Mögliche Ansprüche bei Querschnittlähmung wegen ärztlicher Behandlungsfehler

Eingriffe im Bereich der Wirbelsäure eines Patienten bergen, durch die Nähe zum Rückenmark, ein großes Risiko. Dadurch wirken sich ärztliche Behandlungsfehler häufig enorm aus. In einer Pressemitteilung erklären die Mitarbeiter von Rechtsanwälte Gellner & Collegen welche Ansprüche geltend gemacht werden können.

Ein ärztlicher Behandlungsfehler kann zu massiven körperlichen Schäden und Einschnitten in das persönliche und wirtschaftliche Leben des Patienten führen. Gerade Eingriffe im Bereich der Wirbelsäule bergen ein hohes Potenzial, zu teilweise erheblichen Nervenschäden bis hin zur Querschnittlähmung zu führen. Bei vielen Eingriffen im Rückenbereich, insbesondere im Bereich der Wirbelsäule befindet sich der operierende Arzt in unmittelbarer Nähe des Rückenmarks. Verletzungen in diesem Bereich können verheerende Folgen für den Patienten haben. Fälle, in denen nach einer Rücken- bzw. Wirbelsäulenoperation Lähmungserscheinungen bis hin zur Querschnittlähmung auftreten, sind zwar relativ selten, kommen aber immer wieder vor. Für den Patienten, welcher sich durch die Operation zumeist eine Linderung oder Beseitigung seiner Rückenbeschwerden erhofft hat, ist die Situation in derartigen Fällen katastrophal. Er wird nicht allzu selten aus seinem kompletten bisherigen beruflichen und privaten Leben gerissen.

Welche Schmerzensgeldansprüche können geltend gemacht werden?

Sollte ein ärztlicher Behandlungsfehler oder ein Aufklärungsdefizit als Ursache für den Schaden festgestellt werden, können finanzielle Ausgleichsansprüche (Schmerzensgeld und Schadensersatz) geltend gemacht werden. Diese können dem Patienten seine Lebensqualität allenfalls unzureichend zurückbringen, selbst wenn die Ansprüche im Einzelfall in 6- bis 7-stellige Bereiche gehen. Schmerzensgeldansprüche bestehen bei einer Querschnittlähmung, je nach Grad und Ausprägung der Lähmung und je nach dem Alter des Patienten. Unter einem Schmerzensgeldanspruch versteht man einen beabsichtigten Ausgleich für nicht-vermögensrechtliche, sogenannte immaterielle Einbußen. Die Summen bewegen sich in der Regel im 6-stelligen Bereich, also in einer Größenordnung von 100.000 Euro aufwärts.

In der Rechtsprechung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine Tendenz zur Ausurteilung deutlich höherer Schmerzensgelder herausgebildet. So wurde z. B. für eine Querschnittlähmung vom 11. und 12. Brustwirbel abwärts, die auf einem ärztlichen Behandlungsfehler beruht, im Jahre 1995 noch ein Schmerzensgeld in Höhe von umgerechnet lediglich 65.000 Euro zugesprochen (OLG Schleswig-Holstein).

In der heutigen Zeit sind für vergleichbare Verletzungen und Schädigungen in der Regel mindestens die doppelten Beträge möglich. Schwerste Querschnittlähmungen führen heutzutage zu Schmerzensgeldern durchaus im Bereich von bis zu 500.000 Euro. So hat das Landgericht Kiel bereits im Jahr 2003 für eine Querschnittlähmung ab dem 1. Halswirbel abwärts ein Schmerzensgeld in Höhe von 500.000 Euro zuerkannt. Ferner eine fortlaufende Schmerzensgeldrente.

Auch wenn sich derartige Beträge recht hoch anhören mögen: Die materiellen Ansprüche, also die vermögensrechtlichen Schadensersatzbestandteile, können im Falle von Querschnittlähmungen noch deutlich höher ausfallen. Man stelle sich z. B. den Fall vor, dass ein Patient in jungen Jahren eine Querschnittlähmung erlitten hat. Dadurch ist er derart schwer geschädigt, dass er keinerlei Erwerbstätigkeit mehr ausüben kann, seinen Haushalt nicht mehr führen kann und auf Pflegeleistungen angewiesen ist. Bereits bei einem Nettojahreseinkommen in Höhe von 30.000 Euro summieren sich die Verdienstausfälle bis zum (hypothetischen) Zeitpunkt des Renteneintritts auf deutlich über 1 Mio. Euro. Ansprüche auf Ersatz eines Haushaltsführungsschadens sowie Pflegekosten, welche nicht über Sozialversicherungen kompensiert werden können, kommen noch einmal hinzu. Auch diese Ansprüche können über Jahrzehnte hinweg deutliche 6-stellige Ausmaße annehmen. Vor diesem Hintergrund sind dann weitere Schadenspositionen wie z. B. Aufwendungen für den behindertengerechten Umbau des Wohnumfeldes im Vergleich fast schon als gering anzusehen.

Siehe auch: Drei Urteile: Schmerzensgeld bei Querschnittlähmung

Rechtsbeistand

Rechtsanwälte, welche sich schwerpunktmäßig mit dem Bereich des Arzthaftungsrechts befassen, werden im Falle einer Querschnittlähmung, die durch einen ärztlichen Behandlungsfehler verursacht worden ist, aufgrund ihrer vertieften Kenntnisse im Bereich des Schadensrechts auch sämtliche in Betracht kommenden immateriellen und materiellen Ansprüche des Betroffenen berechnen und insbesondere darauf achten, dass auch zukünftige Schadensersatzansprüche abgedeckt sind.

Die Kosten für Rechtsstreitigkeiten, welche die Folge eines Schadensfalls mit Querschnittlähmung darstellen, können erheblich sein. Sie machen in der Regel mehrere 10.000 Euro aus. Daher empfiehlt sich der Abschluss bzw. der Besitz einer Rechtsschutzversicherung. Diese Rechtsschutzversicherung muss aber bereits zum Zeitpunkt des Schadenfalls bestanden haben.

Eine Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Rechtsbeistand kann folgender Beitrag bieten: Wie finde ich einen Anwalt, der Experte für Schwerbehindertenrecht ist?

www.der-querschnitt.de nimmt keine Rechtsberatungen vor.

 

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