Menstruation und Querschnittlähmung

Frauen, die sich eine traumatische Querschnittlähmung zuziehen, erleben häufig, dass die Menstruation zunächst ausbleibt. Sobald sie wieder einsetzt stellt sich die Frage, wie damit umgehen bei einem veränderten Körper? Und welche Möglichkeiten gibt es bei der Monatshygiene?

 

Eine traumatisch bedingte Querschnittlähmung geht – unabhängig von der Höhe der Verletzung – häufig mit einem Ausbleiben der Menstruation während der ersten zwei bis zwölf Monate nach Eintritt der Querschnittlähmung einher. Diese vorübergehende Amenorrhö stellt keinen Schutz vor Schwangerschaft (siehe: Schwangerschaft bei Querschnittlähmung) dar, da der Eisprung nach wie vor stattfinden kann. Sollte kein Kinderwunsch bestehen, ist bei sexueller Aktivität daher eine (individuell bevorzugte) Form der Verhütung unbedingt angezeigt (Ducharme/Gill, 2006). Dabei muss beachtet werden, dass bei hormoneller Verhütung u. U. das Thromboserisiko erhöht wird (siehe: Verhütung und Thromboserisiko bei querschnittgelähmten Frauen).

Gut zu wissen: Kreislauf, Blase, Darm und Sensibilität

Wenn die Menstruation wieder einsetzt (falls sie überhaupt ausgeblieben ist), muss beachtet werden, dass sie im Allgemeinen (und das Tragen von Tampons o. ä. im Speziellen) bei einer Lähmungshöhe von Th 6/7 oder darüber Ursache einer autonomen Dysreflexie sein kann (siehe: Was geschieht bei einer autonomen Dysreflexie?).

Wenn die Menstruation vor Eintritt der Querschnittlähmung mit Krämpfen und Schmerzen im Unterleib einhergegangen ist, besteht die Möglichkeit, dass diese auch danach erhalten bleiben – und das trotz eingeschränkter Sensibilität (Lopez, 2019).

Die Menstruation hat keinerlei Einfluss auf ein etwaiges, über Dauerkatheter oder den intermittierenden Katheterismus geregeltes, Blasenmanagement.

Auf das Darmmanagement bzw. die Stuhlkonsistenz kann die Menstruation durchaus einen Einfluss haben, denn im Laufe des Zyklus kommt es zu hormonellen Veränderungen, die Verstopfung oder dünnflüssigen Stuhl verursachen können. Wann während des Zyklus aber welche Konsequenz eintritt, ist von Frau zu Frau unterschiedlich und muss individuell beobachtet werden.

Monatshygieneartikel für Frauen mit Querschnittlähmung: Was ist besser geeignet, Tampons oder Binden?

Hygieneartikel, die Frauen mit Querschnittlähmung (ebenso wie alle anderen) während der Menstruation verwenden können, werden extern (Period Panty/Binden/Slipeinlagen) oder intern (Tampons/Menstruationstassen/Menstruationsschwämmchen) getragen. Auf welches Hygieneprodukt die Wahl fällt, ist individuell verschieden, hängt bei Querschnittlähmung aber von einer Reihe von Faktoren ab.

Binden

Binden sind klassische Monatshygieneartikel, die von vielen Frauen bevorzugt werden, da sie einfach zu verwenden und nicht im Körperinneren getragen werden. Frauen mit Querschnittlähmung sollten jedoch vorsichtig beim Gebrauch von Binden sein: Wenn Binden nicht ausreichend häufig gewechselt werden, können sie den Druck auf die Haut beim Sitzen erhöhen und die Haut reizen. Bei der Verwendung sollte man darauf achten, dass die Haut steht trocken und sauber ist, um Hautirritationen und langfristig Hautschäden zu vermeiden.

Period Panty oder Periodenunterwäsche

Periodenunterwäsche sind am Markt ein recht neuer bzw. wiederbelebter Ansatz, der der Zero-Waste-Bewegung entstammt. Die Verwendung ist denkbar einfach, denn sie wird wie normale Unterwäsche getragen. Im Schritt der Unterwäsche sind drei dünne Schichten vernäht. Die erste, mit einem bakterienhemmenden Wirkstoff versehene Schicht leitet Feuchtigkeit weg vom Körper, sodass sich der Stoff im Schritt immer trocken anfühlt. Eine zweite Schicht saugt die Feuchtigkeit auf und eine dritte besteht aus einer flüssigkeitsundurchlässigen Membran, die vor dem Auslaufen schütz. Das Fassungsvermögen von Periodenunterwäsche entspricht ca. dem von drei Tampons. An den stärkeren Tagen der Menstruation ist daher wahrscheinlich ein (umständliches) Wechseln oder ein zusätzlicher Schutz (z. B. Tampon) notwendig. Denkbar ist auch eine Verwendung bei leichter Harninkontinenz. Nach dem Tragen werden sie in kaltem Wasser ausgespült und dann mit der 40 Grad-Wäsche gewaschen. Erfahrungsberichte von Frauen mit Querschnittlähmung liegen der Redaktion allerdings nicht vor.

Tampons

Viele Frauen mit Querschnittlähmung bevorzugen Tampons, da sie nicht zu Hautirritationen beitragen und einen besseren Schutz z. B. bei Transfers bieten. Allerdings ist es aufgrund einer evtl. gegebenen Sensibilitätsstörung möglich, dass der Tampon so eingesetzt wird, dass er nicht an der richtigen Stelle landet. Eine Einführhilfe kann hier hilfreich sein, ebenso das Verwenden von Tampons, die mit Gleitmittel beschichtet sind. Wenn Tetraplegikerinnen aufgrund einer eingeschränkten Handfunktion Probleme beim Einsetzen eines Tampons haben, müssen sie Pflegende oder den Partner bitten, beim Wechseln des Tampons zu helfen, was u. U. einiges an Überwindung kosten kann.

Zu bedenken gilt allerdings, dass Tampons bei einer geringen Zahl von Frauen ein toxisches Schocksyndrom (TSS) auslösen können, eine Infektionskrankheit, die in schweren Fällen zum Tode führen kann. Symptome sind u. a. Fieber, Hypotonie (niedriger Blutdruck), Atembeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall Muskelschmerzen, Herzrasen und Desorientierung. Um das toxische Schocksyndrom zu vermeiden, sollte der Tampon häufig (mindestens dreimal täglich, besser alle drei bis vier Stunden) gewechselt und beim Einführen auf saubere Hände geachtet werden (siehe hierzu: Infektionen vermeiden durch richtige Händehygiene).

Es gibt keine Hinweise darauf, dass Frauen mit Querschnittlähmung häufiger von einem toxischen Schocksyndrom betroffen sind als andere.

Menstruationstassen

Menstruationstassen etablieren sich erst seit wenigen Jahren am Markt für Monatshygiene. Daher gibt es noch keine ausreichenden Daten darüber, ob sie für Frauen mit Querschnittlähmung geeignet sind oder nicht. Sicherlich gilt wie bei Tampons: Das Einführen kann u. U. schwierig sein. Hinzu kommt, dass die Menstruationsflüssigkeit nicht gebunden sondern gesammelt wird. Dies kann ein Wechseln im Liegen schwierig machen.

Allerdings verfügt eine Menstruationstasse über das doppelte Fassungsvermögen (im Vergleich zu Binden und Tampons) und kann bis zu zwölf Stunden getragen werden. Ein Wechseln ist daher weniger häufig notwendig, was ein großer Vorteil sein kann. Zudem trocknen sie die Scheide nicht aus, was internen Hautirritationen vorbeugt. Manche Frauen mit Querschnittlähmung haben gute Erfahrungen damit gemacht und berichten, dass sie es als angenehm empfinden, beim Katheterisieren während der Menstruation ungehindert vorgehen zu können (Lopez, 2019).

Ebenso wie Tampons stehen Menstruationstassen im Verdacht bei einer kleinen Anzahl von Frauen das toxische Schocksyndrom auslösen zu können.

Menstruationsschwämmchen

Menstruationsschwämmchen sind wiederverwendbare, biologisch abbaubare Naturschwämme, die wie Tampons verwendet werden. Sie sind sehr weich und trocknen die Schleimhäute nicht aus, was das Tragen angenehm macht und vor Hautschäden schützt, doch sie haben kein hohes Fassungsvermögen, weshalb sie oft gewechselt werden müssen. Zudem dürfen sie nicht – anders als Menstruationstassen – nach der Verwendung ausgekocht werden. Die Hygiene wird durch das Einlegen in Essigwasser oder einer Wasserstoffperoxidlösung gewährleistet. Erfahrungsberichte von Frauen mit Querschnittlähmung liegen der Redaktion nicht vor.

 

Übrigens: Auch Frauen mit Querschnittlähmung sollten einmal im Jahr zum Gynäkologen gehen. Siehe hierzu: Gynäkologische Sprechstunde für Frauen im Rollstuhl und Geburtsvorbereitung für Frauen und Paare mit Behinderung

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