Nutri-Score – Einfache Nährwertkennzeichnung bei Lebensmitteln

Nutri-Score ist ein System zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln, bei dem eine fünfstufige Farb- und Buchstabenskala einen Überblick über die Nährwertqualität eines Lebensmittel liefern. Eine Einführung in Deutschland ist vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geplant.

Das Active 02 von Adelholzener kommt leicht und sportlich daher – der Nutri-Score zeigt jedoch auf einen Blick, dass dieses Getränk aufgrund des hohen Zuckergehalts keineswegs ein gesunder Durstlöscher ist.

Der Nutri-Score wurde im Jahr 2017 von den französischen Gesundheitsbehörden ins Leben gerufen. Die wissenschaftliche Grundlage lieferten Ernährungswissenschaftler aus Großbritannien und Frankreich. Sein Ziel ist es, eine Orientierung beim Kauf von Lebensmitteln zu geben und dadurch das Bewusstsein hinsichtlich einer ausgewogenen Ernährung zu steigern. Insbesondere erleichtert er die Unterscheidung ähnlicher Lebensmittel. Wie in den folgenden, von Foodwatch.org zur Verfügung gestellten Beispielen:

Zwei Corny-Müsliriegel, aber nur einer ist eine ausgewogene Zwischenmahlzeit: Corny Free enthält kaum gesättigte Fette und Zucker, dafür viele Proteine und Ballaststoffe – deshalb trägt er den Nutri-Score B. Corny Milch dagegen enthält mehr Zucker und Fett als eine Schoko-Sahne-Torte – der Nutri-Score entlarvt ihn auf einen Blick.

 

Kellogg`s Incredible 2 / Kellogg`s Unicorn Froot Loops: Beide Frühstücksflocken von Kellogg’s werden mit bunten Bildern an Kinder beworben – doch die Inhaltsstoffe unterscheiden sich deutlich. Bei fast gleicher Kalorienanzahl enthalten die Froot Loops deutlich mehr Zucker und Salz und deutlich weniger Ballaststoffe als das mit Disney-Figuren beworbene Produkt.

Arla bio Nur Erdbeere / Mövenpick (Bauer) Erdbeere Feinjoghurt: Der Mövenpick Erdbeere Feinjoghurt enthält doppelt so viel Zucker, doppelt so viele Kalorien und vier Mal so viel gesättigte Fette wie der Arla Erdbeerjoghurt. Der Nutri-Score zeigt auf einen Blick, welcher Joghurt die gesündere Wahl ist.

 

Gutfried Putenbrust / Gutfried Putensalami: Die Puten-Salami enthielt über 18 Mal so viel gesättigte Fettsäuren und drei Mal so viele Kalorien wie die Putenbrust von Gutfried, auch der Salzgehalt ist deutlich höher – der Nutri-Score erleichtert auch hier die gesündere Wahl.

Ein „Ja.“ zur Einführung

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, die im September 2019 die Einführung des Nutri-Scores ankündigte, sagt: „Der Wunsch der Verbraucher nach mehr Sicherheit und Transparent beim Kauf von Lebensmitteln – das zeigen die Ergebnisse – ist groß. Für viele erscheint es bisher schwer, beim Thema „gesunde Ernährung“ vieles richtig zu machen und sich sicher bei der schnellen Kaufentscheidung zu fühlen. Gerade in einer Zeit, in der vermehrt zu Fertigprodukten gegriffen wird, die teilweise zu viel Zucker, Salz oder Fette enthalten. Das hat gesundheitliche, aber auch volkswirtschaftliche Folgen, die ich nicht hinnehmen will. Mit dem Nutri-Score soll es nun eine Kennzeichnung auf der Vorderseite geben, die viele der Anforderungen erfüllt, die die Verbraucher an ein zusätzliches Nährwertkennzeichen formulieren: Er ist auf den ersten Blick erfassbar, leicht zu verstehen und nutzt die eingängige, bereits gelernte Farbwelt einer Ampel. Der Nutri-Score lässt dabei zwar keine Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Nährwerte zu. Verbraucher erwarten vor allem aber eine zusammenfassende Bewertung, die schnelle Orientierung gibt. Weitere Informationen kann man weiterhin der Nährwerttabelle sowie der Zutatenliste entnehmen.“

Ein entsprechender Verordnungsentwurf wird nach Angaben des BMEL zeitnah vorgelegt werden.

Vergleichbarkeit erleichtern

Für Menschen mit Querschnittlähmung ist eine verbesserte Übersicht hinsichtlich des Nährwertes von Nahrungsmittel besonders wichtig, da der verringerte Grundumsatz (siehe: Ernährung und Energiebedarf bei Querschnittlähmung) das Risiko von Übergewicht erhöht (siehe: Was tun bei Übergewicht? Abnehmen bei Querschnittlähmung).

Ärzteverbände, medizinische Fachgesellschaften und Verbraucherorganisationen fordern schon seit langem verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht – eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben ist dabei ein wichtiger Baustein. In Ermangelung einer verbindlichen EU-weiten Regelung haben inzwischen mehrere Länder Ampelkennzeichnungen auf freiwilliger Basis eingeführt. Der von unabhängigen französischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickelte Nutri-Score wird bereits in Frankreich und Belgien verwendet, Spanien hat seine Einführung angekündigt und auch in Portugal, Luxemburg und der Schweiz wird über die Einführung diskutiert.

Das Modell nimmt eine Gesamtbewertung der Nährwertzusammensetzung eines Produktes vor, indem es ernährungsphysiologisch günstige und ungünstige Nährwertbestandteile miteinander verrechnet und auf einer von grün nach rot abgestuften Farbskala einordnet. Mit dem Nutri-Score lassen sich so die Nährwerte verschiedener Lebensmittel wie Tiefkühlpizzen, Frühstücksflocken oder Fruchtjoghurts auf einen Blick vergleichen.

Diese Vergleichbarkeit ist zumindest in der Theorie gegeben. In der Praxis wird das Konzept dadurch erschwert, dass die Verwendung des Nutri-Scores für die Hersteller freiwillig ist.

Repräsentative Umfragen

Das Forsa-Institut hatte 1.003 repräsentativ ausgewählten Verbraucherinnen und Verbrauchern online beispielhaft Lebensmittel gezeigt, die mit den beiden Nährwertmodellen gekennzeichnet waren. Im Anschluss sollten die Teilnehmenden im direkten Vergleich beispielsweise bewerten, welches Modell verständlicher ist und die Wahl gesunder Lebensmittel eher erleichtert.
In der Umfrage sprachen sich vor allem jene Bevölkerungsgruppen für den Nutri-Score aus, die besonders stark von Fehlernährung betroffen sind. Die Befragten mit geringem formalem Bildungsgrad und jene mit starkem Übergewicht bevorzugten jeweils zu drei Vierteln den Nutri-Score. Beide Gruppen bewerteten den Nutri-Score auch häufiger als hilfreicher bei der Auswahl gesunder Produkte. Den „Wegweiser Ernährung“ hingegen empfand ein besonders großer Anteil der Personen mit starkem Übergewicht als das kompliziertere Label.

In einer weiteren Studie wurden der Nutri-Score®, das Modell des Lebensmittelverband Deutschland e.V. (vormals Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V.; BLL), das Modell des Max Rubner-Instituts (MRI) und das Keyhole® vergleichend untersucht und bewertet. Die drei zentralen Untersuchungskriterien hierbei sind waren: die Wahrnehmung der Modelle, die Verständlichkeit, d.h., ob ein bestehendes System auch objektiv verständlich ist, sowie das Verständnis der Verbraucher/innen und damit die Frage, ob die Verbraucher das vorliegende Modell zutreffend interpretieren.

Auf die Frage, welches dieser Modelle in Deutschland eingeführt werden sollte, entschieden sich:

  • 57 Prozent für Nutri-Score®
  • 28 Prozent für das MRI-Modell
  • 7 Prozent für Keyhole®
  • 5 Prozent für das BLL-Modell

Testaufgaben zeigen, dass der Nutri-Score® unter den vier untersuchten Modellen am besten verstanden wird:

  • Nutri-Score®: 70 Prozent der Befragten konnten Testaufgaben zur Einordnung eines Lebensmittels vollständig richtig lösen
  • MRI-Modell: 60 Prozent
  • Keyhole®: 35 Prozent
  • BLL-Modell: 21 Prozent

Die höchsten Empfehlungswerte erreicht Nutri-Score® in zwei besonders relevanten Verbrauchergruppen:

  • bei Personen, die sich selten oder gar nicht mit der Zusammensetzung von Lebensmitteln beschäftigen (67 Prozent),
  • bei Personen mit Adipositas, Body-Mass-Index (BMI) über 30 (64 Prozent).

Die Ergebnisse im Detail finden Sie auf der Homepage unseres Bundesministeriums unter folgendem Link: www.bmel.de/eNWK

 

 

 

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