Neue 3D-Technik im Kampf gegen Dekubitus

Der Einsatz von 3D-Kameras, Tablet-Computern und Algorithmen soll die Behandlung von Druckstellen und -geschwüren erleichtern und verbessern. An einem US-Krankenhaus laufen derzeit Tests mit der neuen Technologie.

Forscher Dr. Matthew Peterson und Krankenschwester Trina Dickert verwenden ein experimentelles 3D-System zur Messung von Dekubitus – für Menschen mit Querschnittlähmung ein häufiges Problem.

Forscher des US-Veteranenministeriums (U.S. Department of Veterans Affairs, VA) arbeiten an dem innovativen computergestützten System, mit dem Tiefe, Umfang und Volumen von Druckstellen und -geschwüren exakter als bisher gemessen werden können. Die Praxistests mit dem 3D-System werden am A. Haley Veterans Hospital in Tampa, Florida, durchgeführt.
Dekubiti sind schmerzhafte Verletzungen der Haut und des darunterliegenden Gewebes, die durch einen längeren Druck auf die Haut verursacht werden. Menschen mit Querschnittlähmung haben aufgrund von Immobilität und anderen Risikofaktoren ein hohes Risiko, derartige Druckgeschwüre zu entwickeln. Die Wunden treten am häufigsten um knöcherne Körperregionen wie Fersen, Knöchel, Hüften und Steißbein auf (siehe auch: Entstehung von Druckstellen). Je ausgeprägter ein Dekubitus ist, desto größer sind im Allgemeinen auch die Anforderungen an die Wundversorgung, um ihn wieder abheilen zu lassen (siehe auch: Dekubitus-Behandlung).

3D-Kameras, Tablet-Computer und Algorithmen erstellen ein möglichst realistisches Bild des Dekubitus.

Um das Ausmaß der Gewebeschädigung festzustellen, wird meist auf manuelle Methoden zurückgegriffen: Der Umfang der Wunde wird z. B. mit einer Folie mit Größenraster, die Tiefe mit einem sterilen Watteträger, das Volumen durch sog. Auslitern (Auffüllen mit einer sterilen Flüssigkeit) ermittelt, der Heilungsverlauf anhand von Fotos dokumentiert. „Diese Art der Messung kann kleine Verbesserungen oder Verschlechterungen auf der gesamten Oberfläche nicht genau nachweisen und berücksichtigt keine Änderungen der Wundtiefe“, sagt Dr. Matthew Peterson, ein biomedizinischer Ingenieur, der die Tests mit dem computerbasierten System leitet. „Aber eine genaue Messung des Dekubitus ist für Ärzte von entscheidender Bedeutung, um den Schweregrad der Wunde und den Grad der Gewebeschädigung genau zu bestimmen und festzustellen, ob die aktuellen Behandlungsstrategien wirksam sind.“

Der Testleiter weiter: „Wenn die Größe des Dekubitus im Laufe der Zeit abgenommen hat, heilt die Wunde. Wenn die Größe jedoch gleichbleibt oder zunimmt, ist die Behandlung möglicherweise nicht wirksam und muss geändert werden. Daher hängt eine wirksame Behandlung von zuverlässigen und gültigen Messungen der Dekubitus ab. Frühzeitiges Eingreifen, um eine Verschlechterung der Situation zu verhindern, ist entscheidend für die Verbesserung der Patientenergebnisse und die Senkung der Kosten.“

Peterson testet eine Technologie, die – so die Hoffnung – objektiver und zuverlässiger ist als die derzeitigen Systeme. Ein Beispiel: Der Punkt, der mit einem manuellen System als tiefster Punkt des Dekubitus markiert wird, müsse nicht unbedingt tatsächlich der tiefste Punkt der Wunde sein, da ein Dekubitus unregelmäßig geformt sein könne. Das neue System sei entwickelt worden, um diesen Punkt genauer zu markieren. Das System erfasst 3D-Bilder mit einer auf einem Tablet montierten Kamera. Ein Algorithmus wertet Farbe, Geometrie und Formation der Wunde aus, um deren Länge, Breite und Tiefe zu bestimmen.

„Diese digitale Technik erfasst im Grunde genommen das gesamte Bild und nicht nur Teile davon“, sagt Peterson. „Wir bestimmen den gesamten Umfang und Durchmesser, anstatt nur ein Maß für die Länge, ein Maß für die Breite und ein Maß für die Tiefe zu haben. Im Wesentlichen ist es unser Ziel, die Größe der Wunde anhand ihrer gesamten Merkmale zu determinieren.“

Informationen zum Thema Dekubitus-Prophylaxe in den Beiträgen:

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