Wheelmap: Interaktive Karte mit barrierefreien Orten

Oft entscheiden die letzten Meter in Form von Stufen oder zu schmalen Eingangstüren, ob Rollstuhlfahrer tatsächlich ins Restaurant, Kino oder die Apotheke gelangen können. Die Lösung: Die Wheelmap – eine Karte für rollstuhlgerechte Orte, in der jeder rollstuhlgerechte Orte finden, eintragen und bewerten kann. Über 1 Million Cafés, Bibliotheken, Schwimmbäder und viele weitere öffentlich zugängliche Orte sind erfasst, laut wheelmap.org kommen täglich über 300 hinzu.

2010 wurde dieses Konzept von dem Berliner Raúl Krauthausen ins Leben gerufen und seither mehrfach ausgezeichnet. Selbst Rollstuhlfahrer, entwickelte er das Projekt aus dem Wunsch nach größerer räumlicher Flexibilität heraus: „Ein Freund hatte sich beschwert, dass wir uns immer in demselben Café treffen müssen. Wir beide wussten aber nicht, in welchem anderen Café ein Treffen überhaupt möglich wäre, ohne eine Stufe am Eingang zu haben, die man mit einem Rollstuhl nicht überwinden kann.“ Inzwischen gibt es nicht nur die auf der Online-Karte Open StreetMap basierende Wheelmap, sondern auch eine dazugehörige App, die kostenfrei heruntergeladen werden kann. Am Rechner oder mobil über ein Smartphone lassen sich Cafés und Restaurants, Bibliotheken und Theater, Parkhäuser und viele andere öffentliche Orte auf ihre Zugänglichkeit hin abrufen oder neu eintragen und bewerten.

Grünes Licht für Rollifahrer

Die Karte ist ein internationales Projekt, etwa ein Drittel der eingezeichneten Orte liegt nicht in Deutschland, die Angaben sind in 32 Sprachen verfügbar. Das zugrunde liegende System ist mit dem des Online-Lexikons Wikipedia vergleichbar, der Erfolg des Projekts beruht auf der Beteiligung möglichst vieler Menschen, die Orte in die Karte eintragen. Aktuell (Stand: Dezember 2020) sind 1 Million Orte auf der Karte bewertet, die Mehrzahl davon als „voll rollstuhlgerecht“. Ein einfaches Ampelsystem, so erklärt es die Organisation auf ihrer Webseite, kennzeichnet die Rollstuhlgerechtigkeit eines Ortes: Grün stehe für einen uneingeschränkten Zugang – etwa weil keine Stufen vorhanden sind oder weil eine Rampe, ein Aufzug oder andere Hilfsmittel den Eintritt ermöglichen. Orange markierte Orte haben max. eine Stufe (nicht höher als 7 cm) und die wichtigsten Orte sind stufenlos erreichbar. Orte, die rot angezeigt werden, können von Rollstuhlfahrern nicht betreten werden. „Außerdem kann man individuelle Kommentare eintragen,“wird Mit-Initiator Krauthausen zitiert.“ Das sind in der Regel weitere Detailinformationen wie zum Beispiel „Zugang über die Terrasse ist möglich“. Uns war es wichtig, die Anwendung und das Einfügen der Daten so einfach wie möglich zu machen, damit sich auch technisch nicht so versierte Leute einbringen können.“

Ein Projekt der Sozialhelden

Die Wheelmap ist ein Projekt des gemeinnützigen Vereins (externer Link) Sozialhelden e.V., einem Netzwerk mit Sitz in Berlin, das seit 2004 einmalige Projekte, aber auch fortlaufende Aktionen im sozialen Bereich initiiert. Die meisten drehen sich um das Zusammenleben von behinderten oder kranken und gesunden Menschen, um Berichterstattung über Behinderung oder darum, auf Missstände zu verweisen. Ein Beispiel für die Arbeit des Vereins sind die sogenannten Wheelramps, mobile Rampen, die bis zu 30 cm hohe Hindernisse überwinden können. Für mehr Informationen zur Rollstuhlrampe siehe Beitrag Auf neuen Wegen mit Wheelramp.

Weiteres Beispiel: Mit dem Projekt „Elevate“ werden seit 2018 auch Informationen zu funktionierenden Fahrstühlen im öffentlichen Nahverkehr angezeigt. Siehe auch Beitrag Bundesweite Informationen zur Aufzugsstörungen: Wheelmap erweitert Angebot.