Darmmanagement: Diese sechs Punkte unterstützen eine geplante und regelmäßige Entleerung

Das Ziel des Darmmanagements ist klar: Eine regelmäßige und vor allem geplante Entleerung des Darms. Und schnell gehen soll es auch, die einzelne Sitzung optimalerweise nach einer halben bis drei viertel Stunde beendet sein. Dazwischen soll Ruhe, sprich: Kontinenz, herrschen. Dafür können Menschen mit Querschnittlähmung auch ohne chemische Unterstützung einiges tun.

Die Feinjustierung des Darmmanagements begleitet Menschen mit Querschnittlähmung ein Leben lang. Immer wieder sollte es den Lebensumständen, der persönlichen Mobilität und der psychischen und physischen Verfassung angepasst werden. Der Lohn der Achtsamkeit: Mitunter steigert sich die Lebensqualität deutlich: Wer bisher aus Angst vor einem Malheur Treffen mit anderen Menschen mied oder zumindest in Alarmbereitschaft war, weil gleich etwas in die Hose gehen könnte, kann wieder unbeschwert bei der Arbeit oder im Café sitzen.

Hinzu kommt ein Plus an Zeit: Bei manchem Betroffenen klingelt der Wecker dank Darmmanagement morgens zwei Stunden später als bisher, weil er quälend lange – oft zudem ergebnislose – Sitzungen auf der Toilette durch geplante Entleerungen ersetzen konnte.
Um diese positiven Effekte zu erreichen, will der Darm und alles, was mit ihm zusammenhängt, bei Laune gehalten und gepflegt werden. Aber manchmal braucht er auch klare Regeln. Deshalb unser erster Punkt für ein gelungenes Darmmanagement:

1. Erziehung: Regelmäßigkeit ist Trumpf

In diesem Punkt ist der Darm wie ein kleines Kind: Er liebt Regeln und klare Strukturen. Für Menschen mit Querschnittlähmung, die ihren Schließmuskel nicht kontrollieren können und keinen Stuhldrang spüren, gilt: Was nicht willentlich geschehen kann, sollte durch einen festgelegten, exakten Zeitplan auf den Weg gebracht werden.

Feste Essenszeiten, ein fester Abführrhythmus, auf jeden Fall immer dieselbe Zeit, zu der man ins stille Örtchen verschwindet oder der Körper zur Darmentleerung in die Seitenlage gebracht wird, helfen dem Darm dabei, seinen Job zu tun. Das Zentrum für Paraplegie der Universitätsklinik Balgrist betont in einer Publikation: „Um eine Kontinenz und eine regelmäßige Darmfunktion zu erreichen bzw. zu erhalten, muss das sogenannte Darmtraining gemäß einem festgelegten Zeitplan zur jeweils gleichen Tageszeit stattfinden. Dies kann täglich, jeden zweiten Tag oder dreimal wöchentlich sein. Das ist insofern wichtig, als jede Änderung des eingespielten Rituals zu einem Verlust der Kontrolle über den Stuhlgang und damit zu unangenehmen Zwischenfällen führen kann.“

2. Starthilfe: Den gastrokolischen Reflex nutzen

Damit der Darm zu einem Zeitpunkt, der einem selbst passt, in die Gänge kommt, kann man ihm eine Starthilfe geben – das Organ lässt sich gerne vom sog. gastrokolischen Reflex unterstützen. Ganz vereinfacht gesagt: Wenn oben etwas reinkommt, will unten auch etwas rauskommen. Der Magen meldet dem Dickdarm: Achtung! Gleich kommt neuer Stoff für Dich! Woraufhin der Darm in die Gänge kommt und seinen Inhalt Richtung Enddarm schiebt.

Wer etwa eine halbe Stunde vor seinem geplanten Entleerungstermin etwas zu sich nimmt – egal, ob ein Glas Wasser, eine Tasse Kaffee, ein Leberwurstbrot oder ein veganes Müsli – animiert die Muskeltätigkeit des Darms: Er transportiert mit peristaltischen Bewegungen seinen Inhalt Richtung Ausgang. Wer diesen Effekt, ausnutzt und in seine Morgen-, (Mittag- oder Abend-)Routine einbaut, hat seinem Darmmanagement ein wichtiges Element hinzugefügt. (Siehe auch: Tipps für das „große Geschäft“ bei Querschnittlähmung)

3. Streicheleinheiten: Massagen bringen den Darm auf Trab

Wer so hart arbeiten und sich an so viele Regeln halten muss, wie der Darm, hat sich Streicheleinheiten verdient, zum Beispiel eine Colon-Massage. Das Colon ist der mittlere Abschnitt des Dickdarms, beginnt nach dem Blinddarm und geht in den Mastdarm über – endet also da, wo der Körper den Stuhl zwischenspeichert, bevor er ihn ausscheidet. Man ahnt es: Wenn die Region des Colons getätschelt und stimuliert wird, tut sich was in Sachen Stuhlgang. Die Colonmassage gilt als sanfte Methode, um diesen Bereich in Bewegung zu bringen und wird von Masseuren oder Physiotherapeuten durchgeführt (mehr dazu im Beitrag: Colonmassage: Gegen die Verstopfung).

Das Zentrum für Paraplegie der Universitätsklinik Balgrist hingegen empfiehlt, den Darm konsequent während der Stuhlentleerung durch eine Massage der Bauchdecke zu unterstützen: Diese Massage solle dabei dem Verlauf des Dickdarms folgen und am rechten Unterbauch beginnen. Von dort aus massiert man im Uhrzeigersinn erst nach oben und dann nach links unten. Besonders effektiv sei es dabei, den absteigenden Teil des Dickdarms zu massieren.

4. Bewegung: Rüttelt den Darm wach

Weiß jeder, darf aber dennoch nicht unerwähnt bleiben: Bei Menschen mit Querschnittlähmung spielt Bewegung eine große Rolle, auch, wenn es darum geht, den Darm in Bewegung zu bringen. Bereits das Fahren im Rollstuhl kann den Darm stimulieren – jede kleine Bodenunebenheit, über die man fährt, rüttelt ihn ein bisschen wach und nimmt so Einfluss auf die Peristaltik. (Siehe auch: Sieben Fakten zur Prävention von Verstopfungen bei Querschnittlähmung)

5. Essen und Trinken: Die richtige Mischung macht´s

Die Ernährung spielt eine große Rolle beim Thema Darmmanagement. Hier ist Selbstbeobachtung gefragt: Den einen macht Schokolade glücklich, der andere lässt sie liegen, weil sie ihm Verstopfung beschert. Der eine liebt Linseneintopf, der andere meidet ihn wegen drohender Blähungen.

Wer zu Verstopfungen neigt, genießt Lebensmittel, die im Ruf stehen, stopfend zu wirken – wie Schokolade, Fast Food oder Weißmehlprodukte – am besten nur in Maßen. (siehe auch: Sieben Lebensmittel, die man bei der Tendenz zur Verstopfung meiden sollte) Andererseits kann eine geschickte Nahrungsauswahl durchaus verdauungsfördernd wirken: Wer gerne Gemüse ist oder Obst wie Rhabarber oder Pflaumen und dazu ein Glas Buttermilch trinkt, sorgt für Bewegung im Bauchraum.

Letztere wird auch durch Ballaststoffe, die in der Nahrung stecken, angeregt. Menschen mit Querschnittlähmung sollten etwa 25 bis 30 Gramm Ballaststoffe am Tag zu sich nehmen, die z. B. in Müsli, Vollkornprodukten, Obst oder Gemüse stecken. Denn diese auch Nahrungsfasern genannten Stoffe verändern Stuhlkonsistenz und -volumen, reizen die Darmwand, regen die Peristaltik an und sorgen so dafür, dass sich im Verdauungstrakt was tut. (Siehe auch: Ballaststoffe für die Verdauung)

Wer seinen Darm bei seiner Arbeit unterstützen und seine Ernährung vollwertiger und ballaststoffreicher gestalten will, sollte die Umstellung langsam angehen: Der Verdauungstrakt braucht seine Zeit, sich an eine größere Menge Ballaststoffe zu gewöhnen. Wer ihm zu schnell zu viel des Guten zumutet, riskiert eine Verstopfung – oder zumindest vermehrte Blähungen.

Untrennbar mit dem Thema verbunden: Die Trinkmenge. Wer auf eine faserreiche Kost umstellt, sollte rund zwei Liter Kalorienfreies am Tag trinken, damit die Ballaststoffe genügend Flüssigkeit haben, um aufzuquellen und so den Darm bei seiner Transportarbeit zu unterstützen.

6. Analstimulation und -stretching: Sanfte Reize für die Darmwand

Näher am Ort des Geschehens ist man bei kaum einem anderen Teil des Darmmanagements: Bei der Rektalstimulation (auch Analstimulation genannt) wird ein Finger – geschützt von einer Fingerhülle oder einem Einweghandschuh – in den Anus eingeführt und mit vorsichtigen, kreisenden Bewegungen leichter Druck auf die Darmwand ausgeübt. Der Effekt: Die Reizung löst den Entleerungsreflex aus. Die Darmstimulation sollte 15 bis 20 Sekunden dauern und kann nach jeweils 5 bis 10 Minuten wiederholt werden, bis der Darm vollständig entleert ist.

Bei spastischem Schließmuskel kann der Anus auch mit ein oder zwei Fingern gedehnt werden (Analstretching), so dass der Schließmuskel sich öffnet.

Einige querschnittgelähmte Menschen berichten zudem vom positiven Effekt einer Damm-Massage: Dabei wird auf die Region zwischen After und Geschlechtsorganen sanfter Druck ausgeübt. Diese Akkupressur kann laut Ärztezeitung dazu beitragen, verhärteten Stuhl aufzubrechen sowie den Schließmuskel und die puborektale Muskulatur (Teil des Beckenbodens) zu entspannen.

Obengenannte sechs Faktoren und Maßnahmen können das Darmmanagement und eine regelmäßige und kontrollierte Darmentleerung fördern. Informationen zum Thema Darmentleerung sowie Methoden und Mittel zur Unterstützung der Darmentleerung in den Beiträgen:


Bei Fragen und Unsicherheiten zum Thema Darmmanagement können Betroffene sich an das Beratungszentrum Ernährung und Verdauung Querschnittgelähmter wenden. Dort wird in einem ausführlichen Erstgespräch die individuelle Problematik eingegrenzt und schrittweise Maßnahmen vorgeschlagen, die zur Besserung der Situation beitragen. Der Betroffene wird dabei über einen längeren Zeitraum meist telefonisch begleitet. Die Beratungsgespräche sind für Menschen mit Querschnittlähmung sowie Angehörige oder Pflegende kostenfrei.

Mehr Informationen zur Arbeit des Beratungszentrums in den Beiträgen Beratung bei neurogener Darmfunktionsstörung sowie Leben mit Querschnittlähmung: „Das Darmmanagement kann ein großes Problem sein.“

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