und Rehabilitative Medizin (DGPRM) unterstützt von der Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland e.V. (FGQ) und der Deutschen Stiftung Querschnittlähmung (DSQ) zehn Forderungen, die die Versorgung von Menschen mit Querschnittlähmung in Deutschland verbessern sollen.

Basierend auf dem WHO-Bericht International Perspectives in Spinal Cord Injury, den WHO-Empfehlungen Rehabilitation in Health Systems und den ersten Ergebnissen der Studie zur Lebens- und Versorgungssituation von Menschen mit Querschnittlähmung in Deutschland (GerSCI) muss die hoch spezialisierte medizinisch-rehabilitative Versorgung für Menschen mit Querschnittlähmung in Deutschland weiter verbessert werden.

Insbesondere muss sichergestellt werden, dass

  1. in allen Regionen Deutschlands spezialisierte Behandlungszentren für Menschen mit Querschnittlähmung nach Richtlinien der DMGP verfügbar sind. Nur damit kann eine heimatnahe Versorgung gewährleistet werden.
  2. eine heimatnahe Versorgung gewährleistet ist. Sie muss die reibungslose Wiedereingliederung unter Einbeziehung des sozialen Umfeldes in den Behandlungsablauf sicherstellen.
  3. alle Patient/innen mit Querschnittlähmung zur Gewährleistung der spezifischen Erfordernisse umgehend in ein spezialisiertes Behandlungszentrum (siehe oben genannte Richtlinien), verlegt werden.
  4. ein Behandlungszentrum für die erforderliche langfristige Behandlung erreichbar ist.
  5. auch im ambulanten Bereich spezialisierte fachärztliche Versorgung, Pflege und Therapie im Rahmen der erforderlichen ganzheitlichen lebenslangen Nachsorge zur Verfügung stehen.
  6. es keine Bereiche funktioneller Einschränkungen (Blase – Darmfunktion, Sexualität, vegetative Funktionen wie Atmung, Blutdruck und Körpertemperatur) gibt, für die ambulant keine Behandlungsmöglichkeit vorgehalten wird. Dies sollte u.a. durch spezifische Fortbildungen der Gesundheitsdienstleister gewährleistet werden.
  7. eine flächendeckende heimatnahe Versorgung mit Hilfsmitteln auf adäquatem, den individuellen Funktionseinschränkungen entsprechenden, Qualitätsniveau sichergestellt ist.
  8. die Versorgung unabhängig vom zuständigen Leistungsträger (Kostenträger) für alle Menschen mit Querschnittlähmungen Mindeststandards für Qualität und Intensität aufweist.
  9. die Barrierefreiheit im öffentlichen Bereich weiter verbessert wird,
    – insbesondere was den öffentlichen Personenverkehr angeht, so dass Menschen mit Rollstühlen selbstständig und ohne fremde Hilfe alle Verkehrsmittel benutzen können (Verbesserungsbedarf besteht insbesondere im Bahnverkehr und bei Fernbussen).
    – damit ein barrierefreier Zugang zu allen medizinischen Versorgungsbereichen möglich ist.
    – so dass auch Wohnungen, die nicht von Menschen mit Behinderung bewohnt werden, leichter zugänglich werden (z.B. Wohnungen von Freunden, Bekannten und Familienangehörigen von Menschen mit Querschnittlähmungen).
  10. die berufliche Rehabilitation (Teilhabe am Arbeitsleben) und Inklusion deutlich gestärkt werden.

Die Forderungen wurde an das Bundesministerium für Gesundheit übergeben und wird in einer gemeinsamen Sitzung am 5. September thematisiert werden.

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